Bibliothekskonzept der Stadt Bonn

Keine Bücherei soll schließen

Die Bücherei in Endenich bleibt, wird aber von Freiwilligen betrieben.

BONN. Obwohl das neue Bibliothekskonzept der Stadt Bonn im Rathaus noch wie eine geheime Kommandosache behandelt wird, sickern bereits immer mehr Details an die Öffentlichkeit. Die wichtigste Aussage: Anders als bisher von Rat und Verwaltung überlegt wurde, soll nach der Wiedereröffnung der Zentralbibliothek im neuen Haus der Bildung am Bottlerplatz im nächsten Jahr keiner der insgesamt neun Zweigstellen-Standorte in der Bundesstadt aufgegeben werden.

In welcher Form allerdings die Standorte aufrecht erhalten werden, dazu wollte sich Kulturdezernent Martin Schumacher am Dienstag noch nicht äußern. Nach GA-Informationen sieht das Konzept auf jeden Fall für die Zweigstellen in Endenich und Dottendorf Änderungen vor. Das städtische Angebot solle dabei abgespeckt werden, erfuhr der GA weiter. Beide Standorte standen wie auch die Bezirksbücherei im Beueler Brückenforum wegen ihrer räumlichen Nähe zum Haus der Bildung beziehungsweise guten Bahnanbindung bisher sogar zur Schließung an.

Während Schumacher zufolge der Fortbestand der Beueler Bücherei inzwischen außer Frage steht, hält er sich zur künftigen Konzeption der Büchereien in Endenich und Dottendorf bedeckt. "Wir haben das Bibliothekskonzept ja noch nicht einmal im Verwaltungsvorstand beraten", erklärte er. Nur so viel: "Die Kulturverwaltung hat bei all ihren Überlegungen berücksichtigt, dass die Zweigstellen nicht nur als kultureller, sondern auch als sozialer Treffpunkt für die Bürger außerordentlich wichtig sind", sagte er. Dabei könne man sich durchaus vorstellen, die Fördervereine der Büchereien künftig stärker einzubinden.

In der Zentralbibliothek am Bottlerplatz können sich die Kunden nach der Wiedereröffnung auf einige Neuerungen einstellen: So soll die Bücherei an keinem Tag in der Woche mehr geschlossen und samstags deutlich länger geöffnet sein. Bisher sind alle städtischen Bibliotheken stets dienstags zu. Samstags ist lediglich die Zentralbücherei, die während der Umbauzeit in einem Provisorium der Cassius-Bastei untergebracht ist, von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Und auch technisch tut sich einiges in der Stadtbücherei: "Die Kunden werden in Zukunft über ein elektronisches System ihre Bücher ausleihen können und dafür nicht mehr in langen Schlangen anstehen müssen", erklärte Schumacher. Die Kosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro für das elektronische Ausleihsystem, das nach und nach auch in den Zweigstellen eingesetzt werden soll, seien in den Baukosten für das Haus der Bildung von mehr als 20 Millionen Euro enthalten.

Die schwarz-grüne Ratsmehrheit reagierte am Dienstag verhalten auf den Vorschlag Schumachers, an allen Bücherei-Standorten festzuhalten. "Nach Eröffnung des Hauses der Bildung muss auch das Thema Neuordnung der umliegenden Büchereien wieder auf die Tagesordnung kommen", so Georg Fenninger (CDU) und Tom Schmidt (Grüne), "wir wollen insgesamt eine grundlegende Verbesserung des Angebotes für alle Bürger, aber auch Doppelstrukturen abschaffen."

Zahlen zur Stadtbibliothek

Die Bonner Stadtbücherei (inklusive Musikbücherei) zählt insgesamt 348.856 Medieneinheiten, wozu vor allem Bücher und DVDs gehören. Die Ausleihzahlen sind zurzeit rückläufig. 2010 waren es 1,7 Millionen Ausleihen, 2012 lag die Zahl bei rund 1, 5 Millionen. Wobei man berücksichtigen muss, dass die Zentralbibliothek seit Herbst 2011 wegen der Bauarbeiten für das Haus der Bildung in der Cassius-Bastei untergebracht ist. Die Ausleihzahlen in Endenich und Dottendorf sind gestiegen: in Endenich von rund 73.000 (2010) auf rund 77.000 (2012); in Dottendorf von rund 70.000 (2010) auf rund 80.000 (2012). Laut Stellenplan sind in der Stadtbücherei 64 Mitarbeiter beschäftigt.