Elektromagnetische Felder in Bonn Hier strahlt es am meisten im Bonner Stadtgebiet

Bonn. Sie fallen kaum auf, doch sie stehen fast überall: die Anlagen der Mobilfunkanbieter. Wo sie installiert sind, ist die elektromagnetische Strahlung am höchsten. Eine Karte zeigt die Hotspots im Bonner Stadtgebiet.

Die Zahl der elektromagnetischen Felder in deutschen Städten wächst unaufhaltsam. Nicht nur in der Werbung liefern sich Mobilfunkanbieter wie die Telekom oder Vodafone einen Wettstreit um das beste Netz. Den Großteil der Smartphone- und Handynutzer wird das freuen. Doch es gibt auch einige Menschen, die sich Sorgen um ihre Gesundheit machen. Schließlich geht mit dem Netzausbau in der Regel eine höhere Strahlung einher.

Um die längst entfachte Debatte um elektromagnetische Felder zu "versachlichen", hat Matthias Hampe, Professor an der Hochschule Ostfalia, eine Karte erstellt, die in verschiedenen deutschen Städten, die Strahlung an einzelnen Straßenzügen darstellt. Dafür ist er mit seinem "Messauto" - einem Golf, den er mit einem Messgerät und einer Antenne auf dem Dach ausgestattet hat - durch das ganze Land gefahren. "Wir haben in jeder Stadt während der Fahrt alle ein bis zwei Sekunden eine Stichprobe genommen", so Hampe.


Die auf diese Weise ermittelten Werte beschränkten sich jedoch ausschließlich auf einen Frequenzbereich von 300 MHz bis drei GHz. "Wir können deshalb natürlich nur Aussagen über den von uns gemessenen Frequenzbereich machen", räumt der 39-Jährige ein. Dazu gehörten zum Beispiel Strahlen von Funkmasten, Mobiltelefonen und WLan-Routern. Radiosignale fielen hingegen aus der Statistik. Fakt sei, dass in allen 203 überprüften Städten die festgelegten Grenzwerte des Bundesamts für Strahlenschutz eingehalten worden seien.

In der Nähe der Funkmasten sei die Strahlung am höchsten, proportional zur Entfernung nehme sie wellenförmig ab. "Das Prinzip muss man sich so vorstellen, als werfe man einen Stein ins Wasser, der dann Wellen erzeugt. Je größer die Ringe werden, desto mehr nimmt ihre Intensität ab", so Hampe. Die Messung in Bonn habe im Februar 2016 stattgefunden. Das Ergebnis: Die stärksten elektromagnetischen Felder im Stadtgebiet liegen am Bertha-von-Suttner-Platz und am Venusberg an der Robert-Koch-Straße.

Hampe ist vor allem erstaunt, dass der Unterschied zwischen den verschiedenen Städten in Deutschland so hoch ist. Prinzipiell gelte: Je höher die Bevölkerungsdichte desto höher ist auch die Feldstärke. Düsseldorf liege allerdings stark über dem Durchschnitt, während Berlin oder Hannover eine vergleichsweise geringe Intensität elektromagnetischer Felder aufweisen. Bonn rangiere im oberen Mittelfeld auf Platz 23. "Letztlich sind aber alle unsere Stichproben Momentaufnahmen", betont Hampe. Die Ergebnisse könnten von Tag zu Tag variieren.

Genauere Messungen an bestimmten Standorten ist Aufgabe der Bundesnetzagentur, die ihren Sitz in Bonn hat. Deren Auftraggeber sind vor allem Länder, Kreise, Gemeinden oder Städte. "Unsere Messungen sind sehr aufwendig, weil wir das gesamte Frequenzspektrum überprüfen", so Pressesprecher Michael Reifenberg. Damit seien die Proben zwar nicht so flächendeckend wie bei Hampe, dafür aber exakter und ausführlicher.

"Wenn wir feststellen, dass unsere Messungen in der Nähe der Grenzwerte liegen, schreiten wir ein", verspricht Reifenberg. Notfalls würden sogar Anlagen vom Netz genommen. Allerdings erkenne er gerade einen Trend, der in eine ganz andere Richtung weise: "Die Grenzwertausschöpfung durch elektromagnetische Felder ist an vielen Standorten sehr gering. Das liegt auch daran, dass die Funkmasten von den Betreibern energetisch optimiert werden. Damit wollen sie vor allem ihre Stromkosten senken." Die Datenqualität leide darunter jedoch keinesfalls. Er selbst habe noch nicht erlebt, dass einmal ein Grenzwert überschritten wurde - und das, obwohl die Bundesnetzagentur immerhin bis zu 2000 Messungen pro Jahr durchführt. Grund für eine zu hohe Strahlung könne zum Beispiel die falsche Montage einer Funkanlage sein.

Hampe will durch seine Messungen für das Thema sensibilisieren und mit seinen Daten für eine Diskussionsgrundlage sorgen. In der Debatte um die befürchtete Strahlenbelastung will er als "neutrale Stelle" ohne Emotionen zu einer Aufklärung beitragen. Deshalb wird er wohl auch in Zukunft mit seinem Messauto durch Deutschland touren - immer auf der Suche nach den elektromagnetischen Feldern, den strahlendsten Orten der Stadt.

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