Beethoven Festspielhaus

IHK-Studie: Festspielhaus fördert Wirtschaft

Die Fotomontage zeigt, wie das Festspielhaus nach dem Entwurf "Diamant" in der Rheinaue aussehen könnte.

06.04.2012 BONN. Der Bau eines Beethoven Festspielhauses in Bonn würde die regionale Wirtschaft fördern. Das ist das Ergebnis einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. Damit unterstrich die Kammer am Freitag in Bonn ihren Einsatz für einen Neubau am Standort Rheinaue.

Die Chancen für das nach Absagen mehrerer wichtiger Sponsoren 2010 ins Wanken geratene Großprojekt sollen nach einem Beschluss des Bonner Stadtrats bis zum 30. Juni dieses Jahres neu geklärt werden. IHK-Präsident Wolfgang Grießl gehört mit einer Spendensammlung, die 5000 mal 5000 Euro einwerben soll, zu den prominenten Unterstützern.

Die Kammer hat in ihrer Studie Prognosen für die wirtschaftlichen Effekte der Veranstaltungen getroffen, die über das bisherige Programm von Beethoven Orchester und Beethovenfest hinausgehen. Das Ergebnis: Jedes Jahr würden rund 136.000 Besucher und 6000 Künstler in Bonn insgesamt 9,8 Millionen Euro ausgeben. Dazu erwartet die IHK jährlich 4,7 Millionen Euro Einkommenseffekte.

"Die Ausgaben der Besucher und Künstler garantieren Kellnern und Hotelbesitzern Einkommen und den Hotellieferanten Aufträge", erläuterte der Autor der Studie, Fabian Göttlich. Dazu addiert die IHK 3,7 Millionen Euro für ein "Werbeäquivalent aus Berichterstattung".

Gemeint ist: Medienberichte über Konzerte in einem Festspielhaus würden Imagewerbung der Stadt in diesem Kostenrahmen ersetzen. Zuletzt summiert IHK-Mitarbeiter Göttlich zu den wirtschaftlichen Effekten eines Konzerthauses 285 000 Euro Mehreinnahmen der Stadt, vor allem aus Steuern.

Dem gegenüber stellt die Studie allerdings Kosten der Stadt, die nach den aktuellen Plänen einer Betreibergesellschaft des Hauses jedes Jahr rund drei Millionen Euro zuschießen müsste. "Die Lücke bei der Betreibergesellschaft kann durch steuerliche Mehreinnahmen nicht gedeckt werden", so Studien-Autor Göttlich.

Zu den Baukosten von offiziell 75 Millionen Euro, die der Planung zufolge ohne städtische Beteiligung aufgebracht werden sollen, äußert sich die IHK-Studie nicht. Die aktuellen Informationen seien "nicht ausreichend, um regionalwirtschaftliche Effekte durch den Bau des Festspielhauses seriös abschätzen zu können", heißt es lediglich.

Auch ihre anderen Prognosen betrachtet die Kammer unter Vorbehalt: "Unsere Ergebnisse sind als ungefähre Größenordnungen zu verstehen", sagte Göttlich. Grundannahmen wie Zahl der Besucher oder Veranstaltungen könnten variieren. Größeren Fokus legt die IHK auf "immaterielle Effekte".

Der Neubau werte Bonn als Touristenziel auf und mache die Stadt als Wohnort attraktiver. So könnten Konzerne wie Post und Telekom besser Mitarbeiter gewinnen, heißt es in der Studie. Auch hilft ein Beethoven-Konzerthaus nach Einschätzung der IHK, die Deutsche Post AG stärker an ihren Standort zu binden.

"Auch wenn es gegenwärtig unwahrscheinlich erscheint, dass der Unternehmenssitz verlagert wird, kann dies für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden", heißt es in der IHK-Studie. Dagegen könne ein Festspielhaus "einen wichtigen Beitrag leisten". (Delphine Sachsenröder)