Künstler in der Südstadt

Kündigung für Ateliers in der Ermekeilkaserne 

Solodas Nicola steht in der Ermekeilkaserne vor einem Bild, das sie mit Flüchtlingskindern gemalt hat. FOTO: ROLAND KOHLS

Solodas Nicola steht in der Ermekeilkaserne vor einem Bild, das sie mit Flüchtlingskindern gemalt hat.

14.01.2016 Bonn. Die 15 Künstler und gut zwei Dutzend Musiker, die ihre Ateliers und Proberäume auf zwei Etagen im Haus 4 der Ermekeilkaserne haben, müssen sie bis Ende des Monats räumen. Das Aus für die Künstler bedeutet auch das Ende der ehrenamtlichen Betreuung der Flüchtlingsfrauen und ihrer Kinder

"Die Kündigung kam am Silvester per Post", sagt Judith Breuer. Was die Künstlerin und ihre Mitstreiter besonders schockt: Das ist auch das Ende ihrer Arbeit mit Flüchtlingsfrauen und deren Kindern.

"Wir wären unendlich traurig, wenn die Kündigung wirklich endgültig ist", sagt Dorothea Kranz beim Gang durch den langen Flur. Fast alle Türen stehen offen. Wir betreten ein kleines, warmes Zimmer. Auf einem Tisch türmen sich bunte Wollknäuel. Frauen sitzen beisammen und stricken, während im Nebenzimmer die Nähmaschine leise surrt. Die Nähmaschine ist ein Geschenk von Christa Lange.

Die 70-Jährige kommt aus der Nachbarschaft und engagiert sich hier. Das macht auch  Jan van Rossum, der frühere Vizechef der Bonner Staatsanwaltschaft und stellvertretende Generalstaatsanwalt: "Die Bürger sind so froh, dass es unsere Initiative gibt. Viele sagen, dass sie das beruhigt. Die Stadt muss doch einsehen, dass sie uns eher fördern muss, als uns rauszuwerfen. Es gibt doch sicherlich Ausweichmöglichkeiten."

Bereich wurde für Unterbringungszwecke angefordert

"Die Bezirksregierung Köln als Bedarfsträger hat diesen Bereich im Haus 4 der Ermekeilkaserne von uns als dringend für Unterbringungszwecke angefordert", sagt Thorsten Grützner  von der Pressestelle der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die die Immobilie verwaltet und die Kündigungen ausgesprochen hat. Die Künstler und Musiker seien bereits vor der Vermietung darauf hingewiesen worden, dass die Flächen nur interimsweise überlassen werden konnten und in absehbarer Zeit im Zuge der Asylunterbringung benötigt würden.

"Ob der Bedarfsträger den Künstlern eventuell einzelne Räume für Integrationsarbeiten zur Verfügung stellen kann, müsste von diesen unmittelbar mit der Bezirksregierung Köln geklärt werden," sagte Grützner dem GA. Aus Sicht der Bima seien in der Ermekeilkaserne derzeit keine alternativen Räume zur Vermietung an die Künstler und Musiker verfügbar.

Im Atelierzimmer gegenüber sitzen Kinder an ausrangierten Schultischen und malen. "Die Möbel sind eine Spende der Adelheidisschule", erklärt Heidi Hildebrand und zeigt auf ein Bild, das neben vielen an der Wand hängt. Es zeigt ein Schiff, kaum zu erkennen in der tosenden See. Im Himmel toben die Wolken, die Gischt hüllt das Schiff in ein gespenstiges Gewand. "Das ist ein Ort, wo Kinder ihre Erlebnisse verarbeiten können", sagt Solodas Nicola, die schon etliche gemeinsame Kunstprojekte mit den Flüchtlingskindern durchgeführt hat. "Und sie lernen Deutsch", fügt Jennifer Zumbusch hinzu. Auf einem großen Blatt mit der kindlichen Darstellung einer Menschenfigur stehen die Worte Nase, Augen, Haare, Mund...

Stadt unterstützt Künstler

"Es ist eine Begegnung auf der menschlichen Ebene, ganz ohne Worte, ein friedlicher Ort, der Möglichkeiten für Rückzug bietet. Manche sprechen Englisch, aber meistens verständigen wir uns mit Händen und Füßen", sagt die Deutsch-Türkin Leyla Turkay, und Alina Irma Daza, 1968 aus Bolivien eingewandert, ergänzt: "Wir machen das alles aus Idealismus und aus Liebe zu den Menschen."

"Das Land braucht die Räume in Haus 4 für die Unterbringung von Flüchtlingen, nachdem es der Stadt das Haus 6 auf dem Gelände der Ermekeilkaserne zur Verfügung gestellt hat", begründet Stadtsprecherin Monika Hörig die Kündigung. "Die Stadt unterstützt die Künstler gern bei der Suche nach neuen Räumen." Am Samstag zeigt der Verein "ML moving locations" in der Ermekeilkaserne eine Ausstellung mit Arbeiten der japanischen Künstlerin Naho Kawabe.

Weitere Informationen über die Initiative auf www.ermekeilkaserne.de (Cem Akalin)