Rückblick aufs Pantheon

Kabarettisten, Autoren und Liedermacher erinnern sich

Bonn. 30 Jahre Pantheon am Bundeskanzlerplatz: In den Künstlern, die dort schon auf der Bühne standen, weckt das Erinnerungen.

Das Jahr: 1988. Der Ort: das Pantheon-Theater am Bundeskanzlerplatz. Die Szene: Ein zwölfjähriger Junge aus Bad Honnef sitzt vor der Bühne und hört dem vollbärtigen, auf den ersten Blick freundlich-verbindlichen Mann zu. Dessen gesellschaftspolitische Pointen sind in Wahrheit beißend scharf – verbaler Zündstoff sozusagen.

„Ich muss zugeben, ich habe damals keinen seiner Witze kapiert und immer nur gelacht, wenn meine Eltern gelacht haben“, erinnert sich Sebastian Pufpaff. Für ihn bedeutete der Prix Pantheon Publikumspreis „Belatscht & Ausgebuht“ 2010 den Durchbruch als Kabarettist. „Es war Startpunkt meiner Karriere und meine große Schule. Ein 'Bunker des Frohsinns'.“ Ein Prinzip, das künftig auch über Tage funktionieren dürfte.

Ganz ähnlich sieht das Kabarettist und Autor Frank Goosen: „Ich nenne es liebevoll den ,Humor-Bunker'. Kein W-Lan, kein Mobilfunk-Netz, und trotzdem hat manchmal ein Handy geklingelt. Einmal rief ein verdutzter Zuschauer: Sie haben hier Netz?“

Sein erster Auftritt dort? „Das war 1996, zusammen mit Jochen Malmsheimer als ,Tresenlesen'.“ Beim Prix Pantheon 1997 gewannen die beiden den Publikumspreis. „Das war ein absolut entscheidender Schritt in unserer Karriere. Später fand ich schön, dass ich hier nicht nur mit meinen Bühnenprogrammen auftreten, sondern auch aus meinen Romanen vorlesen konnte. Im Pantheon darf man alles.“

Besonders gern erinnert Goosen sich an „die ganz persönliche Betreuung – vom Abenddienst über die Technik bis hin zum Servicepersonal. Alle geben einem wirklich das Gefühl, willkommen zu sein. Ich werde die enge Treppe backstage vermissen und nehme eine Menge Erinnerungen mit. Ich bin gespannt auf das neue Haus. Wahrscheinlich wird es da W-Lan und Mobilfunknetz geben. Könnte lustig werden.“

Ein Pluspunkt des Theaters : Das Publikum, was nicht nur Pufpaff und Goosen, sondern auch die durch die „Missfits“ bundesweit bekannt gewordene Kabarettistin Gerburg Jahnke so sieht. Sie moderiert seit 2007 eine Mixed-Show mit wahlweise, vier, fünf oder sechs Frauen auf einen Streich und nimmt mit ihren „Gästinnen“ am 12. September in der Harmonie in Endenich Quartier ... bis alles zum Umzug in die Halle Beuel fertig ist. „Zum Pantheon muss ich vor allem sagen: Es ist das weltbeste Publikum – offen, schnell, wendig. Und ich hoffe sehr, dass das auch über Tage so bleibt.“

Fatih Çevikkollu, der 2006 den Prix Pantheon Jurypreis „Frühreif & Verdorben“ gewann, seitdem mit seinen Solos „Fatihland“, „Komm zu Fatih!“ und „Fatih unser“dort zu Gast war und den Prix 2016 auch moderiert hat, lässt Wehmut anklingen: „Ich werde das alte Pantheon sehr vermissen, die Bühne, die Stimmung. Die wird hoffentlich durch die Zuschauer mitgenommen. Starkes Programm und waches Publikum, weiter geht's.“

„Unser erstes Konzert haben wir hier als Vorprogramm von Götz Widmann gespielt“, blickt Jan Traphan vom Liedermacher-Duo Simon und Jan (Jurypreisträger 2014) zurück. „Das ist keine zehn Jahre her, und es war Liebe auf den ersten Blick.

Seitdem ist kein Jahr verstrichen, in dem wir dem Pantheon keinen Besuch abgestattet haben.“ Den Umzug geht der Oldenburger pragmatisch an: „Zieht doch hin wo ihr wollt. Wir ziehen mit! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in neuer Spielstätte!“

Entdeckt hat die beiden Götz Widmann, der 2007 zusammen mit Harald Kirsch aus dem Pantheon-Büro den „Liedermacher Sommer“ begründete. „Das Pantheon war für mich von Anfang an ein Ort, bei dem man spürte, dass er einen Rang weit über die Grenzen Bonns hinweg besitzt.

Man muss sich nur mal anschauen, welche tollen Künstler da aufgetreten sind, die sonst in viel größeren Läden spielen und doch immer wiederkommen, weil diese Mischung aus Professionalität, Gemütlichkeit und einer Art Familienzugehörigkeit nur ganz selten gibt.“

Horst Evers, Gastgeber der „Vorleser“, der am 7. September ebenfalls in der Harmonie einen Zwischenstopp einlegen wird, verknüpft mit dem Umzug ganz konkrete persönliche Erwartungen: „Ich habe so oft schon in tollen, modernen Theatern gesessen, wo altgediente Kollegen dann gern von der unvergleichlichen Zeit im legendären alten Haus erzählt haben. ,Das weißt Du ja alles gar nicht.' Das bald auch machen zu können, darauf freue ich mich natürlich.“