Denkmal Rheinaue

Kann ein Freizeitpark ein Denkmal sein?

Blick über den herbstlichen Rheinauenpark, der in seiner Konzeption als schützenswert gilt. FOTO: MAX MALSCH

Blick über den herbstlichen Rheinauenpark, der in seiner Konzeption als schützenswert gilt.

BONN. Die Obere Denkmalbehörde sieht keine Widersprüche. Kann ein Freizeitpark, in dem viele Veranstaltungen stattfinden, ein Denkmal sein? Dieser Frage gehen der Landschaftsverband Rheinland und sein Amt für Denkmalpflege derzeit bei der Rheinaue nach. Noch im Dezember soll es dazu einen Ortstermin geben.

Derweil hat die Bonner Stadtverwaltung druckfrisch eine Mitteilungsvorlage für den Kulturausschuss veröffentlicht. Das Gremium wird sich am 14. Januar mit dem Thema beschäftigen. Dann geht es auch um den nächsten Schritt bei der Aufstellung eines Bebauungsplanes für das "Kunst!Rasen"-Gelände an der Charles-de-Gaulle-Straße sowie die vielen Veranstaltungen in der Rheinaue - etwa der neuen Rockaue.

"Zwischenzeitlich hat zwischen der Verwaltung, der Oberen Denkmalbehörde (ODB) und dem Rheinischen Denkmalamt ein erstes Gespräch stattgefunden", teilt die Stadt mit. Die ODB argumentiert, dass der für die Bundesgartenschau 1979 errichtete Rheinauenpark mit all den Veranstaltungen durchaus auch ein Denkmal sein könne. Der Charakter als Freizeitpark sei sogar Bestandteil einer Denkmaleigenschaft. Sollte aber etwas Neues eingebaut werden, dann müsse das "parkgerecht gestaltet" werden.

Als schützenswert gelten etwa planerisches Konzept, Wegeführung, Architektur, Beziehungen der Verkehrsbauwerke zur Landschaft und die Bepflanzung. Einige historische Gebäude unterliegen auch dem Schutz, etwa der Rheinland-Pfalz-Pavillon. Das gilt aber nicht für die Kläranlage.

Ziel des Bebauungsplans für die "Kunst!Rasen"-Fläche ist es, diese auf Dauer für Veranstaltungen nutzen zu können. Doch dessen Konzept steht vor Gericht. Wie berichtet, ist gerade das Urteil im Berufungsverfahren beim Oberverwaltungsgericht Münster gefällt worden, wonach Konzerte unter anderem lauter sein dürfen.

Das Kölner Verwaltungsgericht war da vorher anderer Meinung. Am Donnerstag teilte die Stadt mit, dass sie nun die schriftliche Urteilsbegründung abwarten will, um dann über eine dauerhafte Zukunft des "Kunst!Rasens" entscheiden zu können. Die Stadt gibt auf Wunsch des Kulturausschusses eine Übersicht der Veranstaltungen.

Übersicht über die Veranstaltungen 2015

Jährliche Veranstaltungen: Rhein in Flammen am ersten Maiwochenende, das dreitägige Familienspielefest am letzten Sonntag vor den Sommerferien - beides städtisch. Hinzukommen die Bonsai-Ausstellung im Mai im japanischen Garten, das Ballonfestival Mitte Juni, das Labyrinth in den Sommermonaten und der Firmenlauf im Herbst.

Die Stadt hat mit dem Betreiber des Parkrestaurants Rheinaue einen Vertrag abgeschlossen, der die Durchführung der großen Flohmärkte, der Bierbörse sowie weiterer eigener Veranstaltungen an zwölf Tagen pro Jahr regelt. Dazu gehören dann auch "Bonn Olé" am letzten Augustwochenende und die Jazzkonzerte im Biergarten des Parkrestaurants Rheinaue.

Meist ist die große Blumenwiese der Veranstaltungsort. Es gibt dann noch kleinere Sponsorenläufe von Bonner Schulen und weitere Läufe, Veranstaltungen ohne größere Aufbauten am Freilichttheater nördlich der Südbrücke sowie am Tartanplatz. Auch die Schiffsmodell-Vereine am Rheinauesee präsentieren sich. Bis 2011 fand die "RheinKultur" statt. In dem Jahr wurde das Internationale Kultur- und Begegnungsfest in die Bonner Innenstadt verlegt. Nach dem Wegfall der Konzerte an der Museumsmeile entstand der "Kunstrasen". 2012 gab es dort acht Konzerte, 2013 waren es 16 und 2014 neun.

Termine 2015: 1. bis 3. Mai Rhein in Flammen, 23. bis 25. Mai Bonsai-Ausstellung, 12. bis 14. Juni 7. Ballonfestival, 21. Juni Familienspielefest, 24. bis 26. Juli 20. Bierbörse, 20. August Firmenlauf, 29. August Bonn Olé. Die Flohmärkte finden jeweils am dritten Samstag im Monat von März bis Oktober statt. Geplant sind laut Stadt bis zu zwölf "Kunst!Rasen"-Konzerte vom 18. Juni bis 9. Juli. Der zugehörige Biergarten mit kleiner Bühne soll vom 22. Mai bis 4. Oktober öffnen. Das Parkrestaurant plant das Herbert-Grönemeyer-Konzert für den 30. Mai. Dazu werden 20.000 Besucher erwartet. Den Stil der "RheinKultur" will die "Rock-Aue" aufgreifen, zu der am 11. Juli zwischen 10.000 und 20.000 Besucher erwartet werden. Brings werden am Vorabend zu Bonn Olé spielen, also am 28. August. 10.000 Fans sollen kommen.

Der Rheinauenpark

Das Gelände war ursprünglich landwirtschaftlich geprägt. Von 1971 bis 1979 wandelte es sich zu dem Freizeit- und Erholungspark, wie man ihn heute noch kennt.

Die Ausführungsplanung hatte das Landschaftsarchitekturbüro Hansjakob in Planungsgemeinschaft mit Heinrich Raderschall, Heribert Bargou, Ernst van Dorp und Till von Hasselbach und weiteren Mitarbeitern übernommen.

Die Rheinaue wurde am 27. April 1979 mit den Festveranstaltungen zur 15. Bundesgartenschau eröffnet.