Inklusionsschwimmen der Kindertagesstätte Spatzennest

Im Wasser auf Augenhöhe

Beim Unterricht im Sportpark Nord gewöhnen sich behinderte und nichtbehinderte Kinder spielerisch ans Wasser. FOTO: NICOLAS OTTERSBACH

Beim Unterricht im Sportpark Nord gewöhnen sich behinderte und nichtbehinderte Kinder spielerisch ans Wasser.

BONN. Die Kindertagesstätte Spatzennest und die Sporthochschule Köln testen inklusiven Schwimmunterricht für Kinder im Sportpark Nord.

Im Wasser bewegt sich David viel freier als an Land. Er springt vom Beckenrand, taucht nach blinkenden Ringen und tobt mit seinem Betreuer Jan Wohlfahrt. "Wenn die Kinder schwimmen, sind sie schwerelos und ihre Behinderungen fallen nicht mehr so ins Gewicht", sagte Beate Griepernau, die das Inklusionsschwimmen der Kindertagesstätte Spatzennest im Sportpark Nord leitete. David hat das Down-Syndrom und schult hier Bewegungskoordination und Körpergefühl.

Durch eine Förderung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) konnten 14 Mädchen und Jungen an dem zweiwöchigen Pilotprojekt teilnehmen. In jeder der beiden Gruppen waren jeweils drei Kinder mit Förderbedarf. "Sobald alle im Wasser sind, begegnen sie sich auf Augenhöhe", berichtet Sportwissenschaftlerin Griepernau. Im Vordergrund standen das spielerische Lernen und erste Schwimmzüge: beispielsweise durch Wassergewöhnung mit verschiedenen Hilfsmitteln, Tauchen oder auch Gleiten.

Vier Übungsleiter mit Ausbildungen bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) kümmerten sich um die Kleinen. "Erst dachten wir, das seien zu viele, aber der Betreuungsaufwand war größer als zunächst angenommen", sagte Griepernau. Die Idee zum Projekt kam ihr durch das Eltern-Kind-Schwimmen, das sie schon längere Zeit anbietet. Die Spatzennest-Leitung sprach sie darauf an und fragte, ob sie nicht ein inklusives Konzept für die Kita entwickeln könne. Der LVR sagte daraufhin eine 100-prozentige Förderung zu, das Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport der Kölner Sporthochschule begleitete es zudem wissenschaftlich.

Deshalb stand Sportstudentin Nele Krautweit während jeder Schwimmstunde am Beckenrand und notierte die Entwicklung der Kinder. "Manche waren erst ängstlich, fühlten sich dann aber richtig wohl im Wasser", sagte Griepernau. Es ging aber auch genau andersherum: So seien zwei Kinder, die sonst eher eine "große Klappe" haben, plötzlich sehr zurückhaltend gewesen.

Der kleine David fixierte sich schon nach der ersten Einheit auf den 16-jährigen Jan Wohlfahrt. "Das war so nicht geplant, aber die beiden passten zusammen", sagte Griepernau. Eltern und Übungsleitern wurden Fragebögen ausgehändigt, in denen es um das Verhalten der jungen Schwimmer ging.

"Die Bedeutung der inklusiven Schwimmförderung geht über unsere Kita hinaus", sagte Silka Adamitza. Zum einen bestehe das Problem, dass immer mehr Grundschulkinder nicht schwimmen können, weil der Schwimmunterricht weniger werde. Zum anderen könnten mehr Sportangebote Bewegungsarmut, Übergewicht und Haltungsschäden vorbeugen.