US-Wahl

In Bonn siegt liberales Amerika

Wahlparty im "Fiddlers": Comedian Andy Valvur aus den USA unterhält die Gäste, bevor die ersten Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen bekanntgegeben werden.

BONN. Swing-State-Charakter hatte die Nacht zu Mittwoch im "Fiddlers" und im "Bonnum" nicht. Die meisten Besucher der US-Wahlpartys in diesen beiden Gaststätten hofften auf eine zweite Amtszeit für Obama.

"Typisch für Amerikaner, die im vergleichsweise liberalen Deutschland leben", meinte Comedian Andy Valvur aus San Francisco. "Abtreibung, Homo-Ehe und Frauenrechte - das alles ist hier kein Thema mehr. Aber Obama setzt sich für diese liberalen Werte in den USA ein."

In manchen Teilen Amerikas würden die Leute nur auf das hören, was der Pastor predige, meinte Birgit Baywell auf der Wahlparty des American German Business Clubs (AGBC) im Bonnum. Weniger um gesellschaftliche Veränderung als um eine wachsende Wirtschaft und mehr Jobs ging es Romney-Sympathisanten an diesem Abend.

"Europäer verstehen die Philosophie der Republikaner nicht. Wenn die Steuern niedrig sind, ist genug Geld für weitere Investitionen da. Nur das kurbelt die Wirtschaft an und schafft Jobs", sagte Mia Nacke aus Washington.

Obwohl unter Obama die Wirtschaft geschwächelt hat, sind die meisten Gäste der Bonner Wahlpartys mit seiner Politik einverstanden. Steuern senken mache die Reichen nur noch reicher, resümiert Valvur: "Deshalb schwindet in den USA immer mehr die Mittelschicht, die doch so wichtig für eine funktionierende Gesellschaft ist. Die Reichen geben das Geld nicht zurück, sondern halten an ihm fest. Nur so wird man halt auch reich." Natürlich gäbe es Ausnahmen wie Bill Gates.

Obwohl das Vermögen in den USA ungleich verteilt ist, versuchte der Präsident des AGBC, Walter Baywell, zu erklären, warum Romney trotzdem ähnlich viele Stimmen bekam wie Obama: "Der Glaube an den American Dream hat bei den Menschen immer eine große Rolle gespielt.

Und der Staat soll sich in diesen Traum nicht einmischen." Trotzdem sei es gut, dass Obama gewonnen hat, meinte Valvur schmunzelnd: "Sonst hätten die Deutschen ein Migrationsproblem: Alle liberalen Amerikaner wären ausgewandert."