Neuer Discounter am Rheinweg?

Kleingärtner bangen um Gelände

Für die Mitglieder des Kleingartenvereins Bonn-Süd sind ihre Gärten in Kessenich nicht nur Erholungsgebiet, sondern dienen auch dem Artenschutz und als "Belüftung" für den Stadtteil.

Für die Mitglieder des Kleingartenvereins Bonn-Süd sind ihre Gärten in Kessenich nicht nur Erholungsgebiet, sondern dienen auch dem Artenschutz und als "Belüftung" für den Stadtteil.

05.01.2015 BONN. Die Pläne für einen neuen Lebensmitteldiscounter am Rheinweg in Kessenich stoßen bei den Mitgliedern des Kleingärtnervereins Bonn-Süd auf Widerstand. Denn wenn die bisherigen Überlegungen der Stadt dort in die Tat umgesetzt werden, muss mindestens die Hälfte der Kleingärten weichen.

 Auch wenn die Verwaltung bislang noch nicht einmal die Bebauungsplanphase erreicht hat, sind die Sorgen groß. Denn die Stadt scheint unter Druck zu stehen: Das Projekt hat offenbar mit einer millionenschweren Klagedrohung des Aldi-Konzerns zu tun.

Die ursprüngliche Planung für neue Wohnbebauung und einen Discounter, zu der die Stadt auch eine Bürgerinformation durchführen sollte, bezog sich auf das Gebiet südlich des Rheinwegs entlang der Bahnschienen. Jetzt geht es plötzlich um ein Areal nördlich der Straße. Dort hat der Stadtverband Bonn der Kleingärtner hinter dem leerstehenden "Geisterhaus" Grünflächen von der Stadt gepachtet - und verpachtet sie weiter an die Hobbygärtner.

Die haben dort eine offene Gartenstruktur mit nur wenigen Zäunen eingerichtet. Sogar Dachs und Marder gebe es dort, sagt die Gärtnerin und Ökologin Kirsten Treis. Die Gärten seien Teil des Integrierten Freiraumsystems der Stadt: Das sieht das ganze Areal entlang der Bahn südlich der Reuterbrücke als "stadtstrukturell bedeutsame Freiraumachse" vor. Darin werden die Naturschutz- und Belüftungsfunktion des Gebietes herausgestellt, weshalb "jede weitere bauliche Inanspruchnahme vermieden werden" soll. "Wir wollen deutlich machen, dass wir auch Argumente dafür sehen, das zu erhalten", sagt Gärtner Stephan Willinger. "Das ist nicht nur unser eigenes Interesse."

Als Termine für die Bürgerinformation war auf der Homepage der Stadt der 15. Dezember angekündigt - laut Aussage auf der Internetseite sei dies ein Versehen gewesen. In dem Bürgerbrief war überraschend die Rede vom Gelände nördlich der Straße, inklusive einer kleinen Karte, auf der die Hälfte der Kleingartenanlage als Fläche für einen Lebensmittelanbieter markiert war (siehe Grafik). Begründung der plötzlichen Verlagerung war, "dass das zugrunde gelegte städtebauliche Konzept nicht der zukünftigen Bedeutung des Standortes in unmittelbarer Umgebung zum geplanten DB-Haltepunkt UN-Campus entspreche", hieß es im Bürgerbrief.

Kurz darauf war der von der Internetseite verschwunden - und der Informationstermin abgesagt. Laut Marc Hoffmann vom städtischen Presseamt deshalb, weil noch Abstimmungsbedarf bestanden habe. Er sagt aber auch: "Es gibt keine andere Fläche." Noch sei man in einer sehr frühen Planungsphase. Um welchen Discounter es geht, wollte Hoffmann nicht verraten. Konkret wird dagegen Bezirksbürgermeister Helmut Kollig (SPD): "Es geht um Aldi." Mit der Klagedrohung habe das aber nichts zu tun. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage des General-Anzeigers dazu nicht äußern.

Man müsse auch mit dem Kleingärtner-Stadtverband reden, sagt Kollig, und ihm Ausgleichsflächen und einen "finanziellen Ausgleich" in Aussicht stellen. Der Verbandsvorsitzende Peter Terlau kritisiert, dass über Grundstücke entschieden werde, ohne mit dem Pächter zu sprechen. Der Verband werde die Stadt jetzt auffordern, Stellung zu nehmen.

Für David Lutz (CDU), Mitglied in der Bonner Bezirksvertretung, ist klar: "Auf diese Art und Weise geht es nicht". Die Stadt könne nicht alles wegradieren für einen Lebensmitteldiscounter, ohne mit den Kleingärtnern zu sprechen. Die Verwaltung müsse Varianten mit Tiefgarage prüfen, fordert Hartwig Lohmeyer, Grünen-Vertreter in der Bezirksvertretung. Und: "Ohne Not sollte man die Kleingärten nicht aufgeben." Diese Meinung teilt auch Werner Esser, planungspolitischer Sprecher der SPD. "Es ist wichtig, dass ein Gesamtkonzept erstellt wird." Er könne sich Wohnbebauung vorstellen, aber Discounter habe man in Kessenich schon genug. "Deshalb hat die SPD auch nicht dafür gestimmt." Laut Kollig sind die Signale aus der SPD-Fraktion zum Discounter jetzt aber positiv. Er will allerdings zunächst die Bürgerversammlung abwarten, und die soll noch im Januar stattfinden.

Der KGV Bonn-Süd hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Weitere Informationen dazu auf www.kgvbonnsued.wordpress.com

Ärger mit Aldi

Im Dezember 2002 beantragte Aldi den Bau einer neuen Filiale an der Straße In der Raste in Dottendorf. Weil kurz zuvor die Stadt beschlossen hatte, das Gelände nicht für den Einzelhandel freizugeben, stellte sie den Antrag zurück, versah aber den Bescheid nicht mit der sofortigen Vollziehung. Durch den Formfehler wurde er nicht gültig.

Aldi legte der Stadt einen Klageentwurf vor und forderte rund 2,8 Millionen Euro. Wenn die Stadt Aldi eine andere Baufläche in der Gegend anbietet, will der Discounter wohl auf die Klage verzichten. Die Stadt gibt zum aktuellen Sachstand keine Stellungnahme. (Stefan Knopp)