Teil 2 der GA-Serie: Das WCCB vor der Eröffnung

Hotelbaustelle läuft auf Hochtouren

BONN. 336 Zimmer, ein Spa-Bereich mit Römertherme und ein Restaurant mit Traumblick: Der neue Hoteleigentümer Jörg Haas will mit dem 4-Sterne-Haus im April 2016 an den Start gehen. Doch bis dahin ist noch viel zu tun.

Während im Kongresssaal des World Conference Center Bonn die Handwerker in den Endspurt gehen, ist das benachbarte WCCB-Hotel noch reine Baustelle. Obgleich sich auch dort seit dem Eigentümerwechsel im vorigen Jahr einiges getan hat. Die gut 30 Meter lange Zufahrtsrampe für die Lieferfahrzeuge in das Untergeschoss des Hotels wird mit Hochdruck fertiggestellt. Denn Eigentümer Jörg Haas (Kameha/BonnVisio) will mit Blick auf die feierliche Eröffnung des WCCB am 7. Juni - im Rahmen der großen UN-Tagung zur Vorbereitung der Klimakonferenz - den rund 5000 Tagungsteilnehmern und Festakt-Gästen von außen den Anblick einer Großbaustelle ersparen.

Wenn man Jörg Haas an die Hürden erinnert, die er bis zur Baugenehmigung seines Kameha-Hotels im Bonner Bogen auf der rechten Rheinseite überwinden musste, verdreht er die Augen. Die Stadt hatte sich damals mit seinen Plänen schwer getan. Sie fürchtete zu große Konkurrenz für das geplante WCCB-Hotel. Deshalb hatte sie dem Hamburger Projektentwickler Wolfgang Bohn 2002 ein ähnliches Projekt an gleicher Stelle noch verweigert. Heute ist Haas Besitzer von beiden Häusern. Das WCCB-Hotel hat er der Stadt Bonn für rund 17 Millionen Euro abgekauft. Betrieben wird das Hotel mit einem gehobenen 4-Sterne-Standard von der Hotelkette Marriott. Die Eröffnung ist voraussichtlich im April 2016. Etwa 63 bis 64 Millionen wird er nach eigenen Angaben in das Hotel stecken, das ursprünglich zusammen mit dem WCCB "nur" rund 100 Millionen Euro kosten sollte.

Erworben hat Haas das Hotel quasi als Rohbau, der wie nebenan der neue Konferenzsaal nach dem Zusammenbruch des Prestigeprojekts der Stadt Bonn mit Insolvenzen, Ermittlungen und Verhaftungen unter anderem des einstigen WCCB-Investors Man-Ki Kim seit dem Baustopp Ende 2009 brach lag. Fünf Winter haben Spuren hinterlassen. Sichtbar werden die Schäden vor allem im Eingangsbereich an der Fassade aus Stahl und Glas. "Die Scheiben müssen wir komplett austauschen", erklärt BonnVisio-Geschäftsführer Ludwig Frede, als er, Haas und Hotel-Projektleiterin Claudia Tewes den General-Anzeiger über die Baustelle führen. Wind und Wetter haben den Scheiben derart zugesetzt, dass noch nicht einmal eine gründliche Reinigung helfen würde.

[kein Linktext vorhanden]Vieles im Haus musste komplett umgeplant werden. "Als wir uns das erste Mal im Untergeschoss umgeschaut haben, dachte ich nur, das kann doch nicht sein", sagt Haas. Der gesamte Logistik-Bereich soll dort untergebracht werden: Die Kühl-, Lager- und Personalräume sowie eine Mitarbeiterkantine. "Das alles sollte in räumlicher Verbindung mit dem WCCB funktionieren, das hätte im Leben nicht gepasst", sagt Haas und fast meint man, er schüttele noch heute den Kopf über eine Planung, die im Chaos geendet wäre. "Es war zum Beispiel nur ein Flur angelegt, durch den alle Mitarbeiter hätten gehen müssen", sagt er.

"Das waren keine Profis, die das hier gemacht haben" - solche Sätze fallen bei dem Rundgang noch öfter. Etwa in der bis zu 1400 Quadratmeter großen Spa-Anlage mit Schwimmbad, einer großen Saunalandschaft und Fitness und Therapieräumen, die Haas an einen externen Betreiber verpachten will. Einen Interessenten gibt es schon, verrät er. Den Namen will er erst preisgeben, wenn der Vertrag unter Dach und Fach ist. Nur soviel: "Es ist ein Bonner". Prunkstück der Spa- und Wellnessanlage, die ebenfalls im Untergeschoss angelegt ist und für jedermann geöffnet haben soll, ist die römische Therme, die beim Erdaushub für das WCCB freigelegt wurde. Sie soll für Spa-Gäste zum Teil frei zugänglich sein, ein weiterer Teil kommt hinter Glas.

Im Erdgeschoss befinden sich die Hotelküche nebst Frühstücksbereich und Restaurant sowie einem Varieté-Theater. Zudem gibt es einen Hotelshop. Die 336 Zimmer und die Hotelflure werden in hellen Naturtönen gestaltet. Jede Etage soll, dem historischen Ort entsprechend, den Namen eines prominenten Politikers der Bonner Republik tragen. Mit Blick auf die erwartete große Zahl an Gästen aus Asien haben viele Zimmer trennbare Betten und die Bäder Badewannen, "weil das von dieser Klientel oft so gewünscht wird", erklärt Hotelexpertin Tewes.

Im ersten Obergeschoss ist eine Lounge mit Bar und Außenterrasse geplant; dort befinden sich auch vier kleinere Tagungsräume für maximal bis zu 30 Teilnehmer. "Damit machen wir dem WCCB keine Konkurrenz", erklärt Haas, "aber Sie müssen in einem Hotel auch solche Räume vorhalten".

Mit einem der fünf Aufzüge - bei allen mussten die Tragseile erneuert werden - geht es hinauf in die 17. Etage in das Restaurant mit Showküche, Bar und Gesellschaftsräumen. Dem Besucher öffnet sich ein traumhafter Blick über den Rhein und das Siebengebirge. Die bisher großzügig geplante Terrasse wird zurückgebaut und in das Restaurant einbezogen. Dort oben geht nämlich ständig ein so starker Wind, dass die Terrassenplätze wohl nur selten genutzt werden können.