Rhein-Sieg-Kreis und Bonn

IHK-Studie fordert stärkere und verbindlichere Zusammenarbeit der Kommunen

Was der Rhein trennt, verbinden Brücken. Brücken schlagen sollen Politik und Verwaltung aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis nicht nur, aber auch beim Thema Verkehr in der Region, rät ein Gutachter. FOTO: VOLKER LANNERT

Was der Rhein trennt, verbinden Brücken. Brücken schlagen sollen Politik und Verwaltung aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis nicht nur, aber auch beim Thema Verkehr in der Region, rät ein Gutachter.

Bonn. Die Flächen zwischen Sieg und Rhein sind heute so dicht besiedelt, dass die Grenzen der Kommunen längst fließend geworden sind. Bonn und die Region sind über die Jahre zusammengewachsen - jedenfalls optisch. In anderen Bereichen sieht die IHK Handlungsbedarf.

Doch im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Alltag der Kommunen macht sich das kaum bemerkbar, kritisiert die Industrie und Handelskammer (IHK). Da kochen Bonn und die Kommunen der Region überwiegend noch ihr eigenes Süppchen, sind IHK-Präsident Wolfgang Grießl und sein Vize Stefan Hagen überzeugt. Sie stellten am Dienstag ein Gutachten zur besseren Kooperation zwischen der Bundesstadt und der Region vor.

Der Aachener Universitäts-Professor Dirk Vallée hat die Studie im Auftrag der IHK erstellt und dabei die Chancen und Optionen einer "vertieften Kooperation" zwischen Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und den Kommunen der Region ausgelotet. Dass der Diplom-Ingenieur, der unter anderem auch die Entwicklung der Städteregion Aachen eng begleitet hat, zu dem Ergebnis kommt, eine gemeinsame Regionalentwicklungspolitik stärke den Standort der Region Bonn, verwundert nicht.

Schließlich haben andere Experten schon lange vor ihm immer wieder auf die Synergieeffekte und Einsparmöglichkeiten einer stärkeren interkommunalen Kooperation hingewiesen. Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler etwa kämpft schon lange für eine grenzüberschreitende Politik bei der Gewerbeflächenansiedlung und beim Wohnungsbau, wie es zum Teil ja auch schon praktiziert wird.

Doch für Grießl läuft dieser Prozess zurzeit zu ungeplant. "Es fehlt der Kümmerer", sagte er. Erstes Ziel der Kooperation müsse sein, sich auf Inhalte festzulegen. Das Nachdenken über gemeinsame Strukturen und Organisationseinheiten könne erst in einem nächsten Schritt erfolgen. Ein Herzensanliegen ist ihm eine stärkere Zusammenarbeit beim Verkehr, aber auch auf dem Gebiet der Kultur und Bildung sowie die gemeinsame Planung und Gewinnung von Gewerbeflächen. Das gelte ganz besonders für die Bundesstadt und ihre angrenzenden Kommunen.

Zusammenarbeit verbessern und  Standortwettbewerb besser positionieren

Vallée bestätigt in seiner Studie "bestehende ausgeprägte Kooperationsansätze" in der Region Bonn/Rhein/Sieg, die gute Voraussetzungen böten, in Zukunft durch eine "nachhaltige, systematische und verbindliche" Zusammenarbeit die Region besser darzustellen und im Standortwettbewerb zu positionieren. "Wir müssen größer in Regionen und nicht mehr in Städten denken", lautet sein Credo. Seine Vision: Die Region Bonn/Rhein-Sieg entwickelt sich gemeinsam zu einem Premium-Standort in der Metropolregion Rheinland.

Ja, noch ist das alles Zukunftsmusik, geben sich die IHK-Vertreter realistisch. Sie schlagen deshalb vor, alsbald eine Regionalkonferenz mit Vertretern aller Kommunen und von Verbänden einzuberufen, auf der die 30 000 Euro teure Studie Grundlage der Diskussion sein soll.

Ob das Papier am Ende nicht doch wieder in der Schublade verschwinden wird, hängt davon ab, wie die Spitzen von Bonn und der Region die Studie bewerten. Erste Stellungnahmen von Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Landrat Sebastian Schuster (beide CDU) klingen da eher verhalten. "Die regionale Zusammenarbeit liegt mir sehr am Herzen, und ich habe ja bereits begonnen, Gespräche mit dem Landrat und den Bürgermeistern zu führen, um sie zu intensivieren", sagte Sridharan. Und der Landrat erklärte: "Der Rhein-Sieg-Kreis, seine Städte und Gemeinden und die Bundesstadt Bonn arbeiten bereits jetzt bei einer Vielzahl von Themen konstruktiv zusammen".

Der FDP-Landtagsabgeordnete und Bonner Ratsherr Joachim Stamp lobte die Studie am Dienstag ausdrücklich. Er selbst wirbt schon lange für einen engeren Zusammenschluss Bonns und der Region. "Jetzt zeigt sich, dass mein Vorschlag kein naives Hirngespinst war", sagte er.

Der Gutachter