Große Vereine kehren nicht zurück

Kein Karneval mehr in der Bonner Beethovenhalle

Der 8. Januar 2016 könnte in die Geschichte des Bonner Karnevals eingehen – als der Tag, an dem kostümierte Jecken mit Prinz Michael I. und Bonna Tiffany die letzte Proklamation eines Bonner Prinzenpaars in der alten Beethovenhalle feierten.

Der 8. Januar 2016 könnte in die Geschichte des Bonner Karnevals eingehen – als der Tag, an dem kostümierte Jecken mit Prinz Michael I. und Bonna Tiffany die letzte Proklamation eines Bonner Prinzenpaars in der alten Beethovenhalle feierten.

Bonn. Große Bonner Karnevalsvereine kehren nach der Sanierung der Beethovenhalle nicht wieder dorthin zurück, sondern bleiben bei den derzeitigen Veranstaltungsorten. Andere Veranstalter warten noch ab.

Die Karnevalisten wollen nach der Sanierung der Beethovenhalle nicht mehr an den Traditionsstandort zurückkehren. Nachdem sie in den beiden vergangenen Sessionen ins Maritim Hotel ausgewichen sind, ist die Stimmungslage im bönnschen Fastelovend eindeutig: Maritim kann Karneval. Sowohl Stadtsoldaten, Ehrengarde, die KG Wiesse Müüs als auch der Festausschuss Bonner Karneval fühlen sich wohl im dortigen Festsaal, der bei Bedarf bis zu 2500 Gäste fasst. Das übereinstimmende Fazit der Karnevalsfunktionäre: Eine Rückkehr in die Beethovenhalle ist derzeit nicht geplant – und auch schwer vorstellbar.

Hallengröße: Nach Informationen der Karnevalisten soll das Fassungsvermögen der Beethovenhalle nach der Sanierung wegen aktueller Brandschutzauflagen nur noch bei rund 1450 Sitzplätzen liegen (bis 2016: etwa 1750 Plätze). Das macht zum Maritim einen Unterschied von bis zu 700 Gästen aus. Die Corps und Gesellschaften wollen 2019 das Sitzplatzangebot im Maritim auf etwa 2200 Gäste erweitern, weil die Nachfrage nach Karten stetig steigend ist.

Sitzungsprogramme: Weniger Gäste bedeuten geringere Einnahmen, was zu einem abgespeckten Programm führt. Die Sitzung der Wiesse Müüs verursacht etwa Kosten von 60 000 Euro. Dafür müssen rund 2000 Karten zum Durchschnittspreis von 30 Euro verkauft werden.

Planbarkeit: Wegen des mehrfachen Verschiebens des Wiedereröffnungstermins der Beethovenhalle haben die Karnevalisten ihre Gedankenspiele über eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte vorerst aufgegeben.

Maritim bleibt Veranstaltungsort

Der Festausschuss hat sich für die Prinzenproklamation laut Präsidentin Marlies Stockhorst vorige Woche mit Maritim-Hoteldirektor Henrik Große-Perdekamp auf einen Belegungsplan bis einschließlich 2021 geeinigt. Die Bonner Stadtsoldaten sind laut Kommandant Ralf Wolanski bis 2020 vertraglich gebunden und wollen den Kontrakt verlängern. Die Ehrengarde ist nach Auskunft von Kommandant Thomas Janicke auch bis 2020 durchgebucht – mit der Option und dem Wunsch zu verlängern. Roman Wagner, Vorsitzender der KG Wiesse Müüs: „Wir haben bis 2025 reserviert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Karnevalisten in die Beethovenhalle zurückkehren. Das lässt sich wirtschaftlich nicht darstellen.“

Andere Veranstalter planen hingegen, wieder in die Beethovenhalle zurückzukehren. „Während der Sanierungsarbeiten finden die Konzerte der Wiener Klassik nur vorübergehend im Maritim statt“, heißt es auf der Internetseite der Klassischen Philharmonie. Die Organisatoren des Luftwaffenballs weichen ebenfalls auf den Saal des Hotels aus. Ob der Ball wieder in die Beethovenhalle wechselt, hänge von den Konditionen ab. „Das ist nicht ausgeschlossen, wird sich aber zeigen“, so die Organisatoren. Die Agentur für Arbeit richtet ihre Hochschulmesse im nächsten Jahr in der Bad Godesberger Stadthalle aus, weitere Planungen gebe es noch nicht, so Sprecher Lars Beier.

Veranstalter Rico Fenoglio fand bei der Closing Party in der Beethovenhalle am 22. Oktober 2016, die vorübergehende Schließung „des Wohnzimmers der Bonner“ sei zu verkraften. Dabei bleibt er auch jetzt, obwohl sich die Sanierung hinzieht. „Ob unsere Veranstaltungen dorthin zurückkehren, entscheiden bei uns die Gäste. Das fragen wir über die sozialen Medien ab“, sagt er, geht aber davon aus, dass die Mehrheit dafür votieren wird.

À-la-carte statt Büffet in der Gastronomie

Betreiberin der Beethovenhalle ist die Bonn Conference Center Management GmbH (BonnCC), eine 100-prozentige Beteiligungsgesellschaft der Stadt Bonn. Geschäftsführer Michael Kleine-Hartlage kündigt mit Blick auf die derzeit anvisierte Wiedereröffnung im Lauf des Jahres 2020 für Mitte dieses Jahres einen Businessplan an. „Die Planung wird sich grundsätzlich an den Veranstaltungen orientieren, wie wir sie in der Vergangenheit kannten“, erklärt er auf Nachfrage. Dass es diese Planung nicht längst gibt, kritisiert nicht nur der Bürger Bund Bonn seit Langem. Auch FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich hält das Thema für überfällig: „Wir haben die Frage nach Wirtschaftlichkeit und Businessplan schon im April 2015 an die Stadtverwaltung gestellt“, sagt der Finanzpolitiker. Eine Antwort gibt es bis heute nicht.

Der Vertrag für die Da Capo Service GmbH, die die Gastronomie in der Halle gepachtet hat, ruht bis zum Abschluss der Sanierung. „Wir starten dann mit neuem Konzept“, so viel steht für Geschäftsführer Thomas Hermann fest. „Statt Büfett werden den Gästen À-la-carte-Gerichte serviert.“ Wie das künftige Restaurant konkret aussehen und wie viele Plätze es haben wird, sei noch offen. „Durch den Rückbau in den ursprünglichen, denkmalgeschützten Zustand wird sich einiges verändern. Podeste beispielsweise wurden in späteren Jahren aufgestellt.“ Hermann denkt über einen neuen Namen nach. „Beethoven“ sei wohl etwas zu lapidar. „Ludwig“ klinge schon besser. „Da sind wir in der Findungsphase.“ Der Geschäftsführer wartet auf den „fixen Termin“ der Wiedereröffnung. „Wir haben Anfragen für Reservierungen, können aber nichts zusagen.“