Probelauf der Feuerwehr

Hochwasserschutz für den Klimagipfel in Bonn

Beim Probelauf am Dienstag füllte die Bonner Feuerwehr die Schläuche mit Luft.

Beim Probelauf am Dienstag füllte die Bonner Feuerwehr die Schläuche mit Luft.

Bonn. Ein mobiles Schutzsystem soll dafür sorgen, dass beim COP 23 keiner nasse Füße bekommt. Am Dienstag wurde das System in Bonn getestet.

Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf Hochwasser in Europa – immer wieder kommen Wissenschaftler zu diesem Ergebnis. Auch wenn sich vom 6. bis 17. November rund 25.000 Menschen in Bonn treffen, um beim Weltklimagipfel COP 23 über die Auswirkungen der Klimaveränderung zu sprechen, könnte Hochwasser ein Thema sein – und zwar ein ganz konkretes: Falls der Rhein in dieser Zeit über die Ufer tritt, soll das Gelände in der Rheinaue durch ein mobiles Schutzsystem gesichert werden. Wie das funktioniert, haben die Bonner Feuerwehr, das Bundesumweltministerium und eine Eventagentur am Dienstag bei einem Probelauf gezeigt.

Mit Wasser gefüllte Schläuche gegen Hochwasser

Das System heißt „Floodtubes“ und besteht aus roten Schläuchen aus Polyestergewebe, die im Fall eines Hochwassers mit Wasser gefüllt werden. Sie werden übereinander gestapelt, sodass ein 1,60 Meter hoher Schutzdeich entsteht. Dieser liegt teilweise auf einem aufgeschütteten Damm von einem Meter Höhe auf. Die mobile Mauer verläuft dann rund 600 Meter zwischen Rheinufer und Charles-de-Gaulle-Straße. „Am einen Ende wird unser Schutzsystem an das Hochwassersystem des UN-Gebäudes angedockt“, erklärte Sven Hansen vom Generalübernehmer Vagedes & Schmid. „Allerdings kann das Wasser nicht nur direkt aus dem Rhein kommen, der Rhein kann das Wasser auch in das Kanalsystem drücken.“ Daher wurden zusätzlich Kanaldeckel abgedichtet und mit Eisenplatten beschwert.

„Mit der mobilen Schutzmaßnahme können wir gewährleisten, dass das Wasser erst einmal zurückgehalten wird“, erklärte Helge Wendenburg vom Bundesumweltministerium. Die mobile Schutzwand ist allerdings nicht dazu gedacht, ein Hochwasser auf Dauer aufzuhalten – sie soll den Organisatoren aber genug Zeit verschaffen, Menschen und Gegenstände geordnet vom Gelände zu evakuieren. „Grundsätzlich kann das System innerhalb von zehn Stunden von etwa zehn Personen aufgebaut werden“, so Hansen.

Am Dienstagmorgen gegen 11 Uhr waren die ersten Teile des Systems abgeladen worden, um 17 Uhr war das letzte Stück des Damms geschlossen – direkt nachdem die letzte Ladung Post der Vereinten Nationen abgeholt worden war. Nun verläuft der Damm quer über die Charles-de-Gaulle-Straße. „Am Ende kann das System aber wieder so zurückgebaut werden, dass keine Rückstände übrig bleiben“, sagte Wendenburg. Zu den Kosten des mobilen Deichs konnten die Verantwortlichen nichts sagen.

Die „Floodtubes“ sollen Flutung des Geländes verhindern

Aktiviert werden soll das System, wenn bestimmte Pegelstände erreicht werden. „Die Bundesanstalt für Gewässerkunde gibt etwa alle 30 Minuten – auch online – den neuen Wasserstand für Bonn an“, so Wendenburg. „In diesem Jahr gab es in Deutschland mehrere Starkregen, 2013 gab es die Hochwasser an Elbe und Donau – grundsätzlich ist unser Programm dabei, den Flüssen mehr Raum zu geben.“ 1993 erreichte der Rhein genau dort, wo jetzt das Schutzsystem installiert wurde, einen Rekordstand. Das Hochwasser beschädigte den noch unfertigen Schürmann-Bau, in dem heute die Deutsche Welle sitzt. Mit den „Floodtubes“ soll diese Gefahr zumindest während des Gipfels aufgehalten werden.