Umstrittenes Projekt in Bonn

Initiative will Wohnkomplex am Melbbad verhindern

Initiativensprecher Volker Vogel (links) übergab die Unterschriften an den Oberbürgermeister. Mit einem selbst gebastelten Modell versuchten die Bürger, ihre Kritik am geplanten Gebäuderiegel zu verdeutlichen.

Initiativensprecher Volker Vogel (links) übergab die Unterschriften an den Oberbürgermeister. Mit einem selbst gebastelten Modell versuchten die Bürger, ihre Kritik am geplanten Gebäuderiegel zu verdeutlichen.

Bonn. Die Bürgerinitiative "Rettet das Melbbad" wehrt sich gegen die Bebauung an der Trierer Straße in Bonn. Am Montag hat sie Unterschriftenlisten an Oberbürgermeister Ashok Sridharan übergeben. Der will mit dem Bauherrn Vebowag über eine Änderung der Pläne sprechen.

Die Initiative „Rettet das Melbbad“ hat nach eigenen Angaben 3858 Unterschriften gegen den geplanten Wohnkomplex an der Trierer Straße gesammelt. Am Montagabend übergaben rund 70 Bürger die Listen vor einer Sondersitzung des Rates an Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Das Projekt der Vebowag sei „kein Bau für, sondern gegen das Melbbad“, betonte Initiativensprecher Volker Vogel. Indirekt drohte er dem Stadtoberhaupt mit einem Bürgerbegehren. „Wir sind auf jedes Szenario vorbereitet“, sagte Vogel, der in der Nähe des Bades wohnt.

Die Initiative kritisiert den geplanten Riegel mit 99 Wohneinheiten, der je nach Gebäudeteil vier bis acht Stockwerke hoch werden soll, als viel zu massiv. Es sei mit Klagen der späteren Mieter gegen den Badbetrieb zu rechnen. Das Gebäude werde das Schwimmbecken verschatten und eine Kaltluftschneise im Melbtal blockieren.

Im Untergeschoss des Komplexes  in Hanglage soll die Vebowag Umkleiden und Sanitäranlagen für das Freibad unterbringen. Der alte Sanitärtrakt ist laut Stadt kaum noch nutzbar. Der Neubau stelle den Weiterbetrieb des Bades sicher, betonte Oberbürgermeister Sridharan. Außerdem gehe es darum, den Mangel an preiswerten Wohnungen in Bonn zu dämpfen. Er kündigte an, diese Woche ein Gespräch über „Art, Maß und Gestaltung“ des Neubaus mit städtischen Vebowag zu führen. Balkone mit Blick auf das Freibad könne er sich zum Beispiel nicht vorstellen. Sridharan versprach, die Stadt werde keine Fakten schaffen, ohne sich vorher mit der Initiative auszutauschen.

Antrag des Bürger Bundes Bonn

Einen Antrag des Bürger Bundes Bonn (BBB), der Rat solle die Entscheidung über das Projekt an sich ziehen, vertagte die Mehrheit in die nächste Sitzung am 26. September. Johannes Schott (BBB) warnte, die Bebauung bedrohe den Fortbestand des Melbbades. FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich äußerte Zweifel, ob eine Wohnanlage „mit dem Badbetrieb vereinbar“ sei. Auch er habe Bedenken wegen des Bauvolumens und der klimatischen Auswirkungen.

Dörthe Ewald (SPD), die sich als Inhaberin einer „Retterkarte“ für das Bad einsetzt, warb für einen Kompromiss, sobald alle Fakten auf dem Tisch lägen. „Wir müssen das größte Problem dieser Stadt lösen“, appellierte sie an die anderen Parteien. „Und das ist, bezahlbare Wohnungen zu schaffen.“ So argumentierte auch Rolf Beu (Grüne). Er warf den Projektgegnern vor, „Ängste zu schüren, obwohl es ihnen in Wahrheit um ganz andere Themen geht“.

Die Ratsmehrheit hatte 2018 im Grundsatz beschlossen, das Grundstück an der Trierer Straße bebauen zu lassen, um damit den Sanierungsstau am Sanitärtrakt aufzulösen. Weil in diesem Gebiet kein Bebauungsplan existiert, kann die Vebowag nach Paragraf 34 Baugesetzbuch entsprechend der benachbarten Häuser bauen, sobald die Stadt die Bauvoranfrage positiv beschieden oder eine Baugenehmigung erteilt hat. Beides ist bisher nicht geschehen, so das Presseamt. Würde ein Bebauungsplan aufgestellt, wäre dagegen eine Bürgerbeteiligung in aller Form zwingend. Den Abriss des alten Badgebäudes hat die Vebowag schon bei der Stadt angemeldet, will aber erst die angekündigte Bürgerinformation abwarten, wie Geschäftsführer Michael Kleine-Hartlage kürzlich erklärte.

Der Förderverein „Unser Melbbad“ unterstützt die Unterschriftenaktion von „Rettet das Melbbad“ nicht, berichtete Initiativensprecher Vogel. Im Notfall sei man bereit, ein Bürgerbegehren gegen das Projekt anzuschieben, sagte er dem GA: „Wir haben das bereits mit einer Anwaltskanzlei besprochen.“ Es sei aber auch denkbar, eine Spendenaktion zu starten, um eine Sanierung des Melbbads durch die Stadt mitzufinanzieren.