Kritik an Hendricks Umzugsplänen hält an

IHK fürchtet Kahlschlag in der Region

BONN. Die von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) neu entfachte Diskussion um einen Komplettumzug der Bundesministerien von Bonn nach Berlin sorgt weiter für heftige Reaktionen in Bonn und der Region.

Wolfgang Grießl, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg, kritisierte Hendricks und warnte vor einem "wirtschaftlichen Kahlschlag" in der Region. "Es ist doch sehr befremdlich, wenn über die Medien - wie jetzt geschehen - Fakten geschaffen werden sollten, statt mit den Beteiligten direkt zu reden", sagte er.

Ein Komplettumzug gefährde bis zu 30 000 Arbeitsplätze in der Region, befürchtet Grießl. Die regionale Wirtschaft habe sich immer für die Einhaltung des Berlin/Bonn-Gesetzes und damit auch für die dauerhafte faire Aufgabenteilung zwischen der Stadt Bonn und Berlin ausgesprochen. "Wir müssen endlich das Heft des Handelns selbst in die Hände nehmen, sonst wird die Region als Zuschauer keinen Einfluss auf die Entscheidungsfindung in Berlin nehmen können. Der schleichende Abwanderungsprozess wird weitergehen", sagte der IHK-Präsident.

Thomas de Maizière plädiert seit Langem für Komplettumzug

Auch der Bürger Bund Bonn (BBB) meldete sich gestern zu Wort. In einer Presserklärung forderte er Bundeskanzlerin Merkel auf, ihre Umzugsbeauftragte Barbara Hendricks an die Einhaltung des nach wie vor geltenden Berlin/Bonn-Gesetzes zu erinnern. "Die Bundeskanzlerin selbst hatte vor der Kommunalwahl 2014 auf dem Marktplatz öffentlich Bonn die Zusicherung gegeben, dass das Gesetz weiter gilt", sagte BBB-Fraktionsvorsitzender Bernhard Wimmer. In jeder anderen Stadt in der Bundesrepublik gäbe es zurecht einen Aufstand, wenn der Verlust von 6 854 hoch qualifizierten und gut bezahlten Arbeitsplätzen diskutiert würde, so Wimmer.

Während sich Hendricks gestern im GA-Interview eher vage zu einem Komplettumzug geäußert hatte, las sich das in einem Bericht der Berliner Morgenpost eindeutiger: Über 20 Jahre nach dem Berlin/Bonn-Gesetz wolle die Bundesregierung den Umzug an die Spree vollenden, hieß es dort gestern. Darauf hätten sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Bauministerin Barbara Hendricks (SPD) geeinigt. "Ich werde sie bei dem von ihr angekündigten Prozess unterstützen", wird de Maizière in der Berliner Morgenpost zitiert. Der aus Bonn stammende Minister plädiert bereits seit Langem für einen Komplettumzug . lis/val