Ten Brinke-Entwurf zum Bahnhofsvorplatz

Initiative und Städtebaubeirat uneins

25.03.2015 BONN. Sehr viel weiter können Bürger und akademische Städteplaner mit ihrer Meinung nicht auseinanderliegen. Gerade hatte sich der Verein Pro Bahnhofsvorplatz, der seit zwölf Jahren für eine angemessene Lösung auf dem Bahnhofsvorplatz kämpft, geradezu euphorisch über den Ten Brinke-Entwurf für das Nordfeld ausgesprochen, da machte der Städtebau- und Gestaltungsbeirat am Mittwochabend wieder alle Hoffnungen der Bürger zunichte.

Der fünfte Wettbewerbsbeitrag, den die clp architects aus Koblenz verantworten, sei "kritisch diskutiert" worden, berichtete Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender des nicht öffentlich tagenden Gremiums gestern Abend zu Beginn der Planungsausschuss-Sitzung.

Der Entwurf spreche mit seinem "relativ markanten Solitär eine monumentale Formensprache", so der Professor. Der Beirat sehe in dem Entwurf "erhebliche Probleme". Die sehr gläserne Architektur mit der horizontalen Bänderung sei nicht "die angemessene Antwort auf die Standortfrage", so Lütke Daldrup. Der Beirat bleibe bei seiner Empfehlung seiner Herbstsitzung und präferiere die "differenziertere" Architektur der "developer". Ihr Entwurf, der unter dem Titel "Urban Soul" steht, sei mit der Zweiteilung des Baukörpers und des kleinen Platzes an der Ecke Maximilianstraße/Thomas-Mann-Straße der vom Expertengremium favorisierte Vorschlag.

Ilse Wolf vom Verein Pro Bahnhofsvorplatz nahm dieses Urteil "fassungslos" auf. "Furchtbar", so Wolf, "dass da wieder der Wunsch der Bürger keine Berücksichtigung findet. Der Entwurf der Brinke Gruppe ist endlich mal einer, der auflockert, der die Gesamtbeziehungen im Blick hat und keine 08/15-Planung ist."

Offenbar würden die Gremiumsmitglieder, die allesamt nicht aus Bonn sind und überwiegend Professoren sind, die Lage und Befindlichkeiten nicht kennen. "Wie kann man denn einen Platz planen, der genau auf dem Weg zwischen Bahnhof und Obdachlosenunterkunft liegt?", fragte ein Ratsmitglied am Rande der Sitzung. Er wolle sich noch nicht öffentlich äußern, sagte er.

 Dieter Schaper (SPD) dagegen schon: "Spannend", urteilte er über den Ten Brinke-Plan. "Das hat was Eigenständiges, das ist ein Vorschlag für eine Architektur, die unverwechselbar ist. Solch ein Bau wie "Urban Soul" könnte doch in jeder Stadt stehen."

Über "Urban Soul" hatte der Beirat gesagt: "Das sind Gebäude, die sich einfügen und den Bestand wertschätzen. Kaufhaus und Hotel definieren sich auf gewisse Maßstäblichkeit." (Cem Akalin)