Lärmbeschwerden in Bonn

Jetzt ist die Klangwelle dran

Die Klangwelle auf dem Münsterplatz: Für die Besucher ein tolles Schauspiel für Augen und Ohren, für zwei Anwohner ein Graus.

BONN. Wieder einmal trifft der Zorn von Anwohnern eine populäre Veranstaltungsreihe. Die Klangwelle auf dem Bonner Münsterplatz, eine Show aus Wasser, farbigem Lichtspiel und Musik, ist zwei Anwohnern ein Dorn im Auge: Es ist ihnen viel zu laut. Einer hat nach GA-Informationen auch seinen Anwalt eingeschaltet.

Eine Sprecherin der Stadt Bonn bestätigte am Dienstag auf Anfrage lediglich, dass es zwei Beschwerdeführer gebe. Die Stadt habe den Veranstaltern daraufhin zur Auflage gemacht, Lärmmessungen durchzuführen, so die Sprecherin. Mehr wollte sie dazu nicht sagen. Nach GA-Informationen hat es am späten Dienstagnachmittag ein Gespräch der Beschwerdeführer mit dem Abteilungsleiter im Ordnungsamt, Günter Dick, gegeben. Über das Ergebnis der Unterhaltung konnte die Stadt bis gestern Abend noch keine Angaben machen.

Auch Veranstalter Hans-Wilhelm Eichholz wartete gestern vergebens über eine Antwort. Gegenüber dem GA bestätigte er, dass zwei Anwohner aus der Innenstadt sich wegen der Lautstärke beschwert hätten. Dabei habe es vonseiten der Besucher mehrere Bitten gegeben, die Musik sogar etwas lauter zu stellen.

"Jetzt müssen wir Messprotokolle vorlegen", sagte Eichholz. Dazu sei die Sankt Augustiner Kramer Schalttechnik GmbH beauftragt worden - dieselbe Firma, die auch schon wegen der Beschwerden aus Beuel wegen der Open-Air-Reihe Kunst!Rasen beauftragt worden war, Messungen vorzunehmen. Ein Sprecher der Firma bestätigte den Auftrag: "Wir messen heute den fünften Abend", sagte er gestern. Dazu würden mit Stativen die Messgeräte in neun Metern Höhe vor den Fenstern der Beschwerdeführer angebracht. Das Haus habe nicht betreten werden dürfen. Und einen Messwagen auf dem Weg habe die Stadt mit Hinweis auf den Fluchtweg ebenfalls untersagt.

"Ich hoffe, dass wir uns einigen können", sagte Eichholz. "Wenn die Beschwerdeführer eine einstweilige Verfügung beantragen und damit durchkommen, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Dann kann man auf Dauer praktisch jede Veranstaltung in der Bonner Innenstadt vergessen."

Vonseiten der Lärmmessfirma hieß es, dass die Beschwerden wegen Lärms in den vergangenen Jahren "deutlich zugenommen haben". Das hänge einerseits wohl auch mit der allgemeinen Zunahme des Alltagslärms zusammen. Andererseits gebe es heutzutage wohl auch viel mehr Veranstaltungen mit Beschallungstechnik. "Der Wirkungsgrad der Anlagen ist größer als früher", hieß es.

Unterdessen lassen etliche Bürger ihrem Unmut auf der Webseite des GA freien Lauf: "Bald sind wir der größte Friedhof im Rheinland", heißt es dort. Und: "Ich finde, wenn man Probleme mit der Lautstärke hat, sollte man nicht in die Innenstadt ziehen. Diese Meckergesellschaft ist echt nervig." Ein Innenstadtbewohner meint indes: "Ich will nicht jeden Abend Rambazamba in der Stadt haben, dass die Blumen auf dem Balkon wackeln."

Kunst!Rasen, Partyschiffe

Erst der Kunst!Rasen mit den Konzerten in der Gronau, dann die Partyschiffe, jetzt die Klangwelle. Der Open-Air-Reihe in der Rheinaue drohte gar das Aus, als eine einstweilige Verfügung beim Verwaltungsgericht Köln beantragt wurde. Man einigte sich auf Messungen. Das Verfahren gegen die Genehmigung findet diesen Monat statt.

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