Verkehrssituation an den Unikliniken

Künftig droht noch mehr Stau am Venusberg in Bonn

Venusberg. Für die Bewohner des Venusberges wird sich die angespannte Verkehrssituation rund um die Unikliniken in Bonn nicht verbessern – ganz im Gegenteil. Die Prognosen sind deutlich.

Einen kleinen Vorgeschmack, was auch die Patienten und Klinikmitarbeiter künftig erwartet, gab es am Dienstagabend bei einem Informationsabend über „Mobilität der Zukunft – Wege aus dem Verkehrskollaps“.

Die Prognosen sprechen eine deutliche Sprache: Vor fünf Jahren fuhren pro Tag noch 12.500 Fahrzeuge täglich zum Venusberg und zurück, im Jahr 2025 werden es schon 17.000 sein, und im Jahr 2030 sogar 20.500 Autos. Das liegt nicht nur am insgesamt steigenden Verkehr in der Zuzugsregion Bonn, sondern auch daran, dass die Kliniken jetzt schon von 350.000 Patienten jährlich angefahren werden, die dort ambulant behandelt werden wollen.

„Und es werden jedes Jahr fünf Prozent mehr“, beschrieb Professor Wolfgang Holzgreve als UKB-Vorsitzender den Trend. „Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass sich die Probleme auf den Straßen dann weiter vergrößern werden.“ Hinzu kommen übrigens 30.000 Notfalltransporte pro Jahr, die das Klinikum anfahren müssen und sich durch den Zufahrtsstau quälen müssen. Und diesen gibt es nach Holzgreves Schilderung recht häufig, vor allem vor acht Uhr morgens, was er mit einigen Fotos aus seinem Auto belegte.

Die Zukunft bedeutet also Stau, daran ließ auch Stadtbaurat Helmut Wiesner keinen Zweifel. Bis 2040 werde die Stadt Bonn wohl zehn Prozent mehr Einwohner haben, und diesen Anstieg merke man dann natürlich auch beim Verkehr.

„Dabei wird die Verkehrsfläche nicht wachsen“, machte er klar. Also müssen mehr Fahrzeuge sich den bisherigen Raum teilen. Erschwerend für die Unikliniken kommt hinzu, dass eine neue Zufahrt durch den Stadtwald ausscheidet und auch die Robert-Koch-Straße und der Haager Weg nicht ausgebaut werden dürfen.

Und noch eines kommt erschwerend hinzu: „Auf uns wartet das Jahrzehnt der Baustellen“, sagte Wiesner und meinte dabei die Erneuerung der Autobahn 565 („Tausendfüßler“), der Nord- und Südbrücke ab dem Jahr 2020.

Was also tun? Eine mutige Verkehrspolitik forderte Thorsten Koska vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie ein. Er machte klar, der Verkehrssektor müsse, um die vereinbarten Klimaziele zu erreichen, 90 Prozent seiner Emissionen reduzieren. „Davon hat der Verkehr aber noch nichts geschafft.“ Um lebenswerte Städte zu schaffen, führe an Restriktionen kein Weg vorbei, so Koska: „Es ist dazu auch nötig, den Autoverkehr unattraktiver zu machen.“

Bitter sind aber auch die Aussichten für diejenigen, die auf andere Verkehrsmittel umsteigen wollen. „Wir machen viel in Richtung Fahrrad, haben aber keine ideale Radstrecke zum Klinikum“, sagte Holzgreve. Trotzdem würden 18 Prozent der Mitarbeiter das Rad für den Arbeitsweg nutzen. Und Wiesner machte diesen keine Hoffnungen: „Wir können versuchen, den Individualverkehr zu senken, aber für den Radverkehr können wir keine spürbare Verbesserung in Aussicht stellen.“

Unter den 60 Zuhörern der Podiumsdiskussion waren auch einige Mitglieder der Initiative „Bonn bleibt seilbahnfrei“. Sie vermissten, dass nur am Rande über das Seilbahn-Projekt gesprochen wurde. Wiesner wies die Kritik zurück und argumentierte, dass man allgemein über die Mobilität der Zukunft spreche, ließ aber auch keinen Zweifel daran: Angesichts der Verkehrsentwicklung in Bonn sehe er zu einer Seilbahn auf den Venusberg eigentlich keine Alternative.

Holzgreve, ebenfalls ein Befürworter dieses Projekts, warnte aber davor, in der Seilbahn ein Allheilmittel zu sehen. „Eine Seilbahn kann nur ein Baustein im Mobilitätskonzept sein.“ Frank Thomas, Ratsherr in Diensten der FDP, berichtete, die Bonner CDU/FDP/Grünen-Ratskoalition sehe große Chancen in dem Projekt, aber: „Mit der FDP wird es eine Umsetzung der Pläne nur bei einer positiven Kosten-Nutzen-Rechnung geben.“