Großbaustellen in Bonn

Im Juni beginnt der Abriss der Viktoriabrücke

So ist die Viktoriabrücke geplant

So ist die Viktoriabrücke geplant

Bonn. Die Bonner können sich für die nächsten vier Jahre auf eine Großbaustelle zwischen Hauptbahnhof und Viktoriabrücke einstellen. Im Juni werden gleich zwei Bauprojekte starten: Der stufenweise Abriss und Neubau der Viktoriabrücke sowie einer neuen Rampe parallel zur Thomastraße und der Bau des großen Kreisels zwischen Altem Friedhof und Rabinstraße.

Das wird eine technische und logistische Herausforderung. Ersteres bereitet Peter Esch weniger Kopfzerbrechen. Aber die Logistik, die zum Teil stundengenaue Bauvorbereitung bei der "Ertüchtigung" der Viktoriabrücke, das ist schon eine Ansage für den Chef des Bonner Tiefbauamtes und sein Team. Die Viktoriabrücke wird ab Juni stufenweise abgerissen und neu gebaut, gleichzeitig um eine Autorampe in Richtung Hauptbahnhof erweitert - und das teilweise wenige Zentimeter über den Oberleitungen der Deutschen Bahn, über der Stadtbahn und der U-Bahn.

Mit der DB Netz AG mussten daher im Vorfeld bis zum Jahresende insgesamt 45 Sperrpausen vereinbart werden. Die erste ist vom 4. bis 8. Juli vorgesehen: Jeweils zwischen etwa 9 Uhr und 17 Uhr fahren keine Züge oder müssen umgeleitet werden. "Diese Sperrpausen haben Auswirkungen auf den Zugverkehr im gesamten deutschen Bahnnetz", so Esch. Die Sperrpausen für 2017 sind noch nicht festgelegt: "Wir wollen zwar die Bauarbeiten möglichst nahtlos aufeinander abstimmen. Wenn sich aber die Sperrzeiten der Bahn verzögern, ziehen wir die Sanierungsarbeiten an den Widerlagerwänden und Rampen vor", so Esch.

Bahnverkehr muss mehrfach gesperrt werden

Die Bonner können sich jedenfalls mindestens für die nächsten vier Jahre auf eine Großbaustelle zwischen Hauptbahnhof und Viktoriabrücke einstellen. Neben dem Projekt Viktoriabrücke mit ihrer neuen Rampe parallel zur Thomastraße steht gleichzeitig ab Juni der Bau des großen Kreisels zwischen Altem Friedhof und Rabinstraße an. Der Bau des Kreisels wird, wie berichtet, vorgezogen, damit der Baustellenverkehr vom sogenannten Nordfeld über die Rabinstraße abgewickelt werden kann. Das Areal zwischen Bonner Loch und Thomas-Mann-Straße sowie die Fläche an der Rabinstraße werden neu bebaut. Der Baustart für den Gebäudekomplex "Urban Soul" ist für 2017 vorgesehen. Bis dahin soll der Kreisel fertig sein, der Verkehr auf der Rabinstraße dann in beide Richtungen geöffnet werden.

Die Bürger werden in den nächsten Tagen zunächst die Rodungsarbeiten in direkter Nachbarschaft zur Viktoriabrücke und im Bereich des künftigen Kreisels mitbekommen. Das dann rund 1200 Quadratmeter große freigemachte Baufeld wird als Baustelleneinrichtung und Kran- sowie Vormontageflächen für Gerüste benötigt.

Die Arbeiten an der Brücke werden zwangsläufig Auswirkungen auf den Verkehr haben: Fahrbahn und Gehweg auf der zum Bahnhof gewandten östlichen Seite müssen ab Mai/Juni gesperrt werden. Dann wird eine mobile Leitwand errichtet, in deren Schutz Fahrbahnbeläge abgetragen werden, um die Stahlkonstruktion freizulegen. Fußgänger müssen daher ebenso wie Fahrradfahrer auf die Westseite wechseln. Der Autoverkehr auf der Brücke, die seit 2010 für den Schwerlastverkehr gesperrt ist, wird aber während der gesamten Bauzeit von etwa dreieinhalb Jahren in beiden Richtungen immer einspurig geführt. Nur in absoluten Ausnahmen müsse der Verkehr einseitig gesperrt werden, hieß es.

Einweihung frühestens Ende 2018

"Wenn alles gut läuft, kann bis Ende 2017 die Ostseite der Brücke erneuert sein. Daran schließt sich die Sanierung der Westseite an", so Esch. Ende 2018 könnte das neue Bauwerk eingeweiht werden.

Bislang geht Esch davon aus, dass Brückenneubau, Rampe und Kreisel zusammen rund 24,6 Millionen Euro kosten, davon übernehmen Bund und Land rund 60 Prozent. Die Brücke schlägt dabei mit etwa 13 Millionen Euro, die Rampe mit ungefähr 8,9 Millionen Euro zu Buche. In dieser Preisvorstellung ist auch die Gestaltung der Brücke mit den hellen markanten Stelen und dem "Sternbaldachin" enthalten.

Die Beleuchtung mit den LED-Leuchten ist indes noch nicht von der Bahn abgesegnet. Sie habe zwar Zustimmung signalisiert, so Esch, aber es werde noch geprüft, ob die Lichter eventuell bei den Zugführern zu Irritationen führen könnten.

Daten zur Viktoriabrücke

Die Stahlbrücke ist 94,5 Meter lang und 19,50 Meter breit und damit die viertgrößte städtische Brücke. Die Nord- (Friedrich-Ebert-) und die Süd- (Konrad-Adenauer-)brücke sind Eigentum des Landesbetriebs Straßen NRW). Hinzu kommen jeweils etwa 100 Meter sogenannte Vorlandrampen. Die Viktoriabrücke wurde 1949 gebaut und 14 Jahre später auf ihrer westlichen Seite (stadtauswärts) um 6,50 Meter verbreitert.