Hamburger Singer-Songwriter

Johannes Oerding sorgt für gute Laune auf dem KunstRasen in Bonn

BONN. Gut anderthalb Stunden trat der Hamburger Singer-Songwriter Johannes Oerding am Samstagabend auf dem Bonner KunstRasen auf. Er schweißte das Publikum zusammen und sorgte für gute Laune.

„Es ist Musik, die nicht weh tut“, hat ein Journalist einmal Johannes Oerdings Lieder beschrieben. Recht hat er. Raue Kanten sucht man bei den Songs des Hamburger Singer-Songwriters tatsächlich vergebens. Doch was als Kritik gedacht ist, fasst der 36-Jährige kurzerhand als Lob auf und schafft mit seinen mitunter nostalgischen Wohlfühlklängen einen Ruhepol für gestresste Menschen, die einfach mal entspannen wollen. Und davon gibt es mehr als genug. Auf dem KunstRasen begeistert Oerding rund 2500 Fans, die gemütlich beieinander stehen und selig die Titel des neuen Albums „Kreise“ sowie den ein oder anderen älteren Hit mitsingen. „Oh, ho, ho – oh, ho, ho“ – manchmal kann es so einfach sein.

Johannes Oerding hat die Schmerzlosigkeit zum Konzept erhoben und fährt damit erstaunlich gut. Es mag daran liegen, dass er ein erstaunlich guter Texter ist, bei dem alles Hand und Fuß hat und sich die Verse nicht in abstrusen Bildern verlieren, sondern einer klaren Linie folgen. Oder daran, dass dieser überaus sympathische Sänger mit seinem emblematischen Hut mühelos einen Kontakt zum Publikum aufnehmen kann, es zu einer Gemeinschaft vereint und doch jedem einzelnen das Gefühl vermittelt, nur für ihn oder sie zu singen.

„Ich gehe hier nicht weg, bevor nicht mehr Liebe in der Welt ist", sagt er und bringt die Menge dazu, sich gegenseitig vorzustellen. Schöne Geste. Auch das Zurückblicken, das er derzeit mit dem charmanten „Hundert Leben“ gleich zweimal zelebriert, die Bilanz seines bisherigen Lebens zwischen ruralem Münsterland und urbanem Hamburg, berührt viele offenbar nachhaltig. Auch an Bonn erinnert Oerding sich, an ein Konzert vor sieben Jahren in der Harmonie vor 63 Gästen. So ist er eben gewachsen.

So gradlinig Oerding in manchen Dingen auch ist, so wandlungsfähig ist er im musikalischen Bereich. Gut, den Pop verlässt er nie, doch innerhalb dieses Genres nimmt er stilistisch immer wieder neue Farben auf. Oft sind es nur Zitate, von Johann Sebastian Bach über Whitney Houston bis hin zu Michael Jackson, die Oerding augenzwinkernd einbezieht, doch auch die geschickte Instrumentierung und elegante Arrangements mit unüberhörbaren Rock-Einlagen machen Eindruck. Nett ist es, unaufdringlich, peppig und eben poppig, aber auch energiegeladen und in keiner Sekunde langweilig.

Gute anderthalb Stunden harmonisiert Johannes Oerding das Publikum, schweißt es zusammen und sorgt für gute Laune. Ja, ein paar mehr Ecken und Kanten würden der Musik sicherlich mehr Profil und den Texten mehr Kontur verleihen – aber die Menge ist glücklich darüber, dass sie so ist, wie sie ist. Nämlich schön. Das reicht auch.