Mit ungeheurem Lebensmut

Hospizdienst in Bonn informiert über seine Arbeit

Caroline (9) nimmt am Kinderhospiztag die Gelegenheit wahr, sich im Untergeschoss der Thalia-Buchhandlung schminken zu lassen.

Caroline (9) nimmt am Kinderhospiztag die Gelegenheit wahr, sich im Untergeschoss der Thalia-Buchhandlung schminken zu lassen.

Bonn. Der Kinder- und Jugendhospizdienst hat im Bücherkaufhaus für seine Arbeit geworben. Die ehrenamtlichen Helfer unterstützen die betroffenen Familien in allen Lebensbereichen.

Mehr als 50 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland haben eine Erkrankung, an der sie viel zu früh sterben werden. Viele Familien kommen in so einer Situation an ihre Grenzen, drohen zu zerbrechen – und sind froh, wenn jemand da ist, der ihnen beisteht, Freiräume schafft und als Ansprechpartner außerhalb der normalen Strukturen fungieren kann. Genau dafür sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Deutschen Kinderhospizvereins da. Am Samstag, dem Tag der Kinderhospizarbeit, hat die Bonner Niederlassung ihre Arbeit in der Thalia-Buchhandlung am Markt vorgestellt und versucht, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen.

Allzu groß war das Interesse allerdings nicht. „Es ist einfach ein unglücklicher Tag, mitten im Karneval“, gestand Carola Maßmann ein, die zusammen mit ihrer Kollegin Uta Schölzhorn-Lichenthäler am Infostand im Erdgeschoss wartete. Für einen Samstag war es ruhig im Laden, und jene, die doch nach einem Buch suchten, gingen in der Regel schnell vorbei, mitunter gar nicht registrierend, worum es eigentlich ging. Nämlich um eine Berufung.

„In der Regel gehen wir einmal in der Woche zu betroffenen Familien und unterstützen sie in allen möglichen Bereichen“, erklärte Schölzhorn-Lichenthäler. „Wir kümmern uns um das kranke Kind, damit die Eltern etwas Zeit für sich haben, oder um die Geschwister, die in so einer Situation oft zu kurz kommen. Das kann unglaublich intensiv werden, vor allem wenn man Betroffene über Jahre hinweg begleitet.“ Im vergangenen Jahr sei zum Beispiel ein Kind gestorben, das sie sieben Jahre lang betreut habe, berichtete die Helferin. Jetzt treffe sie sich noch regelmäßig mit der Mutter: „Weil ich in gewisser Weise Teil der Familie bin.“

Treffen kann es jeden. „Die Jüngsten sind noch Babys, die Ältesten 19 Jahre alt“, sagte Maßmann. „Auch die Krankheitsbilder unterscheiden sich immens: Einige habe schwere Behinderungen, anderen sieht man ihr Leiden nicht an. Krebs-, Herz- oder Stoffwechselerkrankungen gehören dazu, ebenso wie viele kaum erforschte Krankheiten, weil sie einfach zu selten sind. Wenn die Pharmaindustrie keinen Markt sieht, investiert sie eben auch nicht.“

Doch wie schafft man es, so eine Arbeit zu machen, ohne selber daran zu zerbrechen? „Oh, es ist ja nicht alles nur eine Last“, betonte Schölzhorn-Lichtenthäler. „Wir bekommen unglaublich viel zurück. Häufig haben die Kinder einen ungeheuren Lebensmut und eine Lebenslust – das trägt einen. Ich glaube, für Außenstehende ist der Gedanke schwieriger zu ertragen als für uns, die wir in diesem System leben.“

Genau das sollte bei aller Aufklärung im Thalia auch vermittelt werden. Eine engagierte Familie mit einer betroffenen Tochter spielte kleine Konzerte auf der Empore, im Untergeschoss werden derweil Kinderschminken und Vorlese-Runden angeboten. Wie oben auch hielt sich der Andrang in Grenzen – aber der eine oder andere bekam doch mit, was für eine immense Leistung hier ehrenamtlich erbracht wird.

Kontakt zum Verein: Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst Bonn, Reuterstraße 161,02 28 92 39 90 90Internet: www.akhd-bonn.de