Graffiti-Aktion in der Innenstadt

Illusion vom blauen Himmel am Bonner Loch

Bonn. Graffiti-Künstler haben an diesem Wochenende das Bonner Loch mit Graffiti besprüht.

Wer sich unter dem blauen Sommerhimmel nach Wolken sehnt, sollte etwas Zeit auf dem Platz vorm Hauptbahnhof verbringen. Dort findet man seit dem Wochenende einen weiß-blauen Wolkenhimmel – allerdings auf dem Boden. Elf junge Künstler haben im „Bonner Loch“ Boden und Wände umgestaltet. Die Kunstwerke sollen bis zum Abriss des Platzes erhalten bleiben.

Den Titel „Bonner Luftloch“ trägt die Kunstaktion wegen des großflächigen, zentralen Kunstwerks: Ein Teil des Bodens ist mit einem dreidimensional wirkenden Bild bedeckt. „Wir sprühen hier ein großes Loch auf den Boden“, erklärte Elmo van der Poel, einer der Künstler, „und am Ende soll es von einem bestimmten Punkt so aussehen, als würde hier der Boden aufreißen und dahinter der Himmel aufscheinen.“ Den richtigen Blick auf das „Luftloch“ hat man vom oberen Ende der Treppe an der Südseite.

Passanten bleiben neugierig stehen

„Zwischen zehn und elf von uns malen, aber es sind auch ganz viele Freunde hier, die helfen“, sagte van der Poel. „Zwei filmen unsere Arbeit, andere haben Essen mitgebracht, und wir haben sogar einen DJ da.“ Einige Helfer waren aus der Schweiz und aus Trier angereist. Die Idee fürs Kunstwerk hatte eine Kommilitonin, mit der van der Poel an der Alanus Hochschule studiert. „Viele Menschen haben Assoziationen zum Bonner Loch – und zwar nicht gerade die besten“, so der 21-Jährige. „Eigentlich ist es kein Ort, an dem man sich länger aufhalten will. Und trotzdem ist er für viele der erste Eindruck von Bonn.“

Die Absicht der Maler sei es, mit diesem Eindruck zu brechen. „Ich finde es Wahnsinn, wie anders die Stimmung hier ist, seit wir malen.“ Viele Fußgänger blieben am Wochenende stehen, um den Künstlern mit den Sprühdosen zuzusehen. Schon am Freitag hatten sie mit der Arbeit begonnen. „Die meisten haben bisher positiv reagiert“, sagte van der Poel. „Aber ein paar gibt es natürlich auch, die können sich damit gar nicht anfreunden.“

Dabei hatten es die jungen Leute gar nicht einfach, die Idee überhaupt umsetzen zu können: „Wir haben viele Touren durchs Stadthaus gemacht und viele Büros gesehen, aber letztlich doch den richtigen Ansprechpartner gefunden.“ Mit der Genehmigung hatten sie die erste Hürde genommen, „aber dann mussten wir sehen, wie wir es finanzieren. Wir arbeiten alle unentgeltlich, nur die Farbe ist natürlich nicht kostenlos.“ Dabei unterstützten schließlich drei Sponsoren die Künstler. Die Malereien auf Boden und Wänden sollen bleiben, bis der Platz abgerissen wird. „Ich hoffe“, sagte van der Poel, „das dauert noch ein bisschen.“