Bezirksbürgermeisterin vom Hardtberg

Interview mit Petra Thorand

Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand vor dem Rathaus Duisdorf. Nach wie vor hält sie die Zentralisierung der Bürgerdienste im Stadthaus für einen Fehler. Dieser Dienst sei in den Bezirksrathäusern viel bürgernäher untergebracht.

Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand vor dem Rathaus Duisdorf. Nach wie vor hält sie die Zentralisierung der Bürgerdienste im Stadthaus für einen Fehler. Dieser Dienst sei in den Bezirksrathäusern viel bürgernäher untergebracht.

Hardtberg. Das letzte Viertel der Legislaturperiode hat für Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand wie für alle Kommunalpolitiker in NRW geschlagen. Zeit für eine Bilanz.

An viele große und kleine Vorhaben in Hardtberg konnte ein Haken gemacht werden; einiges steht aber noch auf der Tagesordnung. Thorand kritisiert, dass Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse viel zu lange dauern. Deutlich wird sie auch beim Thema zentrale Bürgerdienste: ein großer Fehler. Ob sie 2020 noch einmal als Bezirksbürgermeisterin antreten will, lässt Thorand im Interview mit GA-Redakteurin noch offen.

Welche Projekte sollen bis zur Kommunalwahl im Herbst 2020 im Stadtbezirk noch angegangen werden?

Petra Thorand: Es steht noch einiges auf der Liste der Bezirksvertretung, angefangen beim Baufortschritt der ehemaligen Gallwitzkaserne über die Baumaßnahme der Vebowag an der Villemombler Straße bis zum Mehrgenerationenwohnen auf dem Brüser Berg. Dann haben wir den Neubau der Kindertagesstätte am Tüv Medinghoven, die Erweiterung der Rochusschule, die Sanierung der Mehrzweckhalle Schmittstraße sowie die Erneuerung des Sportplatzes Lengsdorf. Und dann hoffe ich, dass endlich die Lingsgasse in Lengsdorf verbreitert wird, damit die vielen Gespräche, die ich dazu geführt habe, endlich Früchte tragen.

Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Thorand: Man kann sich fragen, ob persönlicher Input (Zeit) und Output (Inhalt ist erledigt) in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Wir als ehrenamtliche Mitglieder der Bezirksvertretung sind ja auf die Umsetzung der Projekte durch die Verwaltung angewiesen. Die Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse sind aber lang. Und das ist sehr hemmend in der täglichen Arbeit. Es sind einige Projekte abgeschlossen worden wie der Wohnpark am Hardtberg, die Wohnanlage in der Celsiusstraße, der Kunstrasenplatz Wesselheideweg oder die Sanierung der Rochusstraße. Es gibt aber auch viele offene Projekte, sodass ich auch gedanklich nichts abschließen kann. Und außer den Projekten gibt es noch eine Menge anderer Aktivitäten, die zu meinen Aufgaben als Bezirksbürgermeisterin gehören und somit auch zu meiner Bilanz wie etwa die vielen Repräsentationsveranstaltungen.

Was waren bislang Ihre größten Erfolge als Bezirksbürgermeisterin?

Thorand: Das Amt der Bezirksbürgermeisterin ist kein Job, bei dem es um Erfolg oder Misserfolg geht, sondern um Ergebnisse, die auch im Zusammenspiel mit der Fraktion erreicht werden. Und im Hinblick darauf haben wir in den vergangenen Jahren viel erreicht. Überdies sind es zusätzlich die kleinen Dinge, die Erfolge ausmachen. Mir sind die persönlichen Kontakte und Gespräche sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt und das Miteinander wichtig. Leider bleibt da vieles auf der Strecke. Werte wie Ehrlichkeit, Dankbarkeit, Authentizität, Bescheidenheit, Wertschätzung oder Toleranz – es ließen sich noch weitaus mehr aufzählen – müssen daher das Fundament unseres täglichen Handelns bilden. Und ich werte es als großen Erfolg, wenn die Menschen mir zuhören, meine Worte schätzen und mir das auch immer wieder persönlich bestätigen.

Sie haben Ihr Stadtratsmandat wegen beruflicher Belastung zurückgezogen. Wie viel Zeit bleibt Ihnen für Repräsentationsverpflichtungen als Bezirksbürgermeisterin?

Thorand: Zusätzlich zum Beruf dieses sehr zeitintensive Ehrenamt zu stemmen, ist schon eine Herausforderung, zumal ich auch den Ämtern und Mandaten gerecht werden möchte. Aus diesem Grund habe ich das Ratsmandat niedergelegt, somit lässt sich das Amt der Bezirksbürgermeisterin besser einrichten. Sich dabei auch noch freie Zeit für ein Privatleben zu schaffen, stellt allerdings eine weitere Herausforderung dar.

Treten Sie zur Kommunalwahl wieder an?

Thorand: Das werde ich zu gegebener Zeit bekanntgegeben.

Hat Ihr politischer Werdegang das gehalten, was Sie sich davon versprochen haben?

Thorand: Ich wollte mich engagieren, weil ich gerne gestalte und auch kritisiere, wenn mir etwas nicht passt. Das wiederum setzt aber voraus, dass man sich auch selbst einsetzt. Das habe ich getan, zuerst im vorpolitischen Raum, dann in der Partei. Mein Ziel war nie, politisch Karriere zu machen.

Sie konnten sich gegen die Einrichtung eines zentralen Dienstleistungszentrums im Stadthaus nicht durchsetzen. Haben Sie nach wie vor eigene Vorschläge?

Thorand: Ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass es ein großer Fehler war, die Bürgerdienste zu zentralisieren. Das zeigt die Praxis täglich. Die Probleme könnten sehr schnell behoben werden, wenn man in den Stadtbezirken die Zeiten wieder ausweiten würde. Im Übrigen würde dann auch eine Menge Geld gespart. Zentralisie­rung hat nichts mit Bürgerfreundlichkeit zu tun. Und eine Verwaltung ist nun mal dazu da, für die Bürger Dienstleistungen zu erbringen. Genauso ein Unding ist es, dass man für Beglaubigungen ins Stadthaus muss. Das kann ebenso gut eine Bezirksverwaltungsstelle leisten. Also, alles auf Anfang. Getreu dem Motto „Never change a running system.“ Etwas, das gut funktioniert, sollte man nicht ändern. Und von den angekündigten Einsparungen kann eh keine Rede sein.

Wird die Arbeit des Kommunalpolitikers heutzutage in der Öffentlichkeit gewürdigt?

Thorand: Die meisten Menschen wissen nicht einmal, dass es sich um ein Ehrenamt handelt. Jeder möchte gerne seine Interessen durchgesetzt haben. Zum Gemeinwohl gehört jedoch die Bereitschaft zu Kompromissen und nicht die Verfolgung von Einzelinteres­sen. Aber das ist ein generelles Problem. Denn wir leben in einer Gesellschaft, die von Kritik geprägt ist. Gemeckert und genörgelt wird gerne. Es ist immer leicht, an anderen etwas zu kritisieren, so lange man nicht selbst in der Verantwortung steht. Konstruktives Streiten will eben gelernt sein, denn es gehört auch zu einer Demokratie. Und: Wir sind nur Teil eines Ganzen. Das sollte man sich immer vor Augen führen.

Wie würden Sie den politischen Nachwuchs motivieren?

Thorand: Ich habe ja viel mit jungen Menschen zu tun. Ich ermutige sie, sich für die demokratischen Prozesse zu interessieren und sich einzusetzen. Politisches Engagement beginnt schon im Schulalter, indem man sich etwa in den verschiedenen Gremien der Schule engagiert. Die Freiheit, in der wir leben, bedingt aber auch mehr Verantwortung für uns selbst und für die Gesellschaft. Gleichzeitig bietet sie die Chance, aktiv sein Leben zu gestalten, etwas verändern zu können, Neues zu wagen. Wichtig ist die Diskussion, siehe die Freitagsdemos der Schüler zur Klimapolitik.

Sie werben konsequent fürs Ehrenamt. Welche guten Argumente haben Sie?

Thorand: Freiwilliges Engagement ist nicht nur Hilfe für andere, sondern bedeutet auch persönliche Weiterentwicklung. Strahlende Gesichter sind ein großer Dank. Man macht neue Erfahrungen und der eigene Blick weitet sich. Es werden Brücken zu den Menschen gebaut. Bürgerschaftliches Engagement wird immer wichtiger: Als eine Chance, unser Leben menschlicher zu machen. Die demographische Entwicklung stellt uns ebenfalls vor ganz neue Herausforderungen. Leistungen werden immer mehr gekürzt, und trotzdem muss es dabei noch gerecht, fair und sozial ausgewogen zugehen. Umso wichtiger ist bürgerschaftliches Engagement. Hermann Gmeiner, der Gründer der SOS-Kinderdörfer, hat bürgerschaftliches Engagement treffend umschrieben: „Alles Gute auf dieser Welt geschieht nur, wenn einer mehr tut, als er tun muss.“