"Die blockierte Stadt - Folge 2"

Kein Konzept für die Bonner Hallen

Immer nur das Nötigste wird repariert: auch in der Godesberger Stadthalle.

BONN. Es geht nicht weiter in dieser Stadt, sagen viele Bürger und klagen über eine "blockierte Stadt". Im zweiten Teil dieser Serie geht der GA der Frage nach, warum trotz vieler Probleme bei den städtischen Hallen und Veranstaltungsräumen immer noch kein Hallenkonzept vorliegt.

Was bisher geschah: Die Beethovenhalle kann man als Mutter aller Hallen in Bonn bezeichnen. Das 1959 eingeweihte Denkmal am Rhein hatte zwei Vorgängerinnen: Die erste war zu Ehren von Franz Liszt 1845 voll aus Holz auf dem Gelände des ehemaligen Viktoriabads errichtet und bald wieder abgerissen worden. Aus Anlass des 100. Geburtstages von Ludwig van Beethoven wurde 25 Jahre später an der heutigen Berliner Freiheit die zweite Beethovenhalle gebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie vollkommen zerstört.

Bereits 1955 war in der damaligen noch selbstständigen Badestadt Godesberg die von einem privaten Pächter betriebene Stadthalle eingeweiht worden. Das 1989 fertiggestellte Brückenforum in Beuel gehört ebenfalls der Stadt Bonn und ist verpachtet. Weitere städtische Hallen und Veranstaltungsorte: die aus den 1960er Jahren stammende Oper, die Bestandsbauten des World Conference Centers Bonn (WCCB), wozu der alte Plenarsaal und das Wasserwerk zählen, demnächst der neue Kongresssaal mit rund 4.500 Sitzplätzen, die Godesburg, die Hardtberghalle (etwa 3 000 Plätze), das Kunstmuseum. Hinzu kommen viele private Stätten, zum Beispiel in den großen Hotels. Auch die mit 6000 Zuschauerplätzen mit Abstand größte Veranstaltungsstätte, der Telekom Dome, liegt in privater Hand.

Auch mittlere und kleinere Säle finden sich zahlreich in Bonn - in Gaststätten, Museen, in Ministerien und sonstigen Institutionen. Hinzu kommt die Debatte um ein Festspielhaus. So richtig weiß aber niemand, wie viel privaten und städtischen Veranstaltungsraum die UN-, Sport- und Beethoven- stadt Bonn exakt hat, wie viel sie noch verträgt und wofür sich welche Halle oder welcher Saal genau eignet. Wichtige Fragen, die vor dem Hintergrund des millionenschweren Sanierungsstaus bald geklärt werden müssen, für den es keine Rücklagen gibt.

Ein Anliegen der Kommunalpolitik ist es deshalb seit Jahrzehnten, mit Hilfe einer Bestandaufnahme und - im zweiten Schritt - eines Konzepts Licht in den Hallendschungel zu bringen. Schon 1992 berichtete der GA über die Forderung nach einem "Hallenkonzept 2000". 2005 kam zwar ein solches auf den Tisch, verschwand aber bald wieder in der Versenkung. Grund: zu wenig aussagekräftig.

Das Ziel: Das Hallenkonzept soll zum einen vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage der Stadt eine qualifizierte Bestandsaufnahme aller nötigen Sanierungsmaßnahmen in städtischen Hallen und Veranstaltungsräumen liefern. Zum anderen soll es auch eine Strategie enthalten: Es geht um die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Säle, um Auslastungszahlen. Wo macht es Sinn, noch Geld in die Hand zu nehmen und wo nicht? Wo ergeben sich Synergieeffekte mit privaten Hallen? Viele komplexe Fragen müsste das Konzept beantworten.

Woran hakt es? "Gute Frage", sagen die Politiker. Der Vorwurf an die Verwaltung ist stets, dass sie bisher nicht imstande gewesen sei zu sagen, welche Halle sich für welchen Veranstaltungstyp eignet, welches Profil man ihr geben will und wie viele Investitionen dazu nötig sind. Seit dem Jahr 2000 hat sich zudem einiges verändert. Auf dem Hardtberg ist mit dem Telekom Dome eine außerhalb des Sports verwaiste, aber zugleich Bonns neueste Versammlungsstätte hinzugekommen, und im Regierungsviertel steht das wahrscheinlich auch für klassische Konzerte taugliche Kongresszentrum (WCCB) in den Startlöchern. Letztlich ähnelt die Hallen- der Bäderfrage: Was können und sollten die privaten Veranstaltungsstätten besser übernehmen, was die städtischen? Was garantiert dem Bürger ein breitgefächertes Programm und insgesamt ausreichend Tagungsraum? Welche Lösung bietet das größte Sparpotenzial für den klammen Stadthaushalt? Und wie reagiert die Politik, wenn das finale Ergebnis lautet, dass die eine oder andere Halle besser schließen oder verkauft werden sollte?

Wie es weitergeht: Ganz frisch ist der Beschluss des Stadtrates, die Beethovenhalle für rund 30 Millionen Euro zu sanieren. Ziel ist es, die Halle vor Beginn des Beethoven-Jubiläumsjahres 2020 fertig zu stellen. Angepackt wird auch (wieder einmal) die Oper: Hier soll rund eine Million Euro vor allem in die Technik investiert werden. Bei der sanierungsbedürftigen Stadthalle Bad Godesberg und dem Brückenforum in Beuel wird nach wie vor nur das Nötigste getan.

Die GA-Prognose: Die Beethovenhalle wird als Multifunktionshalle ausgebaut. Die Kosten dürften am Ende deutlich höher liegen als geplant. Das neue WCCB wird 2014 oder Anfang 2015 eingeweiht und sich auch für Konzerte eignen. Vielleicht findet dort 2020 anlässlich des 250. Geburtstages Beethovens - mangels Festspielhaus - auch das Eröffnungskonzert mit Gästen aus aller Welt statt. Der Saal bietet rund 4.500 Menschen Platz. Ansonsten bleibt es bei Flickschusterei - und ein Hallenkonzept ein frommer Wunsch.

Was halten Sie von diesem Problem? Diskutieren Sie mit.

Die GA-Serie

Viele wichtige Zukunftsprojekte in Bonn werden seit Jahren, manchmal Jahrzehnten diskutiert - aber nicht entschieden. In der neuen Serie versucht der GA, Hintergründe und Ursachen zu beleuchten. In den kommenden Wochen wird es unter anderem um den Verkehrsentwicklungsplan, das Viktoriakarree, die Bäder-Debatte, die Verlängerung der S-Bahnlinie 13 und das fehlende Kulturkonzept gehen.

Nächste Folge am Samstag: das Ringen um ein Beethoven-Festspielhaus in Bonn.