KURZ GEFRAGT

Wieland Münch

Wieland Münch FOTO: SCHAFGANS

An vielen Stellen im Stadtgebiet werden derzeit Büro-Neubauten errichtet oder sind geplant. Über die Nachfrage-Situation in Bonn sprach Holger Willcke mit Wieland Münch. Der 43-Jährige ist Geschäftsführer der Firma Limbach-Immobilien.

Hat Bonn einen Leerstand an Büroräumen vorzuweisen und wenn ja, wie hoch ist er zu beziffern?
Wieland Münch: Der Leerstand beträgt aktuell 3,06 Prozent, was einer Fläche von 115 393 Quadratmetern entspricht. Diese Leerstandsquote, beziehungsweise die Büromarktdaten, wurde vom Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren des Büroimmobilienmarktes und der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung ermittelt.

Alleine mit dem Rhein-Palais und dem Projekt am Bonn-Center werden Tausende neuer Büros in Bonn entstehen. Wie hoch ist die Nachfrage an Büroneubauten?
Münch: Im Jahre 2013/14 wurde eine Vollerhebung durchgeführt und die erste Bonner Büromarktstudie veröffentlicht, die unter anderem auch durch uns mitfinanziert wurde. Die Studie kann auf der Homepage der Stadt Bonn abgerufen werden. Laut dieser Studie haben wir einen jährlichen Neubaubedarf von rund 20 000 Quadratmetern bis zum Jahre 2030. Das liegt zum einem daran, dass wir eine wachsende Büroflächennachfrage sehen, und zum anderen, dass rund 60 Prozent der Bonner Büroflächen vor 1990 gebaut wurden, die vereinzelt nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen (siehe Bonn-Center) und somit einem Neubau weichen müssen. Teilweise werden diese nicht mehr zeitgemäßen Bürogebäude, die nicht in typischen Bürozentren liegen, aber auch zu Wohnungen und Studentenappartements umgebaut. Im Übrigen sehen wir für die großen Neubauprojekte Rhein-Palais und Bonn-Center keinerlei Konkurrenzsituation, da das Rhein-Palais bereits im Bau ist und das Bonn-Center erst in den Anfangszügen der Planung steckt.

Wie liegt Bonn im Vergleich zu anderen Städten bei der Nachfrage nach Büroraum?
Münch: Im Vergleich zu ähnlich großen Städten haben wir eine sehr niedrige Leerstandsquote, die natürlich im direkten Zusammenhang mit der Büroraum-Nachfrage steht. Der Vorteil von Bonn ist es, ehemalige Bundeshauptstadt mit entsprechender Infrastruktur zu sein und mit den erhaltenen Ausgleichsmaßnahmen und als der deutsche UN-Standort einen exzellenten Wandel zur Bundesstadt vollzogen zu haben. Dieser Vorteil kann sich nach unserer Einschätzung aber auch sehr schnell drehen, da für viele Konzerne die direkten Anschlüsse an die Autobahn 3 und die ICE-Bahnstrecke, die bei uns nicht vorhanden sind, ein wichtiges Entscheidungskriterium sind. Dies konnte man sehr gut am Beispiel Zurich sehen, da der Flächenbedarf am Standort Bonn-Center ideal darstellbar gewesen wäre und sich Zurich trotzdem für den teuren Standort Köln und gegen Bonn entschieden hat.