Bonner Festspielhaus

IHK-Präsident will mehr Zeit

Das Festspielhaus könnte in der Rheinaue stehen.

20.04.2012 BONN. Wolfgang Grießl hat dem Bonner Rat mangelndes Engagement für ein mögliches Beethoven-Festspielhaus vorgeworfen. Er vermisse medienwirksame Bekenntnisse der Politiker, kritisierte er am Freitag im Festspielhaus-Beirat. Grießl, der mit Gleichgesinnten 25 Millionen Euro sammeln will, forderte, die Grundsatzentscheidung im Rat zu verschieben. Dieser will am 30. Juni endgültig beschließen.

Rund zwei Monate vor der entscheidenden Ratssitzung zum Festspielhaus-Projekt sind die zwei wichtigsten Knackpunkte ungeklärt. Bis zum 30. Juni, so der Ratsbeschluss im November, soll die Stadtverwaltung verbindlich klären, wie Errichtung und Betrieb des geplanten Neubaus in der Rheinaue gesichert werden könnten. An diesem Tag soll endgültig über das bis zu 100 Millionen Euro teure Projekt entschieden werden.

Finanzierbar ist das ohne öffentliche Gelder zu bauende Festspielhaus nur, wenn neben der Post weitere Groß-Sponsoren einsteigen. Mit dem Konzern habe die Stadt ein "Fundraising-Konzept" entwickelt, berichtete Kulturdezernent Martin Schumacher gestern Abend im Festspielhaus-Beirat. Zum Stand der Gespräche könne er jedoch nichts sagen, um den Verhandlungserfolg nicht zu gefährden. Er sei "optimistisch".

Die Telekom sei weiter bereit, das Programm in einem Festspielhaus finanziell zu unterstützen. Zu den Betriebskosten konnte Schumacher noch nichts Genaues sagen: Die sollen zwar von einer Betreiberstiftung getragen werden, in die unter anderem der Bund 39 Millionen Euro stecken würde. Es bleibt nach älteren Kalkulationen aber eine jährliche Lücke von rund drei Millionen Euro. Die hofft die Stadtverwaltung ebenfalls mit Sponsoren zu schließen.

IHK-Präsident Wolfgang Grießl mahnte die Ratspolitiker im Beirat, die Grundsatzentscheidung aufzuschieben - und das Projekt nicht am 30. Juni zu beerdigen. "Was heißt denn der Auftrag an die Verwaltung, die Finanzierung bis dahin verbindlich zu klären?", fragte der glühende Festspielhaus-Fan. "Notariell beglaubigt? Das wird kaum möglich sein. Oder reicht es, wenn der Rat überzeugt wird, dass es funktionieren kann?"

Die Aktivisten um Grießl haben nach seinen Angaben bisher Sponsoren-Zusagen von 2,1 Millionen Euro. Bis Ende Juni hält er fünf Millionen für realistisch. Außerdem hätten Unternehmen aus der Region jährlich 1,5 Millionen Euro für die Betriebskosten in den ersten fünf Jahren zugesagt. Grießl warf den Ratsfraktionen mangelndes Engagement in der Öffentlichkeit vor: "Wenn Sie endlich klar sagen, wir wollen das, wird die Suche nach Sponsoren leichter!"

Die Politiker wiesen das zurück. Im November habe sich der Rat eindeutig für das Projekt ausgesprochen, sagte CDU-Fraktionschef Klaus Peter Gilles. "Wir müssen aber auch die Gesamtverantwortung für den Bonner Haushalt wahrnehmen." Tom Schmidt (Grüne) beharrte darauf, bis zum 30. Juni müsse die Finanzierung geklärt sein. Mit der Entscheidung notfalls bis 2014 zu warten, wie es Grießl forderte, lehnte der Grüne ab: "Wir brauchen mehr Vorlauf, wenn wir Beethovens Geburtstag 2020 angemessen feiern wollen." Das sei auch ohne neues Festspielhaus möglich.

Die Grießl-Initiative im Internet: www.5000.ag (Andreas Baumann)