Prozess vor dem Bonner Landgericht

Klinikarzt missbraucht 17-jährige Patientin

Der ehemalige Assistenzarzt wurde wegen Missbrauchs einer Patientin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Der ehemalige Assistenzarzt wurde wegen Missbrauchs einer Patientin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Bonn. Ein damals 39 Jahre alter Klinikarzt hat 2012 eine 17-jährige Patientin zweifach sexuell missbraucht und steht seit Freitag vor dem Bonner Landgericht. Der fünffache Familienvater hat ein Geständnis abgelegt und damit dem Opfer die Aussage erspart.

Das Lachen der jungen Patientin war am 4. Juli 2012 bis auf den Krankenhausflur zu hören. Die 17-jährige Schülerin, die tags zuvor an den Mandeln operiert worden war, hatte Besuch von Freunden und war wieder fröhlich. Wenig später jedoch klagte sie bei der Krankenschwester über heftige Bauchschmerzen, der diensthabende Assistenzarzt, der seine HNO-Ausbildung zum Facharzt machte, „untersuchte“ sie. Und seitdem ist für die junge Frau nichts mehr wie vorher: Der damals 39-Jährige missbrauchte sie zweifach sexuell – und steht seit Freitag vor dem Bonner Landgericht.

Der damalige Assistenzarzt aus dem Jemen sitzt erst vier Jahre später wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung des Behandlungsverhältnisses auf der Anklagebank, weil er wenige Tag nach der Tat in seine Heimat abgetaucht war. Mit internationalen Haftbefehl war der verheiratete Vater von fünf Kindern gesucht und erst im Juli 2016 in Rumänien festgenommen werden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Damals hat der Assistenzarzt gegenüber seinem Chefarzt einen Fehler eingeräumt – und es gestern, nach längerem Zögern, auch im Prozess gestanden: Er habe sich von ihrem „sexy Körper“ hinreißen lassen. Der Schülerin hatte er zugeflüstert, dass sie eine sehr attraktive Frau sei, „so was habe er vorher nur im Fernsehen gesehen“. Dann hatte er vorgegeben, sie gynäkologisch zu untersuchen.

Eingriffe waren eine Tortur

Für die Patientin jedoch waren die „Eingriffe“ eine Tortur. Laut Anklage hatte sie „so starke Schmerzen, dass sie sich zunächst über eine medizinische Indikation keine Gedanken machte, sondern nur hoffte, Hilfe zu bekommen“. Zum Abschied gab der Mediziner der Patientin noch eine private Diagnose: Ihre Schmerzen beruhten auf falschen Stellungen beim Sex mit ihrem Freund. Dann forderte er sie auf, über alles zu schweigen.

Was wirklich passiert war, begriff die 17-Jährige zu spät. An ihren Freund, der damals in Wien Zahnmedizin studierte, schrieb sie noch in der Nacht verzweifelt: „Egal, was ich Dir erzähle, Du musst mir versprechen, dass Du mich vor allem und jedem beschützt. Auch dass Du immer bei mir bleibst.“ Der Student schaltete alarmiert sofort die Mutter seiner Freundin ein.

„Sie war immer ein offener und fröhlicher Mensch gewesen“, sagte der inzwischen ausgebildete Zahnmediziner als Zeuge. „Aber seit dieser Nacht ist sie eine ganz andere Person. Verstört, mit Ängsten und Alpträumen.“

Immenser Schaden

„Der Schaden ist immens“, bestätigte auch die Mutter unter Tränen. „Wenn sie sich an die Situation erinnert, ist es so, als wäre es gerade passiert.“ Ihre Tochter weigere sich bis heute, ein Krankenhaus zu betreten und gehe nur in Begleitung zum Arzt, so die 55-Jährige. „Das Grundvertrauen zum Arzt ist nicht mehr da.“ Das Geständnis des Angeklagten bewahrt die heute 21-Jährige vor einem Auftritt vor Gericht.