Bundestagswahl in Bonn

Kein CDU-Mandat für Claudia Lücking-Michel

Verzweifelt und tief enttäuscht gibt sich Claudia Lücking-Michel am Wahlabend neben dem Bonner CDU-Vorsitzenden und Landtagsabgeordneten Christos Katzidis.

Verzweifelt und tief enttäuscht gibt sich Claudia Lücking-Michel am Wahlabend neben dem Bonner CDU-Vorsitzenden und Landtagsabgeordneten Christos Katzidis.

Bonn. Das war einer der schwärzesten Tage in ihrem Leben als Politikerin: Claudia Lücking-Michel hat am Sonntag ihr Ziel verfehlt, in Bonn SPD-Kandidat Ulrich Kelber das Direktmandat abzujagen und hat zudem keine Chance, über ihren Listenplatz in den Bundestag zurückzukehren.

Anders als noch 2013, als die Landesliste ihrer Partei bis Platz 53 gezogen hat, war dieses Mal bei Platz elf Schluss. Aber auch ihren erfolgreichen Konkurrenten aus SPD, Grünen und FDP, die den Sprung nach Berlin schafften, ist insbesondere auch mit Blick auf das gute Abschneiden der AfD im Bund nicht so recht nach ausgelassener Feier zumute.

Lücking-Michel ist beim Telefonat mit dem GA am Montagmorgen noch der Schock vom Wahlabend anzumerken. „Ich habe noch in der Nacht angefangen darüber nachzudenken, wie ich meinen sechs Mitarbeitern in Bonn und Berlin helfen kann, neue Jobs zu finden.“ Sie selbst hat ein Rückkehrrecht zum Cusanuswerk in Bonn, wo sie bis zu ihrer Wahl 2013 Generalsekretärin war. Dieser Posten sei inzwischen neu besetzt. Sie habe lediglich Anspruch auf eine adäquate Eingruppierung. Trotz der herben Niederlage will Lücking-Michel politisch aktiv bleiben. „Ich schmeiße die Brocken nicht hin“, sagt die Vizevorsitzende der Bonner CDU, die für dieses Amt beim Kreisparteitag im Oktober wieder antreten will.

CDU-Parteichef Christos Katzidis ist nach den letzten Erfolgen des Bonner Kreisverbands, als neben dem OB-Amt von der CDU auch beide Landtagswahlkreise gewonnen wurden, überzeugt: „Frau Lücking-Michel und der Bonner CDU wurde die Flüchtlingspolitik Frau Merkels angehängt.“

Allerdings werde der Kreisverbandsvorstand noch eine genaue Analyse vornehmen. „Ich persönlich erwarte von unserer Spitze in Berlin, dass sie in der Flüchtlingspolitik eine klarere Position als bisher bezieht.“

„Persönlich freue ich mich sehr über mein Ergebnis sowohl bei den Bonner Erst- als auch bei den Zweitstimmen“, sagte FDP-Mann Alexander Graf Lambsdorff, der nun nach 13 Jahren im EU-Parlament in Brüssel in das Reichstagsgebäude nach Berlin wechselt. Er erhielt bei den Erststimmen immerhin rund 8000 Stimmen mehr als der 2016 verstorbene ehemalige Außenminister Guido Westerwelle 2013, als die FDP aus dem Bundestag rausflog. Auch bei den Bonner Zweitstimmen konnte die FDP mit einem Plus von 4,5 Prozent deutlich zulegen.

Katja Dörner, die nun die dritte Legislaturperiode für die Grünen im Bundestag sitzt, und Lambsdorff haben in Berlin bereits die ersten Fraktionstreffen hinter sich. Dörner führt das gute Ergebnis ihrer Partei in Bonn – „Es ist das zweitbeste Zweitstimmenergebnis in NRW“ – vor allem auch auf den „starken Wahlkampf der Grünen“ zurück. Ratsherr Jürgen Repschläger (Linkspartei) freut sich vor allem über das Plus von 3,3 Prozent bei den Zweitstimmen für seine Partei. „Das ist sicher auf unsere gute Oppositionsarbeit im Rat zurückzuführen“, sagt er selbstbewusst.

Trotz des Wahlsieges von Ulrich Kelber gibt sich SPD-Parteichef Gabriel Kunze demütig. „Dass wir in Bonn als SPD bei den Zweitstimmen so abgerutscht sind, finde ich erschütternd.“ Ebenso katastrophal sei, dass die AfD vor allem in bisherigen SPD-Hochburgen, wie in Tannenbusch, so stark abschneiden konnte. „Wir werden die Ergebnisse jetzt sehr genau analysieren und dann entscheiden, wie wir unsere Strategie in Zukunft ausrichten“, so Kunze.