"Bonner Köpfe": Michèle Lichte

In der digitalen Welt fühlt sie sich pudelwohl

Tablet und Smartphone als ständige Begleiter: Bloggerin Michèle Lichte ist ständig online.

Tablet und Smartphone als ständige Begleiter: Bloggerin Michèle Lichte ist ständig online.

Bonn. Es ist offensichtlich: Michèle Lichte fühlt sich in der digitalen Welt pudelwohl. Die dreifache Mutter betreibt mit großer Leidenschaft die Blogs bonnentdecken.de und lichtemomente.eu – ein Fotografie- und Reiseblog.

Michèle Lichte sitzt auf der Terrasse ihres Hauses in der Bonner Südstadt. Immer griffbereit auf dem Tisch: das Smartphone. „Das ist tatsächlich immer an“, sagt die 44-Jährige lachend, grenzt dann aber ein: „Ich habe es aber immer leise.“ Das sei auch nötig, denn sonst sei ein ruhiges Gespräch gar nicht möglich. Zu viele Mitteilungen.

Alles fing an, als ihr ein Gast ihrer Pension, die sie seit 2006 betreibt – nach seinem Aufenthalt eine Facebook-Anfrage stellte. „Das machte mich neugierig, und ich fand es relativ schnell sehr toll. Durch Social Media kommt man viel ins Gespräch und erhält Kontakt zu fremden Leuten. Das fand ich faszinierend und bin auf Netzwerktreffen gegangen wie etwa den Social Media Club in Bonn.“

Bonn bekam den Vorzug

Nach Bonn kam die gebürtige Gelsenkirchenerin, die in Bremen mit dem Abschluss Grundschullehramt studiert hat, 2001. Zuvor hatte sie ein Jahr in Frankreich gelebt. Das war immer ein Traum, wie sie sagt. Schnell habe sie jedoch gemerkt, dass ihr Deutschland fehlt. „Zum Leben gehört doch ein bisschen mehr als nur eine schöne Landschaft.“

"​​Mein Mann kommt aus Lüneburg. Wir wohnten während meines Studiums gemeinsam in Bremen und als wir aus Frankreich zurück sind, war mir klar, dass ich nicht zurück ins Ruhrgebiet möchte. Mein Mann wollte dort auch nicht hin. Ich habe mich dort nie so richtig heimisch und wohlgefühlt.“ Ihr Mann, von dem sie heute getrennt lebt, arbeitet als SAP-Berater und hatte früher ein Projekt in Bonn. „Ich war als Jugendliche auch schon zweimal in Bonn, und mein Mann schlug vor, nach Bonn zu ziehen. So bin ich hier gelandet", erzählt Lichte, die Bonn schnell lieben gelernt hat. Rückblickend sagt sie: „Es war eine perfekte Entscheidung.“

Als Lehrerin hat Lichte nie gearbeitet, kann sich heute auch nicht mehr vorstellen, dass sie einmal eine Klasse unterrichtet. Vielmehr unterrichtet sie Unternehmen – nämlich im richtigen Umgang mit Instagram: „Das hat angefangen mit dem Kunstmuseum, von dem ich den Account für ein halbes Jahr übernommen habe.“ Später gründete sie mit Trajan Tosev die Agentur ig4business, über die sie heute Unternehmen betreut. Das läuft gut, dennoch ist die Selbstständige aktuell auf der Suche nach einem Teilzeitjob im Tourismusbereich.

Entdeckungen durch die Arbeit

Zurück zu Instagram: Dass sich die Wege des Fotonetzwerks und Michèle Lichte kreuzen werden, war früh vorgezeichnet. „Mit dem Kauf meiner ersten Spiegelreflexkamera habe ich mit Kunstfotografie angefangen“, erinnert sich Lichte. Bei der Fotoakadamie Bonn machte sie dann einen zweijährigen Kurs. „Irgendwann meinte meine Freundin Annette Schwindt: 'Sag mal, warum machst du eigentlich nicht Instagram? Du fotografierst gerne und magst Social Media'“, erzählt Lichte. Der Grundstein war gelegt, mit dem Projekt Igersbonn hat sich die 44-Jährige in der Bonner Social-Media-Landschaft längst einen Namen gemacht. Darum geht es ihr aber gar nicht.

Auch beim Bloggen nicht: „Ich war schon immer jemand, der gerne Informationen teilt. Mit meiner Pension bin ich auf Probleme gestoßen, wo ich mir gedacht habe, das müssen andere wissen und habe deshalb darüber geschrieben“, sagt Lichte. Dafür brauche sie aber keine Medaille. „Über bonnentdecken.de möchte ich Geheimtipps aus Bonn vorstellen. Es müssen nicht immer nur die üblichen Hot-spots wie das Beethovenhaus oder der Münsterplatz sein“, sagt Lichte. „Ich finde einfach, dass Bonn unglaublich viel zu bieten hat. Ich kenne keinen Stadtteil, in dem ich keine schönen Ecken kenne.“ Durch das Bloggen habe sie Bonn auch selber entdeckt.

Lichte, die mit ihrem Mann zehn Jahre lang im Bonner Jazzchor und vorher im Jazzchor der Bonner Universität gesungen hat, betont aber, dass bei ihr schon immer der Schwerpunkt auf der Fotografie lag. Nicht von ungefähr kommt da, dass sie auch schon Ausstellungen ausgerichtet hat. Auch bei ihr zu Hause. Das erste große Projekt hieß Look Up und zeigt moderne Bonner Gebäude von unten nach oben fotografiert. Es soll nicht das letzte Projekt sein, ein neues ist bereits in Arbeit und soll im Herbst beim Tag der offenen Ateliers in der Südstadt präsentiert werden. „Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es geht um Toilettenfotografie“, sagt sie. Und: „Es ist nichts Ekliges.“