Schließung sei Vorsichtsmaßnahme

Johanniter-Krankenhaus Bonn sperrt Station wegen Krätze

Bonn. Die Station 1A des Johanniter-Krankenhauses in Bonn-Gronau wurde aus Sicherheitsgründen am Freitagmittag geschlossen. Grund dafür sind mehrere Fälle von Krätze.

Die Station 1A des Johanniter-Krankenhauses am Sträßchensweg im Bonner Stadtteil Gronau ist seit Freitagmittag geschlossen. Grund sind mehrere Fälle von Krätze. Auf der Station werden vor allem Patienten mit internistischen Erkrankungen behandelt.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte eine Patientin einige Krankenschwestern der Station mit der Krätze angesteckt. Dabei handelt es sich um eine parasitäre Hauterkrankung, die durch Krätzmilben ausgelöst wird. Da inzwischen mehrere Patienten und Mitarbeiter über Pusteln und Bläschen auf der Haut sowie starken Juckreiz geklagt hatten, untersuchten die Ärzte die Betroffenen und stellten fest, dass es sich dabei um Krätze – lateinisch Scabies – handelte.

Diagnostiziert wurde die Hauterkrankung bisher bei acht Pflegekräften, einem Arzt und bei drei Patienten, sagte Professor Yon-Dschun Ko, Ärztlicher Direktor des Johanniter-Krankenhauses und Chefarzt der Internistischen Onkologie, dem GA auf Nachfrage. Alle Betroffenen seien mit einer entsprechenden und schnell wirkenden Salbe behandelt worden. Das infizierte Personal sei anschließend nach Hause geschickt und komplett ausgetauscht worden. Die betroffenen Patienten seien auf der Station isoliert worden.

Klinik informiert mögliche Betroffene

„Die Schließung der Station 1A ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, die wir in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Bonn vorgenommen haben“, hatte zuvor Krankenhausdirektor Marc Heiderhoff gegenüber der Presse erklärt. Dadurch solle die weitere Verbreitung der Krankheit sowie die Ansteckung anderer vermieden werden. Die gesamte Station werde nun in einem mehrstufigen Verfahren grundlegend gereinigt und desinfiziert.

Außerdem informiere das Krankenhaus alle Personen, die in den vergangenen drei Wochen als Patienten, Besucher und Mitarbeiter auf der Station 1A waren und sich eventuell ebenfalls mit der Krätze infiziert haben können. Heiderhoff betonte, es bestehe keine Ansteckungsgefahr für Patienten, Besucher und Mitarbeiter anderer Stationen.

Professor Ko geht davon aus, dass ab Montag wieder Normalbetrieb auf Station 1A herrschen wird. Der Onkologe betonte, es handele sich bei Krätze um keine bedrohliche Erkrankung. Sie sei allerdings lästig und bedürfe einer strikten Hygiene. „Wissen Sie, ich behandele ganz andere Krankheiten. Die Situation heute in unserem Krankenhaus war zwar stressig, aber ich habe sie auch mit einem Lächeln begleiten können.“

Vermehrte Krätze-Fälle in NRW

Da die Gesundheitsämter in NRW in jüngster Zeit vermehrt Fälle von Krätze verzeichneten – Krätze ist bei gehäuftem Auftreten meldepflichtig – , habe sich sein Krankenhaus ohnehin schon mit der Frage einer standardisierten Vorgehensweise gegen Scabies, also mit einem sogenannten SOP-Verfahren, befasst. Dabei geht es darum, dass Risikogruppen, die mit Hauterkrankungen ins Krankenhaus kämen, gesondert betrachtet werden müssten, bis wirklich ausgeschlossen werden könne, dass es sich um Scabies handele. Zu den Risikogruppen zählt Ko unter anderem Flüchtlinge, die aus vielen Teilen der Erde zu uns kämen und oftmals in sehr engen Unterkünften leben müssten, wo die Ansteckungsgefahr natürlich um ein Vielfaches höher sei.

Seit einigen Jahren treten in NRW wieder vermehrt Fälle von Krätze auf. Während die Krankheit in Deutschland lange kein Thema war, sind die Zahlen seit 2013 stark angestiegen. Auch in Köln wurden mehr Fälle von Krätze verzeichnet. Laut Gesundheitsamt sind dort in diesem Jahr bereits 128 Fälle gemeldet worden – deutlich mehr als 2016: Im vergangenen Jahr waren es insgesamt nur 113 Fälle der ansteckenden Hautkrankheit.

Das Gesundheitsamt warnte jedoch davor, von einer Welle zu sprechen. Meldepflichtig seien nur Erkrankungen in Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen, Flüchtlings- oder Seniorenheimen.