Beethoven-Festspielhaus in Bonn

Kernfragen noch immer ungeklärt

BONN. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat die Stadt Bonn in Sachen Beethoven-Festspielhaus zu mehr Entschlossenheit gemahnt. Eile sei geboten.

Die vom Bund zugesagten 39 Millionen Euro für eine Betreiberstiftung des Festspielhauses stünden zwar nach wie vor zur Verfügung. Die Frage sei indes, wie lange noch. Auch Außenminister Guido Westerwelle hatte schon im Sommer 2012 gewarnt, Bonn solle sich nicht zu viel Zeit lassen.

Der General-Anzeiger hat bei der Stadtverwaltung nach dem Stand der Festspielhaus-Pläne gefragt. Die Antworten zeigen: Seit dem letzten Ratsbeschluss im Herbst 2012 hat sich wenig getan. Eine Realisierung des Projekts bis 2020 scheint eher unrealistisch zu sein.

Wie groß ist die Finanzierungslücke? Hat die Stadt weitere Großsponsoren gefunden?
Hat sie nicht. Die Deutsche Post DHL stellt bekanntlich 30 Millionen Euro in Aussicht. IHK-Präsident Wolfgang Grießl und seine Unterstützer haben nach eigenen Angaben Zusagen über fünf Millionen Euro für das Festspielhaus eingesammelt. Die Baukosten liegen aber mindestens bei 80 Millionen Euro (je nach Ausführung). Frühere Schätzungen reichten bis zu 100 Millionen Euro.

Wie rechtssicher ist die Post-Zusage überhaupt?
Die Deutsche Post DHL habe die Finanzierungsabsicht im Februar 2013 bekräftigt, berichtet das städtische Presseamt. Die erforderliche Beschlussfassung in den Post-Gremien sei aber erst vorgesehen, wenn die Gesamtfinanzierung gesichert sei.

"Beethoventaler": Wer macht mit, wann geht es los?
Hoteliers aus Bonn und Umgebung wollen das Festspielhaus finanziell unterstützen: in welcher Höhe, ist noch unklar. Zu diesem Zweck wird eine Genossenschaft gegründet. Über den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband sind laut Stadtverwaltung etwa 20 Hoteliers beteiligt. Der Start der Aktion ist im Frühjahr geplant.

Wie hoch soll der städtische Betriebskostenzuschuss für ein Festspielhaus maximal sein?
Dazu gibt es keine Antwort aus dem Stadthaus. Erst wenn sich abzeichne, dass die Finanzierung des Neubaus und seines Betriebes gesichert sei und feststehe, welche Unternehmen sich am Bauherrenkonsortium beteiligen, werde die Verwaltung einen Businessplan als Grundlage für eine Entscheidung vorlegen können. Erst dann soll festgelegt werden, ob und in welchem Umfang sich die Stadt selbst - neben anderen öffentlichen und privaten Zuschussgebern - mit einem in der Höhe festgeschriebenen Zuschussbetrag am laufenden Betrieb des Konzerthauses beteiligen werde.

Kommt das Festspielhaus wie geplant in die Rheinaue, muss die Stadt zehn bis zwölf Millionen Euro in die Umfeldgestaltung investieren: Ist das Land NRW bereit, mit Fördermitteln zu helfen?
Das Thema sei mit Vertretern des Landes bereits erörtert worden, so das Presseamt. Ob "konkrete Förderkulissen für die Umgestaltung des öffentlichen Raumes in Anspruch genommen werden können", das sei "auf Basis des bisherigen Planungsstandes" noch nicht konkret zu klären gewesen.

Wie steht es um eine Alternativplanung für das Beethovenfest 2020?
Die Beethovenhalle muss unabhängig vom Bau des Festspielhauses saniert werden. Hierzu sind im Haushalt der Stadt für die nächsten Jahre rund 15 Millionen Euro vorgesehen (2013: 200 000 Euro für Planung, 2014: 5 Millionen, 2015: 10 Millionen Euro). Das reicht aber längst nicht: Knapp 30 Millionen Euro würde eine Grundsanierung als Multifunktionshalle einschließlich Erweiterungsbauten kosten. Für die Ertüchtigung zum hochwertigen Konzertsaal wären laut Stadtverwaltung rund 43 Millionen Euro notwendig. Staatsminister Neumann betonte zudem, die 39 Millionen vom Bund stünden für die Beethovenhalle nicht zu Verfügung - sondern nur für den Betrieb eines neuen Festspielhauses.

Haben die geplanten Gespräche der Architekten der beiden Festspielhaus-Entwürfe mit den Stadtplanern stattgefunden? Mit welchem Ergebnis?
Gespräche wurden geführt, berichtet die Stadt. Beide Büros, die durch den von der Post AG veranstalteten Wettbewerb ausgewählt worden waren, halten es für grundsätzlich möglich, ihre Entwürfe an die besonderen Bedingungen und Anforderungen der Rheinaue anzupassen.

Das Zeitfenster für das Planungsverfahren schließt sich. Eine Entscheidung sollte im ersten Quartal 2013 fallen. Ist eine rechtzeitige Fertigstellung des Festspielhauses bis 2020 noch realistisch?
Dazu verweist das Presseamt lediglich auf eine Vorlage an den Kulturausschuss aus dem September 2012 (siehe unten). Diese Einschätzung gelte weiter.

Stimmt der Landschaftsarchitekt dem Standort Rheinaue rechtsverbindlich zu?
Die Stadt befindet sich in "produktiven und ideenreichen Abstimmungen mit den Gebrüdern Hansjakob als Landschaftsarchitekten und Inhabern des Urheberrechtes", erklärt das Presseamt. Es sei aber zu früh, eine "verbindliche Zustimmung zu den Veränderungen" zu erwarten.

Wer soll Bauvorhabenträger werden? Ist bereits eine Gesellschaft gegründet worden?
Dazu gibt es laut Stadt noch keine konkreten Absprachen.

Der Verein "Bürger für Beethoven" fordert die Verwaltung unterdessen auf, die Mahnung des Kulturstaatsministers ernst zu nehmen. Der Vereinsvorsitzende Stephan Eisel kritisiert: "Unter unseren 1200 Mitgliedern gibt es viel Verärgerung über die Passivität der Stadtspitze."