Quintett überfiel Märkte in Bonn und der Region

Kassiererin sagt nach brutalem Überfall vor Gericht aus

Vor Prozessbeginn: Die fünf Angeklagten warten mit ihren Verteidigern auf den Einzug der Jugendstrafkammer.

Vor Prozessbeginn: Die fünf Angeklagten warten mit ihren Verteidigern auf den Einzug der Jugendstrafkammer.

Bonn/Königswinter. Ein Quintett muss jetzt sich für zwei Überfälle verantworten. Die Anklage wirft ihnen zwei brutale Überfälle vor, die sie am 19. und 20. Februar innerhalb von 13 Stunden in Königswinter und Godesberg begangen haben sollen.

Es war drei Minuten vor Ladenschluss: Kassiererin Miriam J. hatte gerade die Kasse geöffnet, um 5,69 Euro in die Schublade zu sortieren. Da stürmten drei schwarze, maskierte Gestalten in den Supermarkt in Oberdollendorf. „Der eine hielt mir sofort eine Pistole an die Schläfe, der zweite stellte sich mit einem Beil vor mich, ein dritter bewachte die Eingangstür“, erinnerte sich die 26-Jährige am Freitag als Zeugin vor der Bonner Jugendstrafkammer, wo sich fünf mutmaßliche Täter verantworten müssen.

Der Krankenschwester, die nur im Nebenjob kassiert hat, kommen die Tränen. „Ich hatte Angst, Todesangst, jeden Moment dachte ich, drückt der ab, bin ich tot und sehe meine Tochter nie wieder. Die ist erst drei Jahre alt.“ In Windeseile habe sie 2390 Euro in Scheinen und Münzrollen aufs Band gepackt. Als der Räuber mit der Pistole noch mehr Geld wollte, ging sie in den Tresorraum, wo ihr Chef saß, schrie „Überfall“, schloss die Tür und brach zusammen.

Der Zeugenauftritt von Miriam J. beeindruckte die fünf Angeklagten zwischen 20 und 30 Jahren erkennbar. Die Anklage wirft ihnen zwei bewaffnete Überfälle vor, die sie am 19. und 20. Februar innerhalb von 13 Stunden in Königswinter und Godesberg begangen haben sollen. Auch der zweite Überfall martialisch, wie die Überwachungskamera des Supermarkts belegt: Der Kassierer und ein Kunde wurden mit zwei Pistolen, Beil und Machete bedroht. Die Täter nahmen die Kassenschubladen mit 1006,51 Euro und flüchteten in einem Kleinwagen.

Am ersten Prozesstag waren zwei Angeklagte zwar geständig, beschuldigten sich jedoch gegenseitig, Initiator und Kopf der Bande zu sein. Ein 24-jähriger Angeklagter beteuerte, er sei von einem Komplizen unter Druck gesetzt und auch mit der Waffe bedroht worden. Die erste Beute soll in der Nacht zwischen den beiden Überfällen an einen Dealer gegangen sein, der noch Forderungen hatte. Weil der aber noch mehr wollte, blieb das Quintett wach, kokste und trank Alkohol. Zwei gingen noch mal schnell ins Bordell, bevor man zur nächsten Tat schritt.

Drei Angeklagte entschuldigten sich nun bei Miriam J.: „Mir ist jetzt erst bewusst geworden, was ich angerichtet habe“, sagte der 30-Jährige. „Wir waren in einem Zustand, wo wir nicht mehr an andere gedacht haben. Das tut mir sehr leid.“ Zwei boten ihr als symbolische Geste Geld an. Miriam J. nahm es an, blickte den Angeklagten ins Gesicht und sagte „ Ich will Ihnen nur eines sagen: Machen Sie das nie, nie wieder. Lernen Sie daraus.“ Sie leidet noch immer unter massiven Schlafstörungen und bekommt Panik, wenn sie schwarz gekleidete Personen sieht. Sogar beim ersten Blick auf ihren Anwalt in der schwarzen Robe brach sie in Tränen aus.