Gefahr für Risikopatienten

In Bonn wird der Impfstoff gegen Grippe knapp

Die Grippeschutzimpfung empfiehlt sich für Menschen, die älter als 60 Jahre sind sowie Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die bestimmte chronische Krankheiten wie Diabetes, Asthma oder Herzleiden haben.

Die Grippeschutzimpfung empfiehlt sich für Menschen, die älter als 60 Jahre sind sowie Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die bestimmte chronische Krankheiten wie Diabetes, Asthma oder Herzleiden haben.

BONN. Apotheken und Ärzten in Bonn und der Region gehen die Grippeimpfstoffe aus. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut spricht von einer "ungleichen Verteilung" innerhalb Deutschlands.

Apotheken und Ärzten in Bonn geht der Grippeimpfstoff aus. Seit rund vier Wochen haben viele von ihnen Schwierigkeiten, die am weitesten verbreiteten Mittel bei Großhändlern und Produzenten zu beziehen. Nach Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) kann es derzeit zu „regionalen Lieferengpässen“ beim Grippeimpfstoff kommen. Zwar seien viele Impfstoffe der drei großen Pharmakonzerne ausverkauft, allerdings bedeute das nicht, dass es zu wenig gebe. „Sie befinden sich im Handelskreislauf und liegen beispielsweise bei den Großhändlern“, sagt Susanne Stöcker vom PEI.

Wer in Bonner Apotheken als Privatpatient einen Grippeimpfstoff kaufen will, um ihn sich anschließend von einem Arzt spritzen zu lassen, geht derzeit meist leer aus. „Einzelpackungen zu erhalten ist fast unmöglich. Wir haben einen echten Engpass“, sagt Claus-Peter Müller, der eine Apotheke am Kaiserplatz betreibt. Schon seit vier Wochen seien sie bei ihm vergriffen. Bei Kollegen sehe es nicht besser aus. Bei Großpackungen mit zehn Impfeinheiten ist die Lage entspannter, aber dennoch angespannt. „Sie treffen wahrscheinlich im Laufe der Woche wieder ein“, hofft Müller. Diese Packungen sind allerdings für Arztpraxen gedacht. Dasselbe Bild in einer Apotheke an der Baumschulallee: „Egal, wo wir bestellen wollen, es kommt nichts nach“, erzählt eine Pharmazeutin.

Handelskette bei Grippeimpfstoffen ist undurchsichtig

Die Handelskette bei Grippeimpfstoffen ist komplex und undurchsichtig. Als Apotheker kann man bei den Produzenten – wovon es drei große und wenige kleine gibt – bestellen, oder bei regionalen Großhändlern. Ärzte beziehen ihre Impfspritzen hauptsächlich per Rezept von Apotheken und kaufen seltener auf Vorrat ein. „Wenn ich mir einen Vorrat anlege, weiß ich nicht, ob ich ihn auch verkauft bekomme“, sagt Claus Müller. Das unternehmerische Risiko, mehrere Tausend Euro Verlust zu machen, trägt er also selbst.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für die Zulassung und die staatliche Chargenfreigabe von Impfstoffen zuständig ist, überwacht auch die Versorgung. „Da haben wir derzeit eine ungleiche Verteilung“, weiß Stöcker. Ein Brennpunkt, in dem die Impfstoffe vergriffen sind, ist das Postleitzahlgebiet 5 – und damit auch das Rheinland. „Woran das liegt, können wir aktuell nicht sagen.“ Apotheken und Ärzte melden dem PEI, wenn sie keinen Impfstoff mehr bekommen. Gleichzeitig sagen die Produzenten, wie der Verkaufsstand ihrer Impfstoffe ist.

Impfstoffe aus Großbritannien

15,7 Millionen Einheiten sind für diese Grippesaison hergestellt worden, die sich in fünf verschiedene Mittel aufteilen (siehe „Drei- und Vierfachimpfstoffe). Im Vorjahr waren es 16,9 Millionen bei neun verschiedenen Impfstoffen. Die Margen sollten nach Einschätzung des PEI eigentlich ausreichen und seien derzeit auch noch nicht komplett gespritzt worden. Eine Erklärung für die regionalen Engpässe können die Vorbestellungen sein. Denn Apotheker und Ärzte melden im Idealfall vorab ihren Bedarf an, damit die Pharmakonzerne dementsprechend produzieren können, um keine Überschüsse zu haben. Fehlt die Vorbestellung, werden die Impfstoffe auch anders verteilt.

Damit sich der Engpass im Rheinland auflöst, bittet das PEI nun Händler, verstärkt die Brennpunktregionen zu beliefern. Sollte sich die Situation verschlimmern, greift der Staat ein. „Das hatten wir vor ein paar Jahren mal“, sagte Stöcker. Damals wurden Impfstoffe aus Großbritannien aufwendig importiert. Zudem bestehe die Möglichkeit, bei den Herstellern Chargen anzufordern, die für andere Länder bestimmt seien.