Vierter Bürgerdialog

Hitzige Diskussion über die Seilbahn am Venusberg

Bonn. Der Bürgerdialog der Stadtverwaltung zur Machbarkeitsstudie der Venusberg-Seilbahn in der Bad Godesberger Stadthalle zeigte, wie schwer komplexe Infrastrukturprojekte zu vermitteln sind. Es ging äußerst emotional zu.

Untrügliches Zeichen für die erhitzten Gemüter: Einige Eltern und Schüler der Erich-Kästner-Grundschule demonstrierten zu Beginn mit Schildern, auf denen „Bäume statt Stütze auf dem Schulhof“ zu lesen war. Hintergrund sind Skizzen des Hauptgutachters Thomas Baum von der VSU GmbH, die eine Halterungsstele auf dem Schulgelände zeigen. Baum sagte dazu: „Die Schule liegt in der Tat ungünstig. Ob man dort ohne Stützen auskommen kann, muss aber eine genauere Planung ermitteln.“

Dies ist nur ein Aspekt von vielen, die bis zum späten Donnerstagabend in der gut gefüllten Stadthalle diskutiert und erörtert wurden. Er zeigt, um welche Details es bereits zu einem recht frühen Zeitpunkt des Projekts geht. Baudezernent Helmut Wiesner betonte bei der Podiumsdiskussion, dass es um eine vorzeitige Bürgerbeteiligung gehe: „Die Machbarkeitsstudie dient dazu, herauszufinden, ob ein Projekt machbar ist. Sie ist keine fertige Planung.“

In der Stadthalle zeigte sich allerdings erneut, wie schwer komplexe Infrastrukturprojekte zu vermitteln sind. Die Positionen:

  • Die Studie: Gutachter Baum kommt in seiner Machbarkeitsstudie zum Ergebnis, dass eine Seilbahn von der künftigen DB-Haltestelle UN-Campus hoch auf den Venusberg zu den Unikliniken technisch möglich wäre und beide Straßen zum Klinikum entlasten könnte. Für insgesamt 42 Millionen Euro (ohne Planungskosten) wäre eine Trasse mit Anbindung über den Rhein möglich, die den für 2030 prognostizierten Straßenverkehr auf der Robert-Koch-Straße laut Baum um mindestens acht Prozent entlasten würde (1710 Fahrzeuge). Mögliche touristische Effekte noch nicht eingerechnet. Bei einer Anbindung in den Nahverkehr könnte das Land die Baukosten mit 90 Prozent fördern.
  • Die Seilbahngegner: Die Bürgerinitiative „Bonn bleibt seilbahnfrei!“, gegründet von Dottendorfer Anwohnern, deren Häuser an einer möglichen (und der wahrscheinlichsten) Trasse entlang dem Hindenburgplatz liegen, bezweifeln die Wirtschaftlichkeit und auch den ökologischen Nutzen einer Seilbahn. Gundolf Reichert, studierter Physiker, sagt: „Die Stadt legt gefälschte Zahlen vor, um die Seilbahn zu bauen.“ Der Venusberg habe kein Verkehrsproblem, sondern ein Parkproblem. Das habe eine eigene Verkehrszählung der Bürgerinitiative an 16 Tagen in diesem Jahr auf der Robert-Koch-Straße ergeben. Reichert hält die Seilbahn überdies für eine „Drecksschleuder“ und den Kohlenstoffdioxidausstoß für größer als bei Autos. Er begründet das mit dem bundesweiten Energiemix, der weiterhin auch auf fossile Energien setzt.
  • Die Seilbahnbefürworter sehen das anders: Der Strom der Stadtwerke sei im Vergleich mit anderen Anbietern „sehr sauber“, erklärte Christoph Sartoris von der Bürgerinitiative Venusberg, die seit Jahren für verkehrsentlastende Maßnahmen von Anwohnern kämpft. Nur ein Bündel von Maßnahmen könne die Verkehrssituation verbessern. „Und was sind die Alternativen?“, fragte Wolfgang Groß vom VCD. Durch die Zuwachsprognosen in der Bevölkerung und die vorausgesagte Zunahme der Verkehre auf den Venusberg wäre eine zusätzliche Straße oder ein Tunnel aus seiner Sicht denkbar: „Die Infrastrukturkosten wären exorbitant höher.“ Wolfgang Holzgreve, Direktor der Unikliniken, erörterte, die Tendenz gehe zunehmend zur ambulanten statt stationären Behandlung: „Mir hat noch keiner eine valide Alternative aufgezeigt.“
  • Diskussion: Zunächst stellten vor allem Projektgegner Fragen. Aus den Wortbeiträgen war vor allem eine tiefe Skepsis gegenüber der Arbeit des Gutachterteams und der Stadt herauszuhören. Die Zahlen werden angezweifelt. Die Besetzung der Vorträge auf dem Podium mit einem Kritiker und drei Befürwortern sei „ungerecht“. Stadtbaurat Wiesner begründete: „Die neun Verbände, die sich für eine Seilbahn ausgesprochen haben, durften nur zwei Vorträge halten.“ Zu denen gehört auch der Bonner Kreisverband des ADFC, dessen Sprecher Axel Mörer-Funk aus dem Publikum heraus die Diskussionsführung kritisierte: „Die Seilbahngegner können sich hier gegenseitig die Bälle zuschieben.“