Dreharbeiten in Bonn

Jan Böhmermann dreht Musikvideo im Museum Koenig

Bonn. Der Satiriker Jan Böhmermann alias "POL1Z1STENS0HN" hat Szenen seines neuen Musikvideos "Recht kommt" im Museum Koenig in Bonn gedreht. Der Grund dafür liegt in der Geschichte des Museums.

Ein Mann mit Sonnenbrille, Kapuze und schwarzer Baseballjacke mit der Aufschrift "Cop Life" steht im Museum Koenig, hinter ihm ausgestopfte Affen, Elefanten und Giraffen, während er in aggressiven Tönen rappt.

In dem Video "Recht kommt", das in der ZDF-Show "Neo Magazin Royale" am Donnerstagabend lief, rappt Moderator Jan Böhmermann in seiner Rolle als "POL1Z1STENS0HN" über die Macht der Gerichte und huldigt der Leistung von Rechtsanwälten und Richtern. Im Museum Koenig fand im September 1948 die Eröffnung des Parlamentarischen Rates statt, der bekanntlich das Grundgesetzt erarbeitet hat. Das Museum gilt als Geburtsort der Bundesrepublik.

Nach dem ersten Drittel des Videos – hier erscheint das erste Bild aus dem Bonner Museum – schauten vermutlich viele Bonner und Ortskundige stutzig: Böhmermann steht rappend vor den hell beleuchteten Affen in der Savanne. Zitiert wird der ehemalige Staatsanwalt Fritz Bauer, der für seine juristische Jagd auf Nazis bekannt wurde und in der Videosequenz von einem "Affenzustand" spricht, während im Video ein Aktenordner mit einem Bild des Parlamentarischen Rats sichtbar wird. Passend zu den ausgestopften Tieren rappt Böhmermann: "Tick Tack du Primat, Recht kommt langsam."

In seinem Video teilt er gegen Gangsterrapper wie Bushido und Haftbefehl  aus, die für ihren harten und aggressiven Auftritt bekannt sind und gerne mal mit ihrem teuren "Mercedes AMG" protzen. Böhmermann wandelt das Logo "AMG" in dem Musikvideo zu einem "GG" - Grundgesetz - um: "Kickdown mit GG", rappt er, "beschlossen und verkündet, hier kommt Kavallerie".

Wie der General-Anzeiger aus Mitarbeiterkreisen des Museums erfuhr, waren Böhmermann und das zehnköpfige Filmteam am 24. Januar morgens in Bonn. Das Team drehte hauptsächlich in der "Savanne", die dann für Zuschauer für einen kurzen Zeitraum nicht zugänglich gewesen sei. Das Team wollte eigentlich vor den ersten Besuchern alle Szenen abgedreht haben, was aber nicht geklappt habe. Während die ersten Besucher um 10 Uhr eintrudelten, zögerten sich die Dreharbeiten in die Länge. Böhmermann sei trotzdem entspannt und freundlich gewesen.

"Das Museum versteht sich als Ort des Diskurses und als Ort des Dialogs. Besonders fühlt es sich allerdings aufgrund der oben sehr kurz dargestellten Zeitgeschichte der Demokratie verpflichtet. Insofern waren uns die Aufnahmen zu dem Video samt seinem satirischen Inhalt sogar willkommen, sind sie doch Ausdrucksform einer lebendigen und gelebten Demokratie", schreibt das Museum in einem Post auf seiner Facebookseite.

Bei der Bildundtonfabrik, die das "Neo Magazin Royale" produziert, wollte man keine Details zu dem Dreh nennen. Dort hieß es, dass das "Gesamtwerk" für sich stehen solle.

In seiner Rolle als "POL1Z1STENS0HN" hat Böhmermann bereits vor einiger Zeit ein ähnliches Video über die Polizei veröffentlicht. Der Satiriker und Moderator des "Neo Magazins" ist mit seinem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan bekannt geworden, worauf Erdogan ihn angeklagt hatte und Böhmermann damit eine diplomatische Krise zwischen Deutschland und der Türkei entfacht hatte.