Bonner Köpfe

Jürgen Both ist Hardrocker durch und durch

Jürgen Both mit den Bluessängerinnen Erja Lyytinen (rechts) und Ina Forsman.

Jürgen Both mit den Bluessängerinnen Erja Lyytinen (rechts) und Ina Forsman.

Bonn. Der Bonner Konzertveranstalter Jürgen Both ist „Ur-Endenicher“ und hat sich dem Hardrock verschrieben. Sein erstes Live-Konzert war Udo Lindenberg – natürlich in Endenich.

Jürgen Both ist ein Unikum. Der Konzertveranstalter ist anders als andere. Ja, wie andere ist auch er total musikverrückt. Both hat was von einer „Mutter der Kompanie“. Man kann ihn auch schon mal hinter der Bühne beim Brote schmieren sehen, damit Musiker und Bühnenarbeiter was zu essen haben, wenn die Küche schon geschlossen hat.

Er bezeichnet sich als „Ur-Endenicher“. Vor 52 Jahren im Marienhospital geboren, lebt er seitdem im westlichen Bonner Stadtteil. Und die Harmonie an der Frongasse ist sein zweites Wohnzimmer. Die Musik spielte in seinem Leben schon immer eine große Rolle, zum Beruf wurde sie aber erst später. Heute gehört er zu den emsigsten Konzertveranstaltern Bonns.

Fotografieren begann er schon in jüngster Jugend, erzählt er beim Kaffee in der Bäckerei Klein, wo man ihn fast jeden Morgen antrifft. Nach der Schule begann er eine Lehre als Fotolaborant, arbeitete lange im Bonner Kaufhof. Doch die zunehmende Digitalisierung machte seinen Beruf überflüssig. „Bis dahin habe ich alle Fotoläden in Bonn durchgemacht“, sagt er und lacht. Parallel zu seinem Job hat er regelmäßig auf Konzerten fotografiert und die Ergebnisse an Musikmagazine verkauft. Ein Foto von Lita Ford von der britischen Rockband Runaways schaffte es sogar auf den Titel eines Metal-Magazins.

Both ist Rockfan durch und durch

Jürgen Both ist Rockfan. Je härter, desto besser. „1978 hat es mich erwischt. Da habe ich Status Quo im Fernsehen gesehen. Hammer!“, sagt er immer noch begeistert. Davor hat er Beatles und Elvis gehört. Jetzt kamen schnell Bands wie Saxon und Iron Maiden hinzu, sein erstes Live-Konzert war Udo Lindenberg – natürlich in Endenich. In der Burg. Dann AC/DC in der Kölner Sporthalle.

Was machte man in Zeiten, als es noch kein Internet gab? Man suchte Kontakt zu Gleichgesinnten – in seinem Fall zum Hard Rock Club Bonn, der sich 1980 gründete. Den Club gibt es immer noch, Both ist heute Vize-Präsident. Die gut 40 Fans trafen sich regelmäßig in Kneipen und besuchten Konzerte. Das „More“ in Beuel war wahrscheinlich das erste Hardrocklokal Deutschlands. Irgendwann folgten auch eigene Konzerte – etwa in der legendären Biskuithalle oder den Rheinterrassen, aber auch Festivals auf dem Heimatblick in Alfter oder die legendären „Heavy Summer Nights“ in den Beueler Rheinauen.

Auf der Wiese zwischen dem Kletterschiff und dem Hügel standen eine kleine Bühne, ein Bierwagen und zahlreiche Bierbänke. Und sogar im Ramersdorfer Dorfkrug veranstalteten sie Konzerte. Die Bonner wurden Kult und immer öfter zu Konzerten und Radioshows eingeladen. So lernten sie Kiss, Deep Purple, Scorpions und andere Rockbands persönlich kennen. „Alice Cooper ist ein unglaublich höflicher Gentleman“, erzählt Both. „Lemmy von Motörhead ganz entspannt, Roger Glover von Deep Purple und Doro Pesch sind wahnsinnig nett.“ Dagegen sei er von Ken Hensley (Uriah Heep) enttäuscht gewesen.

Einer der Höhepunkte: 1984 waren sie beim Monsters of Rock Festival. Nach dem Konzert standen sie am Künstlerausgang, um vielleicht ihre Idole zu sehen, als sie von der Crew angesprochen wurden. Sie suchten noch Helfer zum Abbauen der schweren AC/DC-Glocke. Unvergessen war auch das Zusammentreffen mit Bruce Dickinson, Sänger der Heavy-Metal-Band Iron Maiden, der 1986 zeitweise in Bonn lebte. Dickinson war begeisterter Fechter und trainierte im Leistungszentrum in Bonn. Nachts zog der dann mit einigen aus dem Club durch die Kneipen der Alt- und Südstadt.

Aus Passion heraus gegründet

Die Konzertagentur Rock Times Production hat Both schließlich aus seiner Passion heraus gegründet. Eines seiner ersten Konzerte war eine Whitesnake Coverband. „Das war sofort ausverkauft.“

Über die Jahre hat Both so manche Band „entdeckt“ und ihnen zum Erfolg verholfen, etwa der Bap-Tribute-Band Mam, die früher mal in einer Tiefgarage geprobt hat. Both brachte und bringt Kultbands wie Grobschnitt, Blackmore's Night oder die Blues Pills und Blues -stars wie Walter Trout oder Mike Zito auf die Bühne, aber auch Künstler wie das Duo Mrs. Greenbird, Ulla Meinicke, Cynthia Nickschas, Jazzer wie Triosence, Liedermacher wie Björn Heuser oder die Mittelalter-Musikgruppe Irrlichter. Und das nicht nur in Bonn. Das Brückenforum in Beuel, meint er, sei „dringend sanierungsbedürftig“. Und was Bonn noch fehle, das sei eine Konzertstätte zwischen Brückenforum und Harmonie: „Schade, dass die Pläne um die Konzerthalle am Alten Schlachthof noch nicht umgesetzt werden konnten.“

Eines der kuriosesten Konzerte, erzählt er schmunzelnd, sei das der Woodstock-Legende Melanie 2006 in der Harmonie gewesen. „In meiner Erinnerung kam sie etwa fünf Minuten vor ihrem Auftritt mit ihrem Sohn und hat, glaube ich, auf der Bühne mehr erzählt als gesungen.“ Beeindruckt war Both von Louisiana Red, der Blues-Legende aus Alabama, die 2007 mit 75 Jahren in der Harmonie spielte. „Aber eigentlich“, sagt er nachdenklich, „bin ich immer wieder beeindruckt von Bands. Und das bleibt auch, solange die Musik mich weiter antreibt. Ich habe jedenfalls noch einiges vor.“

Zum Jubiläum „50 Years of Woodstock“ präsentiert Both Originalbands des legendären Festivals in der Harmonie: am 4. Oktober Miller Anderson Band und Corky Laing's Mountain, am 5. Oktober Ten Years After und am 6. Oktober Canned Heat.