WCCB-Hotel

Jörg Haas verhandelt mit Marriott-Unternehmen

Jürgen Nimptsch und Jörg Haas

Den "goldenen Schlüssel" fürs WCCB-Hotel übergibt Jürgen Nimptsch an Jörg Haas.

BONN. Die Fertigstellung des WCCB-Hotels ist wieder einen wichtigen Schritt vorangekommen: Nachdem die neue Eigentümerin, die Bonnvisio-Gruppe, die Baugenehmigung erteilt bekommen hatte, überreichte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch jetzt Bonnvisio-Geschäftsführer Jörg Haas symbolisch den Schlüssel für das Hotel am World Conference Center (WCCB).

Denn mit Begleichung des Kaufpreises - nach GA-Informationen 17 Millionen Euro - am Mittwoch ist das Hotel nun offiziell in das Eigentum der Bonnvisio-Gruppe übergegangen.

Haas will das Gebäude nach eigenen Angaben in den nächsten 18 Monaten fertigstellen lassen. "Die Bauarbeiten werden im Frühherbst beginnen. Im optimalen Fall werden wir das Hotel bis Ende 2015 fertiggestellt haben und zu Beginn 2016 eröffnen", sagte er am Donnerstag.

Bonnvisio verhandele derzeit mit dem Hotelunternehmen Marriott und werde das Vier-Sterne-Hotel voraussichtlich als "Bonn Marriott Hotel" führen. Die Fertigstellung für das Kongresszentrum selbst, dessen Betreiber die städtische Betreibergesellschaft Bonn Conference Center Management GmbH ist, ist für Anfang 2015 geplant.

"Viele Bonner fragen mich, warum man sich ein skandalumwittertes WCCB-Hotel antut", sagte Haas. "Rational betrachtet handelt es sich um den besten Standort für ein Geschäftshotel in Bonn." Der Eigentumsübergang des Hotels bedeutet laut Haas eine Zäsur: "Die Vergangenheit ist passé. Wir gestalten die Zukunft."

Neben den eigenen Firmeninteressen sähe man sich dem Wohle der Stadt Bonn und des historischen Regierungsviertels verpflichtet. Nimptsch äußerte sich zufrieden über den Ausgang eines langwierigen Prozesses: "Von Anfang an stand für mich fest, dass wir parallel zur gerichtlichen Aufarbeitung des Insolvenzfalles nach vorn schauen und den Komplex fertigstellen müssen. Mit der Bonnvisio-Gruppe haben wir einen Partner, der genau diesen Blick in die Zukunft hat."

Die Eigentumsübertragung entspricht den Regelungen, die der vom Rat genehmigte Kaufvertrag für das Hotel vorsah. Danach musste ein Notar die Fälligkeit des Kaufpreises feststellen; als Termin wurde der 13. August festgelegt. An diesem Tag sei das Geld bei der Stadt eingegangen, der Eigentumsübergang habe formell am darauffolgenden Tag stattgefunden, teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit. Die neuen Eigentümer wurden bei einem Rundgang durch das Objekt geführt, ein Übergabeprotokoll wurde angefertigt.

Wie berichtet, beträgt der Kaufpreis für das 336-Zimmer-Hotel 17 Millionen Euro, die sich aus Eigen- und Fremdmitteln zusammensetzen. Das Geld füllt allerdings nicht die Kasse des Stadtkämmerers, sondern muss in die WCCB-Rücklage fließen. Im Spätherbst 2013 hatte der Stadtrat beschlossen, den Hotel-Rohbau an den Bonner Investor Jörg Haas (Kameha-Hotel) zu verkaufen.

Damals wurde vereinbart, dass der Kaufvertrag erst dann unterzeichnet werden soll, wenn der Käufer der Stadt einen Finanzierungsnachweis für Anschaffung und Fertigstellungskosten des im Rohbau befindlichen Hotels in Höhe von bis zu 60 Millionen Euro vorgelegt hat.

Eine ursprüngliche Alternative, das Hotel auf eigene Rechnung fertigzustellen und durch die Bonn-eigene WCCB-Betreibergesellschaft, die Bonn CC, zu betreiben, hatte die Verwaltung verworfen. Die Stadt hätte sich dafür neu verschulden müssen. Außerdem wäre eine europaweite Ausschreibung erforderlich geworden - ein zeitraubender Prozess.

Das Hotel wäre wohl erst Jahre nach der Inbetriebnahme des Kongresszentrums, die für Anfang 2015 geplant ist, fertig geworden. Damit hätte zwar das ursprünglich angedachte Quersubventionsmodell - Hotelpachtertrag gleicht Kongressdefizit aus - noch umgesetzt werden können, doch die externen städtischen Berater sahen darin zu viele Risiken für die Stadt, sodass sie den Verkauf empfahlen.