Urban Gardening

Hobbygärtner erzeugen Lebensmittel direkt in Bonn

Bonn. Salat, Gurken, Kohlrabi, Radieschen. Die „StadtFrüchtchen“ haben im vergangenen Jahr eine wirklich gute Ernte eingefahren – obwohl sie eigentlich viel zu spät begonnen haben - So toben sich Hobbygärtner in Bonn aus.

„Wir sind auf einem guten Weg, Bonn zu einer essbaren Stadt zu machen“, sind sich Imke Feist und Miriam Brink einig. Mit „Urban Gardening“ soll dieses Ziel Stück für Stück erreicht werden. „Das hat gleich mehrere Vorteile. Die Kommune spart die Kosten für die Pflege öffentlicher Grünflächen, und gleichzeitig werden Gemeinsinn sowie soziales Engagement gefördert“, sagt Feist.

Dafür haben die beiden Masterstudentinnen im Juni 2017 ein 600 Quadratmeter großes Grundstück der Stadt Bonn gepachtet, das sie mit etwa 20 kleinen und großen Hobbygärtnern beackern.

Alleine sind sie mit ihrem Einsatz für eine „essbare Stadt“ nicht. Schreber- und Gemeinschaftsgärtner, Imker, Kaninchenzüchter, Fisch- und Pilzproduzenten: Sie alle erzeugen Lebensmittel direkt in Bonn. Damit tragen sie auch dazu bei, ökologische Probleme zu lösen.

Denn Nahrungsmittel, die für den Eigengebrauch produziert werden, erreichen den Verbraucher ohne lange Transportwege. Regelmäßig lädt der Wissenschaftsladen Bonn diese Kleinproduzenten ein, sich zu vernetzen und auszutauschen.

Lebensmittelproduktion weiter entwickeln

„Ziel ist es, die städtische Lebensmittelproduktion so weiterzuentwickeln, dass alle Beteiligten davon profitieren“, erklärt Andrea Muno-Lindenau vom Wissenschaftsladen beim Treffen am Dienstag. Und die Themen gehen den Hobby-Landwirten, Tüftlern und Laien-Wissenschaftlern nicht aus.

„Die reichen von der Dünger-Herstellung, dem Tausch von organischem Abfall und Stallmist über die Entwicklung von Gewächshaustechnologie bis hin zur App-Entwicklung für die Nutzung von Lastenfahrrädern“, so Muno-Lindenau.

Jede Menge Mist produzieren beispielsweise die 16 Pensionspferde, die im Stall von Norbert Steinhaus in Hennef stehen. Bisher muss er jeden Monat einen großen Container voll davon abholen und entsorgen lassen. „Das ist wirklich schade“, sagt er. Denn der Mist sei ein idealer Dünger. „Jeder Hobbygärtner kann ihn sich bei mir abholen“, bietet er beim Stammtisch an. „Tomaten gedeihen ganz wunderbar auf Pferdemist. Fürs Anlegen neuer Hochbeete eignet er sich ebenfalls hervorragend“.

Seit vergangenem Jahr versucht sich Agrar-Ingenieurin Simone Sterly in ihrer Freizeit als Hobbyimkerin. „In diesem Sommer wollen wir unbedingt unseren ersten eigenen Honig ernten“, sagt sie.

Mit ihrer Familie hat sie ein Bienenvolk auf einem rund 400 Quadratmeter großen Grabeland in Beuel stehen. „Noch darf man die Tiere nicht stören. Aber man hört sie schon summen“, berichtet sie. Allerdings weiß sie schon jetzt, dass sie spätestens im Sommer ein gravierendes Problem lösen muss. „Wir haben keinen Zugang zu Wasser. Ich hoffe, dass ich heute im Gespräch mit anderen eine Lösung finde.“

Andrea Muno-Lindenau macht ihr Mut. „Wir könnten gemeinsam überlegen, ob wir ein Lastenfahrrad dafür nutzen können, um Wasser zu Grundstücken zu transportieren, die abseits von Wegen liegen und schlecht erreichbar sind“, schlägt sie vor.