Viktoriakarree in Bonn

Kommt ein Stadtmuseum ins Schwimmbad?

Bonn. Die Freunde des Bonner Stadtmuseums sorgen sich weiterhin um dessen Zukunft. Gisbert Knopp, Vorsitzender des Fördervereins Stadtmuseum, schlägt nun die Umwandlung des Viktoriabads in eine Museumshalle vor.

Seit 1998 ist das Bonner Stadtmuseum in den oberen Etagen eines Seitenflügels des 2010 geschlossenen Viktoriabads an der Franziskanerstraße beheimatet. Es wurde damals für vier Millionen Mark, also umgerechnet etwa zwei Millionen Euro hergerichtet. Auf 1200 Quadratmeter Ausstellungsfläche ist dort ein Stück Bonner Stadtgeschichte zu sehen und zu erleben. „Der Besucher sieht allerdings nur einen Bruchteil der rund 100.000 Exponate, die das Stadtmuseum inzwischen besitzt“, weiß Gisbert Knopp. „Die meisten Stücke lagern in Depots.“

Der Vorsitzende des Fördervereins des Stadtmuseums sorgt sich mit vielen anderen Bonnern seit Langem um die Zukunft des Museums. Auch nach dem Aus für die Pläne für das Einkaufszentrum im Viktoriakarree, dessen Realisierung das Stadtmuseum auf jeden Fall zum Auszug gezwungen hätte, ist Knopp nicht weniger in Sorge. Denn nach wie vor ist nicht klar, wie es mit dem Karree weitergeht und was dann mit dem Stadtmuseum geschieht.

„Während für das Stadtarchiv inzwischen ernsthaft erneut eine Unterbringung in der Pestalozzischule geprüft wird, vermissen wir ein ähnliches Vorgehen für das Stadtmuseum“, kritisiert Knopp. Er beklagt außerdem, dass Oberbürgermeister Ashok Sridharan das Museum bislang noch nicht einmal besucht habe. „Das beunruhigt uns natürlich auch“, sagte er.

Früher Jugendstilbad, heute Schifffahrtsmuseum

Knopps Hoffnung ruht jetzt auf einem potenziellen neuen Investor, der das Museum eventuell in seine Planung einbeziehen werde. Der Vereinsvorsitzende, emeritierter Professor für Kirchengeschichte der Bonner Uni und einstiger Hauptkonservator beim Rheinischen Amt für Denkmalpflege, hat aber auch eine eigene Idee, wo man das Museum dauerhaft unterbringen könnte: „Was spricht eigentlich dagegen, das Stadtmuseum in der seit Jahren leerstehenden Halle des Viktoriabads unterzubringen?“, fragt er.

Dort könnte man unter Einbeziehung des Beckens mit einem dreigeschossigen Einbau eine große Ausstellungsfläche schaffen, in der weit mehr Exponate als bisher gezeigt werden könnten. Dafür könnte man eine eigenständige Konstruktion entwickeln, bei der auch das denkmalwürdige, große Glasfenster deutlich sichtbar bleibe. Knopp nennt aus seiner Sicht gelungene Vorbilder für seinen Vorschlag: So sei zum Beispiel im französischen Roubaix ein Schwimmbad aus den 1930er Jahren zum „Musée d'Art et d'Industrie“ umgewandelt worden.

Auch in Duisburg-Ruhrort sei ein einstiges Jugendstilbad heute Museum der Deutschen Binnenschifffahrt. Als drittes Beispiel nennt er Freiburg, wo das einstige Stadtbad heute als Kinder- und Jugendtheater dient. Knopp kündigte an, Kontakt mit Architekten aufnehmen zu wollen, die eventuell bereit seien, seine Idee zu Papier zu bringen.