Gewalt in Bad Godesberg

Jugendliche fürchten sich in den Abendstunden

Trauer um Niklas P.: Am Rondell an der Rheinallee haben Menschen Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt, um dem 17-Jährigen zu gedenken.

Trauer um Niklas P.: Am Rondell an der Rheinallee haben Menschen Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt, um dem 17-Jährigen zu gedenken.

Bad Godesberg. Nach dem Tod von Niklas P. machen sich Eltern Sorgen um ihre Kinder. Besonders das Rondell an der Rheinallee, der Kur- und der Basteipark gelten als unsicher. Die Polizei verzeichnete 2015 insgesamt 5918 Straftaten im Stadtbezirk.

Die brutale Attacke auf Niklas P., bei der der 17-Jährige durch einen Schlag und einen Tritt gegen den Kopf getötet wurde, hat tiefe Spuren in Bad Godesberg hinterlassen. Schock, Bestürzung und Fassungslosigkeit dominieren die Gefühlswelt der Menschen; Kerzen, Blumen und mehr, die in der Nähe des Tatortes niedergelegt werden, zeigen die Anteilnahme und das tiefe Mitgefühl.

Doch es hat sich noch mehr verändert. Ein Gefühl der Angst macht sich vor allem unter den Jugendlichen, aber auch deren Eltern breit. „Meine Eltern haben mir verboten, abends alleine rauszugehen“, berichtet zum Beispiel die 16-jährige Lorien. Ihre Freundin Douaa ergänzt, dass sie spätestens um 19 Uhr zu Hause sein müsse. Sie selbst habe aber auch einfach Angst, zu einem späteren Zeitpunkt noch in Bad Godesberg unterwegs zu sein.

Lucas, 17 Jahre, geht nur noch in Begleitung einer größeren Gruppe abends in Bad Godesberg aus. Ansonsten bleibe er lieber drinnen. Kevin ist im selben Alter und hält sich besonders ungern im Kurpark auf: „Abends sind da immer komische Leute unterwegs. Außerdem ist es im Kurpark oft sehr dunkel.“ Seine Mutter bestehe darauf, dass er abends Pfefferspray mitnimmt.

Der 16-jährige Julio sagt, er habe immer gewusst, dass es in Bad Godesberg hin und wieder zu Gewalttaten kommt. „Dass man hier aber auch totgeprügelt werden könnte, macht mir Angst.“ Abdel-Aziz hat daher Strategien entwickelt, um sich vor Angriffen zu schützen: „Wenn ich auf größere Gruppen von anderen Jugendlichen treffe, gehe ich einfach ganz schnell an ihnen vorbei. Ich versuche, Blickkontakt zu vermeiden.“ Das habe bislang zum Glück immer funktioniert. Die 16-jährige Sevin hat besonders als Mädchen Angst vor dem, was ihr auf der Straße passieren kann. Doch glaube sie, dass Männer häufiger angegriffen werden.

Das Rondell an der Rheinallee, Bastei- und Kurpark, Rüngsdorfer Straße, Von-Groote-Platz und Friedrich-Ebert-Straße sind die Bereiche, die der Polizei immer wieder genannt werden. Es sind die Abschnitte, in denen sich die Bad Godesberger besonders unsicher fühlen, sagt ein Polizeisprecher. Besonders die Parks und das Rondell seien bekannte Treffpunkte von Jugendlichen. Doch was sagt die Statistik?

Auf der Rheinallee (Rondell und Basteipark inklusive) verzeichnete die Polizei 2015 vier Raube (2014: vier), zwölf Körperverletzungen (18), vier Bedrohungen (zwei) und 17 Sachbeschädigungen (21).

Auf der Rüngsdorfer Straße waren es ein Raub (0), keine Körperverletzung (0), zwei Bedrohungen (0) und sieben Sachbeschädigungen (eine).

Am Von-Groote-Platz gab es 2015 einen Raub (2014: einen) und acht Sachbeschädigungen (drei). In beiden Jahren gab es keine Körperverletzungen und keine Bedrohungen.

Im Kurpark verzeichneten die Beamten 2015 einen Raub (einen), fünf Körperverletzungen (zwei), vier Bedrohungen (0) und vier Sachbeschädigungen (sechs). An der Friedrich-Ebert-Straße war es ein Raub (zwei), 17 Körperverletzungen (sechs), sechs Bedrohungen (eine) und 32 Sachbeschädigungen (neun).

Ein halbes Dutzend jugendliche Intensivtäter gibt es nach Angaben des Sprechers in Bad Godesberg. Diese seien teilweise mit anderen Jugendlichen unterwegs, fielen auf, seien mitunter laut und hielten sich an unterschiedlichen Plätzen auf. Soll heißen, dass sie mal in der Innenstadt, mal im Basteipark zu finden sind. „Wir haben sie im Blick, sie werden regelmäßig angesprochen.“