Widerrechtlich abgestellte Autos kosten wertvolle Zeit

Immer wieder behindern Falschparker Rettungskräfte in Bonn

BONN. Die Feuerwehr erreicht einen Brand in der Straße „An der Esche“ nur mit Mühe. Der Bewohner liegt derweil ohnmächtig in seinem Zimmer. Es ist nicht das erste Mal, dass die Rettungskräfte nicht durch die engen Straßen kommen.

In der Nacht zu Montag haben Falschparker in der Straße „An der Esche“ die Feuerwehr bei der Anfahrt zu einem Wohnungsbrand behindert. Der Fahrer eines Löschzugs rangierte mehrfach, bis er den Einsatzort in Castell erreichen konnte. „Für uns ist das nicht nur unheimlich ärgerlich. Es kann auch Menschenleben kosten“, sagt Feuerwehrchef Jochen Stein.

Im konkreten Fall fanden die Rettungskräfte einen Mann ohnmächtig in seiner verqualmten Wohnung vor. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, konnte im Laufe des Tages nach Auskunft der Polizei aber wieder entlassen werden. Am Montag war unklar, ob eine Rauchvergiftung durch auf dem Herd angebranntes Essen ursächlich für die Ohnmacht war oder ob die Ohnmacht zu dem Brand führte.

Es ist nicht das erste Mal, dass widerrechtlich abgestellte Autos die Rettungskräfte wertvolle Zeit kosten. Im November blockierte ein Transporter die nahe gelegene Breite Straße durch Parken in zweiter Reihe. Die Löschfahrzeuge mussten damals quälend lange hinter der aus einem Haus eilenden Falschparkerin warten, während bereits dichter Rauch über der Straße stand.

Auch hier beschrieben Anlieger Dauerprobleme durch Falschparker. „Unser Appell lautet: Nicht nur die eigenen Automaße im Hinterkopf behalten, sondern die Maße von Großfahrzeugen bedenken“, erklärt Stein. Damit die Feuerwehr überall durchkommt, sind durchgehend drei Meter Fahrbahnbreite notwendig. Am Schnittpunkt der Bordsteinachsen an Einmündungen gilt ein Parkverbot im Bereich von fünf Metern in jede Richtung.

Friedhelm Prinz, Anwohner in der Straße „An der Esche“, beobachtet seit Jahren, wie die Verkehrsprobleme in Castell zunehmen. „Der ruhende Verkehr ist ein größeres Problem als der laufende“, sagt er. Am Sonntagabend kam er aus dem Urlaub, seine Garageneinfahrt war zugeparkt. Nicht zum ersten Mal. „Die engen Straßen sind geplant worden, als hier noch nicht so viel los war“, so Prinz.

Behinderung kostet bis zu 250 Euro Bußgeld

Nicht nur in der Altstadt haben die Stadtplaner einst mit weniger Verkehr gerechnet. Laut Stein tauchten Probleme mit Falschparkern in der Südstadt, aber auch in alten Ortskernen wie beispielsweise in Muffendorf oder Graurheindorf auf. „Überall dort, wo die Straßen eng sind und der Parkdruck groß ist.“ Konkrete Zahlen dazu, wie oft Feuerwehreinsätze behindert werden, führt die Stadt nicht. Blockierende Pkw kämen aber immer wieder vor, gerne auch bei Botendiensten. Wenn die Feuerwehr keinen Ersatzweg nehmen kann, müssen die Retter warten. Manchmal kommt es laut Stadt zu Sachbeschädigungen wie abgefahrene Spiegel.

Für die Falschparker bedeutet Parken im Halteverbot mit Behinderung eines Rettungsfahrzeuges 35 Euro Bußgeld. Steht das Auto in einer gekennzeichneten Feuerwehrzufahrt kostet es 65 Euro (plus einen Punkt in der Verkehrssünderkartei). Wird für einen Rettungseinsatz abgeschleppt, kann der Pkw-Besitzer mit Kosten von 200 bis 250 Euro rechnen, zuzüglich der Fahrtkilometer zum Abschleppunternehmen. Nicht aufrechnen lässt sich die verlorene Zeit auf dem Weg zu einem Feuer.

Zurzeit arbeiten 27 Verkehrsaufseherinnen und -aufseher für die Stadt und kontrollieren. „Tendenziell ist die Zahl der Falschparker angesichts der vielen Fahrzeugzulassungen und Pendler in Bonn hoch“, erklärt Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Täglich würden Knöllchen für Falschparker geschrieben.

Neben Müllautos kommen auch die Bahnen und Busse der Stadtwerke Bus und Bahn (SWB) immer wieder wegen Falschparkern ins Stocken. SWB-Sprecher Michael Henseler spricht von „sehr ärgerlichen Behinderungen“. Zwischen Dezember 2016 und Juni 2017 habe es 87 Behinderungen gegeben, in 15 Fällen habe der Linienverkehr länger stillgestanden. Die Auswirkungen beträfen im Streckenabschnitt zwischen Hauptbahnhof und Dottendorf schnell eine Vielzahl von Fahrgästen, denn die Straßenbahnlinien 61 und 62 führen im Fünf-Minuten-Takt.

Besonders häufig behinderten Falschparker Hausdorffstraße, Bonner Talweg, Poppelsdorfer Allee, Königsstraße, Obere Wilhelmstraße und Kölnstraße. Wenn der Linienweg noch frei ist, schalten Fahrer den Stadtordnungsdienst ein. Bei Blockaden rufen sie den SWB-Funkwagen, ein Abschleppunternehmen und die Polizei.