19. Abschlussjahrgang

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg verabschiedet Absolventen

Ein kurzer Plausch vor Beginn des Festaktes im Telekom-Forum.

Ein kurzer Plausch vor Beginn des Festaktes im Telekom-Forum.

Bonn/Rhein-Sieg-Kreis. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hat ihren 19. Abschlussjahrgang gefeiert. Hochschulpräsident Hartmut Ihne verabschiedete die Absolventen mit einer leidenschaftlichen Rede.

Am Ende flogen die Hüte: Etwa 400 Studenten haben in den traditionellen Talaren die erfolgreiche Beendigung ihres Studiums an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gefeiert. Es war der 19. Abschlussjahrgang, dem insgesamt mehr als 1000 Absolventen angehören. Der Festakt im Telekom-Forum am Bonner Landgrabenweg entließ die jungen Akademiker ins Leben außerhalb der Hochschule.

Viele Reden wurden geschwungen. Die wohl eindrücklichste hielt Hochschulpräsident Hartmut Ihne direkt zur Begrüßung. Die Weltgeschehnisse bereiten ihm Sorge. Ihne sprach das weltpolitische Geschehen an, die Umkehr der Demokratie und dass die Hochschule „kluge Köpfe“ ausgebildet habe, die nun Verantwortung tragen. Doch nicht etwa nur im beruflichen Leben, sondern vor allem in der Gesellschaft.

Ihne appelliert an die vor ihm sitzenden jungen Menschen, Verantwortung zu übernehmen und die weltpolitischen Geschehnisse nicht schweigend hinzunehmen. „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist hart erkämpft worden“, sagt Ihne und spricht damit den Rechtsruck in vielen Ländern an, auch in Europa. „Sie dürfen nicht wegschauen. Zeigen Sie Zivilcourage.“ Er redet lange, und das, was er sagt, liegt ihm am Herzen. Er fragt sich, worüber die sogenannten Wutbürger wütend sind. „Über das soziale System, das wir aufgebaut haben? Über den Mindestlohn? Über unsere Umweltstandards? Oder unsere Demokratie?“

Absolventen als Botschafter für die Hochschule

Es sind nur einige von vielen Beispielen, die Ihne in seiner Rede nennt. Er spricht davon, dass die „Gleichgültigkeit der Globalisierung aufhören muss. Werden Sie niemals gleichgültig“, richtet er sich mit einem letzten Appell an die Absolventen. Und noch etwas gibt er ihnen mit auf den Weg: „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Wenn man etwas wirklich tun möchte, sollte man es auch tun.“ Als „Botschafter“ sollen sie nun ihren Weg weitergehen. Als Botschafter für die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die im Sommer Exzellenz-Uni geworden ist.

Wie ein beruflicher Lebensweg eines Absolventen aussehen kann, erzählte Inga Koster. Vor zehn Jahren machte sie in Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ihren Abschluss. Heute ist sie mit zwei ehemaligen Kommilitonen Geschäftsführerin der Smoothie-Marke „true fruits“. Ohne vorgefertigtes Manuskript erzählte sie von der Idee der Marke, und dass sie in der Gründungszeit starken Rückhalt von der Hochschule erhalten habe. Denn „true fruits“ entstand schon während des Studiums.

Kost ist ein Beispiel, wie sich Lebenswege auch ändern können. Einen Vertrag im Investmentbanking hatte sie schon in der Tasche, entschied sich zum Entsetzen ihrer Mutter dann aber für die Selbstständigkeit. Die Idee erhielt sie in Schottland während eines Erasmus-Auslandssemesters. Dort kam sie erstmals mit den pürierten Früchten in Kontakt. Sie witterte ihre Chance. Andrea Marginean und Svenja Haßelberg, zwei von gerade mal sieben Absolventinnen des Studiengangs Elektrotechnik, hören aufmerksam zu. Auch wenn ihr Weg zunächst fest steht, sind sie beeindruckt von Kosters Worten. Haßelberg macht weiter bis zum Master, Marginean hat bereits ihren Arbeitsvertrag in der Tasche, wie die meisten der Absolventen. Wie Sprecher Flacke sagt, kommen etwa 60 Prozent der Absolventen innerhalb der ersten drei Monate nach Studienabschluss unter.