Museumsmeilenfest in Bonn

Kochen im Haus der Geschichte: Wolfsbarsch für Rein Wolf

Wenn Museumsleute kochen: Während Gabriele Uelsberg und Hans Walter Hütter (im Vordergrund) an der "Panierstraße" für Wiener Schnitzel arbeiten, bemühen sich Rein Wolf und Andrea Niehaus (hinten) um den Fisch.

BONN. Öffentliches Kochen mit Marina Kömpel ist der Höhepunkt des Museumsmeilenfestes gewesen. Fast 70 000 Besucher zählte die Stadt an vier Tagen.

Woraus besteht eine "Panierstraße" für Wiener Schnitzel? Aus drei Stationen: Mehl, Ei und Paniermehl. Für Gabriele Uelsberg und den Österreicher Hans Walter Hütter war das nichts Neues.

Etwas konnten die Leiterin des LVR-Landesmuseums Bonn und der Direktor des Hauses der Geschichte aber doch noch von Meisterköchin Martina Kömpel lernen: "Machen Sie einen kleinen Schuss Sahne in das Ei." Welche chemischen Prozesse da ablaufen, wisse sie auch nicht, aber: "Die Schnitzel werden einfach besser."

Das hätte vielleicht Andrea Niehaus, Leiterin des Deutschen Museums, beantworten können. Aber sie war damit beschäftigt, zusammen mit Bundeskunsthallenleiter Rein Wolfs den Wolfsbarsch - die Wahl des Fischs war vermutlich kein Zufall - zuzubereiten.

Erst die letzten Gräten herausnehmen, dann ein wenig in Form schneiden, so sieht es schöner aus. Und ja, das Fenchelgemüse sollte man nicht anbrennen lassen. Diese Erfahrung machte Wolfs, aber er schob es auf den Induktionsherd.

Als Höhepunkt des Museumsmeilenfestes wurde gestern Nachmittag im Haus der Geschichte öffentlich gekocht. Dafür hatte man die Köchin Martina Kömpel extra aus Frankreich eingeladen.

Sie ist die erste deutsche Frau, die das höchstrangige Kochexamen in Frankreich abgeschlossen hat. Mit ihrer Hilfe entstanden Wiener Schnitzel mit Lauchgemüse und Champignons, Wolfsbarsch mit Fenchel, Crêpe Suzette und ein Aprikosendessert. Das Ergebnis wurde ans Publikum verteilt.

Kulinarisches im Haus der Geschichte, Veranstaltungen über Schlangen und Orchideen und mehr im Museum Koenig, Chemievorführungen und Theater im Deutschen Museum. Auch am Wochenende war in den beteiligten Einrichtungen des Museumsfestes jede Menge los.

Die Stadt schätzt für Samstag und Sonntag rund 50.500 Besucher und kommt für alle vier Tage auf 68.500. Auf dem Museumsplatz herrschte mehr Betrieb als am Freitag. Auf dem Dach des Museums unterhielt der Fakir Alyn. Er legte sich auf ein Nagelbrett und ertrug zudem das Gewicht von acht Kindern, er jonglierte mit einer brennenden Fackel, einer Pfanne und einem Ei und fing letzteres nachher mit dem Kopf auf, und vieles mehr.

Auch das Kunstmuseum setzte sein Programm fort. Die Workshops waren gut besucht. Bildhauer Benedikt Birckenbach baute mit Besuchern aus Dachlatten und Kabelbindern ein Holzkonstrukt. Bei Malerin Stephanie Pech schufen die Teilnehmer "Anthropometrien"-Bilder.

Auf eine Grundierung wurde mit Körperteilen nach bestimmten Kriterien Farbe aufgetragen. Das Ganze diene nach Max Ernst dazu, "den Jungfräulichkeitskomplex vor der weißen Leinwand zu bannen", sagte Pech. Nebenan ging es bodenständiger zu.

Dort wurden Minigolfbahnen mit Tunneln, Trichtern und Loopings aus Verpackungsmaterial und anderen Utensilien aus dem Museum gebaut. Das hatten am Samstag Erwachsene übernommen, gestern durften auch Kinder ran.

Der Ausstellungsraum werde immer neu konzipiert, sagte Antonia Low, die den Workshop zusammen mit dem Künstlerduo Julia Werhahn und Luisa Puschendorf leitete. "Und die Ausstellungsmaterialien bekommen einen neuen Zweck." So kompliziert dachten Simon (6) und Samuel (8) nicht: "Wir bauen einfach drauflos."