Rückblick auf 30 Jahre Pantheon

Jahrzehntelang behielt Pause den Kopf oben

Die Tage des Pantheon-Theaters sind gezählt: Am 15. Juli schließt die Kabarettbühne am Bundeskanzlerplatz endgültig ihre Pforten.

Die Tage des Pantheon-Theaters sind gezählt: Am 15. Juli schließt die Kabarettbühne am Bundeskanzlerplatz endgültig ihre Pforten.

Bonn. Seit 1987 hat das Pantheon am Bundeskanzlerplatz auch Bonner Geschichte geschrieben. Nicht nur mit Kabarett und „Pink Punk Pantheon“.

Um diese Adresse ist das Pantheon Theater fast 30 Jahre lang beneidet worden: Am 3. Oktober 1987 öffnete die Kabarett- und Kleinkunstbühne am Bonner Bundeskanzlerplatz, in unmittelbarer Nähe zum Regierungsviertel.

Zwar soll sich dort tatsächlich der eine oder andere Politiker unters Volk gemischt haben – doch aus dem Untergrund des Bonn Centers waren in diesen drei Jahrzehnten vor allem kritische Stimmen zu hören; von Hanns Dieter Hüsch und Dieter Hildebrandt, von Georg Schramm, Gerhard Polt, Volker Pispers und Wilfried Schmickler – um hier nur einige Namen zu nennen.

Das Pantheon verstand sich von Beginn an als „sinnstiftende Wiedergutmachung am Abend“, als „geistig-moralische Wiederaufbereitung“. Angefangen hat alles allerdings eher auf die gleiche lakonisch-pragmatische Art, mit der die Pantheoniken – vom Büro bis zu Technik und Gastronomie – „Oberwasser“ behalten haben: just in dem Moment, da Rainer Pause – seinerzeit sachkundiger Bürger der Grünen im Kulturausschuss – die Diskussionen um die ungewisse Zukunft des städtischen Kulturforums im Bonn-Center mit dem Satz beendete: „Wenn ihr das nicht auf die Reihe kriegt, dann übernehme ich das eben.“

Um anschließend drei Jahrzehnte lang den Kopf oben zu halten und zu improvisieren, während das Haus in der deutschsprachigen Kabarett- und Kleinkunstszene zusehends an Profil gewann. Kürzungen des Kulturetats und die ungewisse Zukunft des Bonn-Centers ziehen sich jedoch wie ein roter Faden durch die Geschichte des Hauses und wurden schon 1991 von Rita Baus (künstlerische Leitung und Geschäftsführung bis 2005) moniert.

Auf der anderen Seite standen eine gewisse rheinische Gelassenheit und ein innovatives „Jetzt erst recht.“ Den ersten Meilenstein hat die 1983 im Kessenicher „Fettnäpfchen“ gegründete Karnevalsrevue „Pink Punk Pantheon“ mit den Vereinsmeiern des „1. FKK Rhenania“ Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) gesetzt.

1995 wurde der „Prix Pantheon“ erstmals vergeben und hat Kabarettisten wie Dave Davis und Sebastian Pufpaff bundesweit weit bekannt gemacht. Dazu kommen Reihen wie das A-cappella-Festival und der Liedermacher Sommer, das 2003 initiierte Format „Quatsch keine Oper“ in Kooperation mit dem Theater Bonn sowie das Kabarettfest und die „Vorleser“ in Zusammenarbeit mit dem WDR. Nicht zu vergessen die Tanznächte; und das Casino, den 2012 ebenfalls im Bonn Center eröffneten „kleinen Bruder“ mit rund 80 Plätzen.

Die Besucherzahlen lagen in den vergangenen Jahren im konstant sechsstelligen Bereich, Tendenz steigend. Während Pantheoniken und Publikum schon auf die Bonner „Sonnenseite“ herüberblickten. Rechts rechts neben dem Eingang klebt noch der rote Button mit der Aufschrift „Ja, Beuel!“