Stadt kündigt Vertrag

Kiosk an der Bonner Rheinaue vor dem Aus

Marion Lennarz bangt um die Zukunft ihres Kiosks an der Charles-de-Gaulle-Straße.

Marion Lennarz bangt um die Zukunft ihres Kiosks an der Charles-de-Gaulle-Straße.

Bonn. Eine fehlende Abwasserleitung am Kiosk an der Rheinaue wird zum Problem - nach 17 Jahren. Jetzt muss Marion Lennarz ihren Imbiss möglicherweise schließen.

Still und heimlich erfolgte die Kündigung durch die Stadtverwaltung. CDU-Stadtverordneter Herbert Kaupert erfuhr zufällig davon, als er bei einer Veranstaltung mit Marion Lennarz sprach. Der 55-Jährigen gehört der Kiosk an der Charles-de-Gaulle-Straße am nördlichen Ende der Rheinaue. Der Imbiss erfreut sich großer Beliebtheit. Unter manchen Bonnern ist er Kult, und mittags brummt der Laden richtig. Da kommen nicht nur Spaziergänger und Radfahrer, auch viele Mitarbeiter von den angrenzenden Büros, dem Post Tower, der Deutschen Welle und dem UN-Campus. Geht es nach dem Willen der Bonner Stadtverwaltung, muss Marion Lennarz den Laden dichtmachen.

„Ich habe jetzt die dritte Kündigung bekommen“, sagt die gebürtige Beuelerin, während sie die Plastiktische vor dem Imbiss wischt. Die erste Kündigung flatterte ihr Anfang des Jahres ins Haus, dann gab es eine Frist bis Ende Juni, jetzt soll sie den Imbiss bis Ende September geräumt und abgebaut haben. Die Stadt Bonn will sich dazu auf Anfrage nicht äußern und verweist lediglich auf eine Anregung der Bonner Bezirksvertretung von Anfang Juli. Dazu werde sie am 5. September Stellung beziehen, so ein Sprecher aus dem Presseamt. Ansonsten beruft sich die Stadt darauf, dass die Angelegenheit in den Gremien nicht-öffentlich debattiert werde.

Fehlende Abwasserleitung führt zur Kündigung

Die vertraulichen Papiere liegen dem GA vor. Darin begründet die Stadt die Kündigung mit einer fehlenden Abwasserleitung. „Das fällt der Stadt nach 17 Jahren auf?“, fragt Lennarz verblüfft. Tatsächlich hat sie den Imbiss, der aus zwei Containern besteht vor fast 20 Jahren vom Vorgänger gekauft. Damals gehörte der Grund und Boden, auf dem der steht noch dem Bund. Seit 17 Jahren indes ist die Stadt Bonn Eigentümerin des Grundstücks, der Pachtvertrag sei damals an sie weitergegangen, so Lennarz. Allerdings sei der Vertrag immer nur jährlich verlängert worden. „Das lief all die Jahre stillschweigend. Ich habe überhaupt nicht mehr daran gedacht – bis die erste Kündigung kam“, sagt Lennarz.

Entdeckt wurde der Missstand im Zuge von Kanalarbeiten im vergangenen Jahr. Da habe das Amt für Stadtgrün festgestellt, dass die Schmutzwasserleitung des Kiosks an den Überlauf des Rheinauensees sowie des Post Towers angeschlossen war, so die Stadt in einer nicht-öffentlichen Erklärung an die Bezirksvertretung Bonn. „Alle anfallenden Abwässer werden ungeklärt in den Rhein geleitet. Dies ist besonders problematisch, da sich der Kioskbetrieb in den Jahren zu einem Imbissbetrieb gewandelt hat“, heißt es. Die Abwasserleitung sei daraufhin gekappt worden, so die Imbissbetreiberin. Seitdem fängt sie das Schmutzwasser auf und kippt es händisch in den Kanal. „Das ist ja nur Spülwasser. Die Fette von der Friteuse und so entsorge ich ja sowieso extra“, sagt sie.

Kaufinteressenten werden abgeschreckt

Die Stadt meint aber nun, der Standort sei „bauordnungsrechtlich nicht genehmigt und nur geduldet“. Außerdem solle „der Standort aus fachlicher Sicht des Amtes für Stadtgrün als unterhaltende Dienststelle der Rheinaue als Kiosk- beziehungsweise Imbissstandort dauerhaft aufgegeben werden“. Daher sei der Vertrag mit der Betreiberin gekündigt worden.

Eigentlich habe sie vorgehabt, noch etwas Geld in die Hand zu nehmen und den Imbiss etwas aufzuhübschen. Anfang des Jahres habe sogar ein junges Ehepaar Interesse am Kauf des Imbisses gehabt, erzählt Lennarz. Das wäre auch bereit gewesen, den Kanal legen zu lassen. Außerdem habe es vorgehabt, eine Toilette zu bauen. Doch nach der kategorischen Haltung der Stadt sei sie vom Kauf zurückgetreten. „Verständlich“, meint Lennarz.

Auf Antrag der CDU beschloss die Bezirksvertretung nun einstimmig bei Enthaltung von vier SPD-Politikern und der FDP, die Stadt möge mit der derzeitigen Pächterin des Kiosks über eine Weiterverpachtung verhandeln. Dabei sollen auch ein ordnungsgemäßer Kanalanschluss, die äußere Gestaltung des Kiosks und der Bau einer Toilettenanlage erörtert werden. Lennarz bereitet das alles Bauchschmerzen. Denn sie ist nicht sicher, ob sie die Auflagen alle finanziell stemmen kann. Doch, fragt Lennarz: „Was ist die Alternative?“