Verleihung des Beethovenrings

Immer wieder Neuland

Preisträger beim Pariturstudium: Cellist Nicolas Altstaedt. FOTO: MARCO BORGGREVE

Preisträger beim Pariturstudium: Cellist Nicolas Altstaedt. FOTO: MARCO BORGGREVE

Bonn. Der deutsch-französische Cellist Nicolas Altstaedt nimmt am Mittwoch im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses den Beethovenring entgegen und bedankt sich mit einem Konzert.

Aus Preisen macht sich der Cellist Nicolas Altstaedt eigentlich nicht viel. Im Fall des Beethovenrings, den er am kommenden Mittwoch im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses entgegennehmen wird, ist das allerdings anders. Vor allem gefällt dem Musiker an dieser Auszeichnung, dass sie ein Publikumspreis ist. „Es ist keine politische Entscheidung, sondern es geht um die Sache“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der von dem Verein Bürger für Beethoven verliehene Beethovenring ist eine Auszeichnung, für die man sich nicht bewirbt. In jedem Jahr wird der Träger in einer vereinsinternen Abstimmung unter den fünf jüngsten Solisten des Beethovenfestes ermittelt. Prominente Musiker wie der Dirigent Gustavo Dudamel oder die Geigerinnen Julia Fischer und Lisa Batiashvili sind im Besitz eines Beethovenrings, der für jeden Träger von den Ring-Stiftern Sabine und Martin Schmid neu gefertigt wird.

Selten war man sich aber so einig wie bei dem 1982 in Heidelberg geborenen Nicolas Altstaedt, der die Bürger beim Beethovenfest 2015 mit seiner Interpretation der ersten drei Cellosonaten von Ludwig van Beethoven beeindruckte. 47 Prozent vereinte der Deutsch-Franzose auf sich, und ließ den Zweitplatzierten Herbert Schuch – Sieger des Wiener Beethoven-Klavierwettbewerb von 2005 – mit 19 Prozent der Stimmen weit hinter sich.

Altstaedt weiß, was er als Cellist an den fünf Cellosonaten von Beethoven hat. „Als Musiker ist man vor Beethoven nie gleichgültig“, findet er: „Er ist der Komponist, der dem menschliche Charakter mit allen seinen Schwächen, seinen Sehnsüchten und Utopien am nächsten ist.“ Das spüre man auch in Bonn, vor allem im Beethoven-Haus: „Es gibt Orte, die man nie mehr vergisst, nachdem man zum ersten Mal dort gewesen ist – das Concertgebouw in Amsterdam, der Musikverein in Wien, die Wigmore Hall in London – oder das Beethoven-Haus.“ 2004 ist er hier das erste Mal aufgetreten, als Student. Ursprünglich war das Konzert mit Altstaedts Lehrer Boris Pergamentschikow geplant gewesen. Der frühe Tod Pergamenschikows machte den Plan zunichte. Dessen Klavierbegleiter Alexander Lonquich hatte dann die Idee, den Abend als Hommage an den Cellisten mit dessen Studenten zu realisieren. Auch Altstaedt war darunter. „Für mich war das ein ganz großes Erlebnis“, erinnert er sich. „Es gibt eine Seele in diesem Saal.“ Der Abend markierte den Beginn einer engen Zusammenarbeit zwischen beiden Musikern. Auch den Zyklus beim Beethovenfest, den sie am 6. Oktober mit den beiden späten Sonaten für Violoncello und Klavier op. 102 vollenden, bestreiten sie gemeinsam. Zur Ring-Verleihung am nächsten Mittwoch ist Lonquich jedoch terminlich verhindert. Deshalb spielt Altstaedt solo: vier Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach sowie ein Werk von Henri Dutilleux.

Von Gidon Kremer übernahm er das Lockenhaus-Festival

Altstaedt war im vergangenen Jahr zwar einer der fünf jüngsten Solisten des Bonner Festivals, zum „musikalischen Nachwuchs“ möchte man ihn aber nicht mehr zählen. Der Cellist steht mit beiden Beinen fest im Klassikbetrieb. Er hat so viele Verpflichtungen, dass er sogar seine Professur in Köln wieder abgegeben hat. „Es ist besser, wenn sie jemand haben, der nicht so viel unterwegs ist.“

Gerade hat er eine neue CD herausgebracht. Mit Konzerten für Violoncello und Orchester von Dmitri Schostakowitsch (Nr. 1 Es-Dur op.107) und Mieczysław Weinberg (c-Moll op. 43). „Es war mein großer Wunsch, das Konzert von Schostakowitsch aufzunehmen, weil ich es seit meiner Kindheit kenne. Ich habe dann Ausschau gehalten nach einer Kombination, die es noch nicht gab, und bin dann auf Weinberg gestoßen.“ Wie sich herausgestellt hat, eine überaus spannende Kombination. Denn es gibt starke musikalische Querverweise zwischen dem 1948 komponierten Konzert von Weinberg und dem elf Jahre später entstandenen Werk von Schostakowitsch zu entdecken. Möglicherweise wird die Aufnahme mit Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung von Michał Nesterowicz (Channel Classics) dem Stück einen gebührenden Platz im Repertoire verschaffen. Weinbergs Konzert hätte es verdient, meint Altstaedt.

Der Musiker findet de Verbindung von bekannten Klassikern und weniger bekannten Werken aufregend. Seit er 2012 das burgenländische Kammermusikfestival Lockenhaus von dessen Gründer Gidon Kremer übernommen hat, versucht er, diesen Mix auch dort umzusetzen. In diesem Jahr steht das Festival unter dem Motto „Terra Nova“, das auch auf die Flüchtlingssituation anspielt, die im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet eine besondere Brisanz hat. Altstaedt will dem Angst schürenden medialen Trommelfeuer mit Kunst begegnen. „Ich finde, dass etwas, das als Krise bezeichnet wird, immer etwas Positives ist. Es setzt einen Prozess in Gang, an dessen Ende etwas Gutes entsteht. Ich möchte die Flüchtlingssituation positiv assoziieren. Es kommen viele Menschen mit einer anderen, einer reichen Kultur zu uns.“ Und die würde er gerne mit seinen Musiker-Freunden und dem Publikum entdecken.

Karten für das Konzert am Mittwoch, 25. Mai, 19 Uhr, im Beethoven-Haus u.a. in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.