Tödliche Gefahr für Tiere

Igel in Bonn vermehrt Opfer von Mährobotern

Dieser Igel erlitt schwere Verletzungen am Kopf.

Dieser Igel erlitt schwere Verletzungen am Kopf.

Bonn. Ein Roboter, der einen unaufhörlich zu verfolgen scheint und scharfe Klingen, die alles kürzen, was sich ihnen in den Weg stellt. Was nach einem Drehbuch für einen Horrorfilm klingt, wurde binnen kürzester Zeit für zwei Igel in Bonn blutiger Ernst. Für einen endete es tödlich.

Tiefe Schnittwunden und blutige, teils entstellte Gesichter: Wenn Igel Opfer voll automatischer Rasenmäher werden, kommt in der Regel jede Hilfe zu spät. So auch in den vergangenen Tagen beim Bonner Tierarzt Ansgar Waldmann. Passanten brachten binnen weniger Tage zwei Igel mit schlimmsten Verletzungen in seine Praxis. "Für das erste Tier konnten wir nichts mehr tun und mussten es einschläfern", berichtet Waldmann. Der zweite Igel sei im letzten Moment gerettet worden. "Die Behandlung von Wildtieren ist schwieriger als die Arbeit an Hunden oder Katzen. Igel beispielsweise sind den Kontakt mit Menschen nicht gewohnt und empfinden dadurch mehr Stress", erklärt Waldmann.

Beide Tiere, die in seine Praxis gebracht wurden, seien Opfer von "Mährobotern" - also Gartengeräten, die vollautomatisch die Grasflächen im heimischen Garten kürzen. Mithilfe von Koordinaten steuern die Maschinen selbstständig über das Grün. Angst vor Hindernissen hat das Gerät nicht. Daher warnen viele Hersteller auf ihren Internetseiten davor, das Gerät unbeaufsichtigt arbeiten zu lassen. Eine Sprecherin des schwedischen Herstellers "Husqvarna" rät, beim Mähroboter-Kauf ein Augenmerk auf die Sicherheit zu legen. So arbeiteten verschiedene Anbieter zum Beispiel mit unterschiedlichen Mähsystemen. Bei einem Test der Zeitschrift Chip habe der "Husqvarna" Roboter ein auf dem Rasen liegendes Hindernis nicht überfahren, sondern davor gestoppt.

 

Doch das ist nicht immer der Fall: Die Stiftung Warentest ließ im vergangenen Jahr zwei Modelle durchfallen, da diese einen simulierten Kinderfuß nicht erkannt hätten. Nachgestellte Arme, die am Boden lagen, seien grundsätzlich nicht erkannt worden. Eingerollte Igel hätten daher kaum eine Chance zu überleben. "Leider haben Igel den Reflex, sich bei drohender Gefahr einzurollen. Daher sind sie für die Geräte kein besonderes Hindernis", erklärt Ralf Unna, Vizepräsident beim Landestierschutzbund Nordrhein-Westfalen.

 

Von einem Massenphänomen will Unna aber nicht sprechen. Es sei eher ein immer wieder auftretendes Problem, das wegen einer unbedachten Handhabung der Hausbesitzer auftritt. "Ich kenne Fälle, wo der Mähroboter in der Nacht die Arbeit macht. Genau in dieser Zeit sind die Igel aktiv und keiner hat die Wiese im Blick. Dann passieren schnell diese Unfälle", so Unna weiter.

Probleme mit den Ordnungsamt bekommen Hausbesitzer beim nächtlichen Einsatz der Geräte aber nicht. "Mähroboter fallen in keinen zeitliche Begrenzung und können daher rund um die Uhr eingesetzt werden, solange keine Störung der Nachtruhe auftritt", sagt das Ordnungsamt der Stadt Bonn.

Um bei ihren nächtlichen Ausflügen geschützt zu sein, müssen die Igel daher auf die Vernunft der Gartenbesitzer hoffen. Ansonsten bleiben die scharfen Klingen der automatischen Maschinen eine besonders blutige und meist tödliche Gefahr für die Kleintiere. Ein aktueller Facebook-Post von Waldmann wurde weit über 12.000-mal geteilt. Die Botschaft am Ende ist eindeutig: "Lasst die Roboter in der Nacht aus."