Friedenskirche in Bonn

Kantorin Katharina Wulzinger verabschiedet sich nach 14 Jahren

Katharina Wulzinger an der Orgel der evangelischen Friedenskirche. Sie übernimmt die Kantorenstelle in Wertheim am Main.

KESSENICH. Eine Ära endet an der evangelischen Friedenskirchengemeinde in Kessenich: Kantorin Katharina Wulzinger kehrt nach 14 Jahren wieder zurück in ihre Heimat. In Wertheim, der nördlichsten Stadt von Baden-Württemberg, tritt sie die Stelle als Kantorin an - und muss, was Chorarbeit angeht, wieder bei Null anfangen. Denn dort gibt es laut der 44-Jährigen keinen Kinder- und Jugendchor.

So wie im Oktober 1999 in Kessenich. Damals habe es nur eine Kantorei mit etwa 25 Mitgliedern gegeben. Wulzinger war damit betraut worden, einen Kinderchor für die Gemeinde zu bilden. "Die Rechnung ist aufgegangen, würde ich sagen, weil viel mehr Kinder kamen als jemals erwartet", sagt sie. "Ich habe mit 20 Kindern angefangen." Im Sommer darauf waren es schon 50, und aktuell arbeitet sie mit 120 Kindern und 40 Jugendlichen in den Chören, außerdem betreut ihre Kollegin Karen Zäck rund 40 Mädchen und Jungen im Kindergartenalter.

2009, zum zehnjährigen Bestehen des Kinderchores, führte dieser das Musical "Jesus Christ Superstar" auf. Geplant habe sie das ursprünglich nicht. "Ich komme eher aus einer alten Musikszene", sagt Wulzinger. "Ich habe auch selber im Kölner Kammerchor gesungen. Und das ist ja wirklich ein Spezialensemble für wirklich alte Musik."

Die Musicals hätten sich aus dem Chorbetrieb ergeben: "Bei den Kindern macht man oft Singspiele, damit die einfach auch dranbleiben und Rollen spielen können und da noch mehr lernen können außer singen. Da ist auch viel Regie dabei." Die Aufführung war ein Erfolg. "Und ab da haben wir im Jugendchor richtig Gas gegeben."

Kessenich war Wulzingers erste Stelle. "Davor war ich in Schwäbisch-Hall, da habe ich ein Berufspraktikum gemacht. Das ist in der württembergischen Kirche wie ein Referendariat." Jetzt geht sie nach Wertheim, weil dort das Zentrum der Landeskirche liegt, der 38 Kirchenkreise zwischen Kleve und Saarbrücken angehören. Sie ist Kinderchorbeauftragte für alle Kirchen, hat diese Aufgabe bisher nebenbei gemacht, wird sich ihr jetzt aber stärker widmen.

"Es geht ein bisschen auch um die Wirkung dieser Stelle." Sie werde vor allem ihren Jugendchor vermissen. "Ich weiß, das kriege ich nicht so schnell wieder." Sie schätze die Beziehungen, die sich ergeben hätten. "Das ist ja ein ganz intensives Arbeiten, wenn man sich so auf diese Kids vorbereitet, Freizeit miteinander verbringt und nächtelang durchsingt."

Am morgigen Sonntag verabschiedet sich die Kantorin mit einem Gottesdienst in der Friedenskirche, Franz-Bücheler-Straße 10. Dort werden ab 15 Uhr alle Chöre, also mehr als 200 Personen, gemeinsam singen, dazu spielen die Bläser und die Gemeindeband. Anfang März tritt sie ihre neue Stelle an, ihre Familie folgt am Schuljahresende. Ihre Stelle ist ausgeschrieben, wer ihr nachfolgt, ist noch nicht bekannt.