Preisträger 2018

Junge Bonner präsentieren Projekte bei "Jugend forscht"

Bonn. Über die Zukunft der Wissensnation Deutschland muss man sich überhaupt keine Gedanken machen. Diesen Eindruck vermittelten am Freitagnachmittag findige junge Menschen beim Regionalwettbewerb "Jugend forscht" in der Aula der Universität.

Während Politikern in Berlin zum Stichwort Digitalisierung außer schnellen Datennetzen nicht besonders viel einfällt, haben Vanessa Petrov und Leona Gemmel schon einmal damit angefangen. Die Bonner Liebfrauen-Schülerinnen fanden es schlicht unpraktisch, ein altmodisches Vokabelheft für den Lateinunterricht herumzutragen. „Ein Smartphone hat dagegen doch jeder dabei“, sagt Vanessa ganz selbstverständlich.

Kurz vor Weihnachten haben die beiden Bonnerinnen deshalb kurzerhand eine Lern-App geschrieben. „Wir haben ein passendes HTML-5-Template gefunden. Das war sehr praktisch.“ Anders als die Lernsoftware zu ihrem Schulbuch kann das neue Programm sämtliche Deklinationen und Konjugationen – hinterlegt in endlosen Excel-Tabellen mit 122 Spalten.

In Lektion 1 funktioniert die Verknüpfung irgendwie noch nicht. Aber sonst läuft die App sicher auf dem PC, dem Tablet und dem Smartphone. Beim Schulbuchverlag wollte man am Telefon nicht glauben, dass die jungen Damen erst elf und zwölf Jahre alt sind. „Die haben uns die ganze Zeit gesiezt“, ärgert sich Leona. Und der Gebrauch ist derzeit nur ihnen erlaubt, „aber wir rufen da noch einmal an“.

Wasserproben aus dem Rhein

„Alles andere als R(h)ein“, fragten sich Malika Albert, Isabell Wild und Tamara Amberg. Im großen Strom und dem kleinen Zufluss Agger nahmen die Abiturientinnen vom Berufskolleg in Siegburg 25 Wasserproben und untersuchten die auf Mikroplastik. Bald war klar, dass ihre Analyse viel zu grob ausfiel. „Es waren wahnsinnig viele Teilchen drin. Das konnte nicht sein.“ Beim Offenburger Chemie-Professor Andreas Fath, der den Rhein von der Quelle bis zur Mündung durchschwommen hatte, fanden die drei Unterstützung.

In seinem Labor haben sie die Proben vor zwei Wochen mit dem Infrarotspektroskop untersucht - und fanden in zwei von 25 Proben, einen Kunstoffpartikel und eine Kunststofffaser im Rheinwasser. Um die Gefahr weiß das Trio genau Bescheid: „Gifte und Schadstoffe lagern sich daran an. Viel Partikel enthalten Hormone oder bei schwarzer Farbe zum Beispiel Ruß. Der wird im Körper freigesetzt“, sagt Malika Albert. Und filtern lassen sich die Partikel nicht. „Man kann sie nur vermeiden.“

Vier Monate vor dem Anpfiff zur Fußball-WM hat Simon Alexander Fischer den Body-Mass-Index (BMI) der Bundesliga-Profis von 1963 und 2018 ausgewertet. Heute liegt der einen halben Punkt niedriger. „Eine ganze Menge“, findet Simon. Aber auch das Verletzungsrisiko sei gestiegen. Und der BMI allein sage wenig: Während der 1. FC Köln 2017 auf Platz 6 der schlanksten Spieler liegt, schafften die Jungs vom FC Bayern es nur auf Platz 12. Insgesamt 39 Projekte stellten die 66 Teilnehmer im Alter von 9 bis 20 Jahren vor. Die Bonner Uni bietet dafür nach wie vor als einzige in Nordrhein-Westfalen einen universitären Rahmen an.