Schadstoffe in der Pädagogischen Hochschule

Im Hochhaus wird trotz PCB weiter geforscht

Das leer stehende Hochhaus der ehemaligen Pädagogischen Hochschule an der Römerstraße ist mit der Bau-Chemikalie PCB belastet, wird von der Universität aber noch zu Forschungszwecken genutzt.

Das leer stehende Hochhaus der ehemaligen Pädagogischen Hochschule an der Römerstraße ist mit der Bau-Chemikalie PCB belastet, wird von der Universität aber noch zu Forschungszwecken genutzt.

Bonn. Die Bezirksregierung bestätigt der Universität Bonn, den Arbeitsschutz für ihre Mitarbeiter einzuhalten. Die Schadstoffwerte im weitgehend leerstehenden Gebäude werden regelmäßig gemessen.

Die Universität Bonn kommt nach eigenen Angaben bei der Nutzung des mit PCB belasteten Hochhauses der ehemaligen Pädagogischen Hochschule durch ihre Mitarbeiter dem Arbeitsschutz nach. Im Zuge einer Besichtigung der Pädagogischen Hochschule zur Unterbringung von Flüchtlingen war bekannt geworden, dass die Universität Teile des mit PCB belasteten Hochhauses noch für Forschungsarbeit nutzt. Angaben der Bezirksregierung, verantwortlich für den Arbeitsschutz, entlasten die Universität zudem von dem Vorwurf, den Arbeitsschutz nicht einzuhalten.

Rückblick: In dem 1977 errichteten Gebäude waren 2004 PCB-Schadstoffe entdeckt worden. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) hatte vergeblich versucht, die Schadstoffe unter den vorgeschriebenen Wert von 300 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft zu senken. Den schreibt das Landesbauministerium in seiner PCB-Richtlinie vor.

Im Hochhaus sind die Werte bis zu zehnmal so hoch. Die Richtlinie des Landes schreibt zudem vor, dass die Verunreinigung der Raumluft mittelfristig beseitigt werden muss. Weil das nicht gelang, wurde das Hochhaus 2010 geräumt und steht seither weitestgehend leer, 200 Räume werden seitdem nicht genutzt.

Mitarbeiter nicht länger als vier Stunden in belasteten Arealen

Dennoch arbeiten noch Mitarbeiter der Universität in dem Gebäude. Die Uni hatte die Nutzung damit begründet, dass sich nur noch wenige Mitarbeiter zu Forschungszwecken kurzzeitig dort aufhielten. Ihre Angaben hat sie nun konkretisiert.

In den genutzten Arealen lägen die PCB-Werte zwischen 107 und 928 Nanogramm pro Kubikmeter. Sie würden stark variieren und regelmäßig durch den BLB gemessen. Keiner der Mitarbeiter halte sich länger als vier Stunden am Tag in den belasteten Arealen auf, allen von ihnen stünden zudem Büroarbeitsplätze im nicht belasteten Altbau zur Verfügung.

Ferner würden die genutzten Räume regelmäßig gelüftet. Auch würden dort Luftwäscher eingesetzt. Dehnungsfugen seien mit speziellen Sperrfolien abgeklebt worden, um die Schadstoffwerte zu senken. Die Räume würden zudem häufiger gereinigt. Schutzkleidung würden die Mitarbeiter wegen der Schadstoffe aber nicht tragen.

Ab 2008 habe die Uni betroffene Mitarbeiter zudem regelmäßig informiert. Mitarbeiter könnten sich regelmäßig vom Betriebsarzt untersuchen und durch Blutuntersuchungen die persönlichen Belastungswerte feststellen lassen. Das Angebot werde allerdings kaum wahrgenommen. Laut Angaben der Uni sind keine gesundheitlichen Folgen durch die Schadstoffbelastung bei derzeitigen oder ehemaligen Mitarbeitern oder Studenten bekannt.

Den Angaben der Bezirksregierung zufolge werden damit notwendige Maßnahmen für den Arbeitsschutz erfüllt. Demnach könne eine Beschränkung der Aufenthaltsdauer, in der Mitarbeiter den PCB-Stoffen ausgesetzt werden, eine mögliche Schutzmaßnahme sein.

Mögliche Maßnahmen seien zudem täglich feuchte Wischreinigung der Böden und Oberflächen, Aufstellen von Luftfilteranlagen und Tragen von Schutzkleidung. Zugleich müsse der Arbeitgeber versuchen, den Sanierungsleitwert von 300 Nanogramm pro Kubikmeter anzustreben. Dies sei letztlich nur durch entsprechende Sanierungsarbeiten seitens des Gebäudeeigners möglich.

Ob das Areal für Flüchtlinge genutzt werden kann, ist unklar

Dazu, ob das Hochhaus nun auch für Flüchtlinge genutzt werden kann, macht die Stadt bislang noch keine Angaben. Sie sei im Gespräch mit Gutachtern, ob es eine Lösung zur Luftreinigung in den Räumen geben könnte. Auch, ob und wann die benachbarte ehemalige Mensa am Römer-Castell genutzt werden kann, ist unklar. Dafür warte die Stadt auf eine Aussage des BLB. Der wiederum teilte mit, dass noch geprüft werde, inwieweit eine Nutzung der Mensa möglich sei, weil in der zweiten Jahreshälfte aus Sicherheitsgründen die Etagenbalkone des Hochhauses abgebaut würden. Das Gelände um das Hochhaus herum müsse dazu weiträumig abgesperrt werden.